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Same procedure as every year. Die meisterliche Weißbierdusche gönnt sich auch dieses Jahr der FC Bayern München. bild: dpa

Das sind die 11 Spieler der Saison (fast ganz ohne Münchner)

19.03.18, 07:54 19.03.18, 16:43

peter riesbeck

RB Leipzig macht die Liga spannend? Von wegen! Der FC Bayern gewinnt seinen 28. Meistertitel. Die Bundesliga ist langweilig geworden. Ein früher Rückblick auf die Saison und allzuleicht verkannte Spieler. Die heimliche Elf des Jahres.

Tor

Sven Ulreich, 29, FC Bayern München. Das Los des Ersatztorhüters ist Warten. Schließlich ist er ganz offiziell die Nummer 2. Und die Nummer 1 bem FC Bayern ist wirklich immer die Eins. Sepp Maier, Jean-Marie Pfaff, Oliver Kahn und Manuel Neuer. Dahinter hieß es immer nur warten. Und wenn dann wirklich mal einer abtrat beim FC Bayern, dann blieb auch der neue Goalie irgendwie immer nur die 1. Walter Junghans galt als Pannenkeeper, Thomas Kraft als flatterhaft, ebenso Uwe Gospodarek.

Und so war die Überraschung groß als Ulreich 2015 nach 17 Jahren vom VfB Stuttgart nach München wechselte. Diese Saison musste er den dauerverletzten Manuel Neuer vertreten. Anfangs gab's ein paar Patzer, dann viel Lob. Mögliche Belohnung: Ulreich könnte mit zur WM fahren. Als Nummer 2.

Sven Ulreich ist beim FC Bayern München endlich die Nummer 1. Bild: dpa

Abwehr

Marius Wolf, 22, Eintracht Frankfurt. Welch ein Lob. „Wenn Wolf nicht Nationalspieler wird, höre ich auf", sagte Kevin Prince Boateng. Der Abwehr- und Mittelfeldspieler Wolf, im vergangenen Jahr zunächst auf Leihbasis von Hannover 96 nach Frankfurt gekommen, bedankte sich am Wochenende artig und bereitete das 1:0 im Spiel gegen Mainz 05 vor. Torschütze Boateng. Wolf spielt eine hinreißende Saison. U21-Nationalspieler ist er schon, vielleicht geht mit Blick auf die Männer-WM in Russland im Sommer noch ein bisschen mehr.

Matthias Ginter, 24, Borussia Mönchengladbach. Er lernte in Freiburg das Fußballspielen und wurde mit dem deutschen Team 2014 Weltmeister in Brasilien. Da war er 20. Bei seinem neuen Verein Borussia Dortmund lief es dann nicht so gut. Dabei spielten auch Vorgänge jenseits des Platzes eine wichtige Rolle. Ginter musste gleich zwei Anschläge erleben. Im November 2015 stand er in Paris auf dem Platz als sich Terroristen während des Spiels Frankreich gegen Deutschland vor dem Stade de France in die Luft sprengten. „Wir wussten sofort, das sind keine gewöhnlichen Pyroeffekte", sagte Ginter hinterher. Die ganze Nacht harrte das Team im Bauch des Stadions aus. In Paris stürmten islamistische Terroristen den Musikclub „Bataclan" und töteten 130 Menschen. Im vergangenen Jahr saß er dann im Dortmunder Teambus, der auf dem Weg ins Stadion von einem Erpresser mit einer Bombe attackiert worden ist. Das Spiel wurde abgesagt. Aber 24 Stunden später musste Borussia trotzdem ran gegen Monaco. Die Uefa wollte das so. „Ich dachte, ich höre auf mit dem Fußballspielen", sagte Ginter im vergangenen Jahr dem SZ-Magazin in einem bewegenden Interview. In Dortmund lief nicht mehr viel. Der Wechsel nach Mönchengladbach machte Ginter gedanklich wieder frei. Ein Spiel wird eben auch im Kopf entschieden.

Caglar Söyüncü, 21, SC Freiburg. Sie kennen das in Freiburg, dass sie junge Talente entdecken, die dann weiterziehen. Das gehört zum Freiburger Modell (s. Matthias Ginter). Und der türkische Jungnationalspieler Söyüncü ist der nächste, der ein Großer werden könnte. Der Mann fällt auf dem Platz auf. Durch das wallende Haar. Mehr aber noch durch seine Übersicht. Dürfte schwer sein, ihn nach dieser Saison in Baden zu halten.

Freiburgs Bester: Caglar Söyüncü (r.) Bild: dpa

Benjamin Pavard, 21, VfB Stuttgart. Die Älteren unter euch werden sich an Laurent Blanc erinnern, französischer Innenverteidiger der WM-Gewinner-Elf von 1998, die ganz Alten an Bruno Pezzey, der in den 70ern für Eintracht Frankfurt kickte. Pavard kam vor einem Jahr vom OSC Lille nach Stuttgart. Der umsichtige Pavard hat einen großen Anteil am Aufschwung des VfB, im Sommer bei der WM in Russland dürften wir ihn im Trikot des Geheimfavoriten Frankreich wieder sehen.

