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Wird seinen Vertrag bis 2021 erfüllen, aber in der kommenden Saison nicht auf der Champions-League-Bühne auftreten; Pep Guardiola, Trainer von Manchester City. Bild: imago/foto2press/oliver zimmermann

Star-Flucht und finanzielle Krise? Die wichtigsten Fragen zur Sperre von Manchester City

Die unabhängige Finanz-Kontrollkammer der Uefa hat Manchester City für zwei Jahre aus der Champions League und allen anderen europäischen Wettbewerben verbannt. Was dem englischen Meister vorgeworfen wird, wie es jetzt weitergeht und welche Auswirkungen eine Sperre hätte.

Adrian Bürgler / watson.ch

Was wirft die Uefa Manchester City vor?

Es geht um Verstöße gegen die Financial-Fairplay-Vorschriften des europäischen Fußballverbands (Uefa). Der englische Meister habe zwischen 2012 und 2016 Sponsoren-Einnahmen im Wert von mehr als 50 Millionen Pfund falsch deklariert. Gleichzeitig sollen Kosten, die ins Financial Fairplay hätten einfließen sollen, versteckt worden sein.

Ganz konkret geht es um 51,5 Millionen Pfund (fast 62 Millionen Euro), die City von der Abu Dhabi United Group, die Klubbesitzer Sheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan gehört, erhielt. Der Klub hat allerdings angegeben, dass dieses Geld von Stadion- und Trikotsponsor Etihad Airways gekommen sei.

Zudem soll City gegen weitere Richtlinien verstoßen haben, weil es bei den Ermittlungen der Finanz-Kontrollkammer des Kontinentalverbands nicht kooperierte.

Die Uefa leitete eine Untersuchung ein, nachdem der "Spiegel" 2018 im Rahmen der "Football Leaks" entsprechende Anschuldigungen veröffentlicht hatte. Die Untersuchungskammer der Uefa belegte Manchester City nun mit einer zweijährigen, ab der Saison 2020/21 geltenden Sperre von allen europäischen Wettbewerben. Zudem müssen die "Citizens" eine Buße von umgerechnet rund 30 Millionen Euro zahlen.

Wie reagiert Manchester City?

Der Verein reagierte in einer Stellungnahme auf seiner Internetseite "enttäuscht, aber nicht überrascht" und wies die Vorwürfe zurück. Der Fall sei von der Uefa initiiert, von der Uefa juristisch verfolgt und von der Uefa beurteilt worden, kritisierte ManCity. Man wolle nun den Fall vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne ziehen, um ein unabhängiges Urteil zu erhalten.

"Nachdem dieses vorverurteilende Verfahren nun abgeschlossen ist, wird der Klub so schnell wie möglich ein unparteiisches Urteil anstreben und daher in erster Instanz so schnell wie möglich ein Verfahren vor dem Sportschiedsgericht einleiten."

Das Statement von Manchester City.

Betrifft die Sperre die aktuelle Saison?

Nein, auf die laufende Champions-League-Saison hat die Sperre keine Auswirkungen. ManCity wird am 26. Februar wie geplant das Achtelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid spielen können.

Welche Beweise hat die Uefa?

Dem europäischen Verband sollen E-Mails und andere interne Klubdokumente vorliegen, die bei den "Football Leaks" ausgegraben wurden und die den mutmaßlichen Betrug aufzeigen. Es gab auch den Vorwurf, dass die Uefa durch eigene Hacker in Besitz dieser Mails gekommen ist, doch das scheint unwahrscheinlich.

Es ist vermutlich so, dass die Mails nicht auf legale Weise an die Öffentlichkeit gerieten, allerdings nicht durch Aktionen der Uefa. Zudem hat der Internationale Sportgerichtshof bereits in früheren Fällen gehackte Mails als Beweismittel akzeptiert. Insbesondere, wenn die beschuldigte Partei bei der Untersuchung nicht kooperierte – was bei Manchester