Mittelfeld

Max Meyer, 22, FC Schalke 04. Als Kapitän der deutschen Elf hat er bei den Olympischen Spielen 2016 die Silbermedaille gewonnen, ein Jahr darauf folgte der Gewinn der U21-EM in Polen. Ein begnadeter Fußballer, nur irgendwie fand sich in Schalker Team kein Platz für das Talent. Das änderte sich im Sommer. Der neue Trainer Domenico Tedesco beorderte den Offensivmann Meyer zurück ins defensive Mittelfeld. Und prompt lief's wieder. Gute Aussichten für die WM im Sommer in Russland, nachdem er vor vier Jahren noch aus dem vorläufigen Kader gestrichen worden war.

Robin Koch, 22, SC Freiburg. Noch ein Umschüler. Robin Koch ist gelernter Innenverteidiger, wie übrigens auch sein Vater Harry Koch, der einst erfolgreich im Rhönradturnen war und 1998 mit dem 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister. Dort lernte auch der Sohn das Fußballspielen, der Durchbruch kam in dieser Saison in Freiburg. Weiterer Aufstieg nicht aufgeschlossen. Ein weiterer Wechsel wohl auch. So ist das eben in Freiburg.

Kevin Prince Boateng, 31, Eintracht Frankfurt. Die Überraschung war groß, als die Eintracht den Mittelfeldmann verpflichtete. Das Aufstöhnen auch. Hertha BSC, AC Milan, Schalke 04, leicht hat es Boateng sich und seinen Klubs nie gemacht. Auch aus Ghanas Nationalelf folgte der laute Abschied. In Frankfurt ist alles anders. Der Mann spielt leise. Aber erfolgreich. Und mannschaftsdienlich. Und erfährt endlich auch hierzulande die späte Anerkennung, die er als großartiger Fußballer verdient hat.

Kevin Prince Boateng erhält endlich auch hierzulande Anerkennung. Bild: dpa

Angriff

Jan Fiete Arp, 18, Hamburger SV. Er war der erste Spieler, der im neuen Jahrhundert geboren wurde und in der Bundesliga zum Einsatz. Und sein Tor im vergangenen Herbst bei Hertha BSC war auch das erste Tor eines Kickers des Jahrgangs 2000. Im Netz kursierte bald der Hashtag #FieteIchWillEinTor von dir. Ein Jahrhundertspieler? Noch zu früh, das zu sagen. Aber ein Jahrhunderttalent ist er allemal. Mag sein, dass die berühmte Hamburger Bundesliga-Uhr nach dieser Saison abgeschaltet wird, Arps Zeit wird noch kommen.

Auch er kann den HSV wohl nicht retten. Jan Fiete Arp. Bild: dpa

Leon Bailey, 20, Bayer Leverkusen. Der Angreifer ist rasend schnell. Er kommt ja auch aus Jamaika. Im belgischen Genk haben ihn die Späher von Bayer Leverkusen entdeckt. „Leon der Profi", titelte die Süddeutsche Zeitung anerkennend. Aber, wie das bei Profis so ist. Sie kommen und gehen. Leverkusen kennt das. Am Rhein genießt man, was man hat. So lange man es hat. Und noch ist er ja da, der treffsichere Bailey.

Guido Burgstaller, 28, Schalke 04. Mancher wunderte sich als der Stürmer zur Winterpause 2017 aus Nürnberg nach Schalke kam. Aber der Mann ist schnörkellos. Und treffsicher. Ein echter Kicker alter Schule im Zeitalter der Laptoptrainer. Ganz nach dem Motto des legendären Ulf Kirsten. „Über die Linie reicht." Stimmt auch. 

Trainer

Tayfun Korkut, 43, VfB Stuttgart. Ein echter anatolischer Schwabe. Wie Cem Özdemir. Ein echter Overachiever. Wie Cem Özdemir. Ein echter Unvollendeter wie Cem Özdemir? So schien. Hannover, Leverkusen, Kaiserslautern überall hielten sie viel von Tayfun Korkut. Aber irgendwie klappte es nicht mit Korkuts innovativer Spielidee und den eingefahrenen Klubs. In Stuttgart ist's endlich anders. Korkut kennt die VfB-Idee. Er war dort Profi und Jugendtrainer. Nun findet endlich zusammen, was zusammengehört. Wird auch Zeit. Timo Werner, Joshua Kimmich, Sami Khedira, Sebastian Rudy, Antonio Rüdiger, Mario Gomez - sechs Spieler aus der VfB-Jugend standen im Vorjahr im Kader der DFB-Elf als Deutschland in Stuttgart gegen Norwegen siegte. Nicht einer spielte mehr beim VfB. Das könnte sich unter Korkut ändern. Ein Mann, der auf die eigene Jugend kennt. Und immerhin: Mario Gomez kam schon zurück zum VfB.​

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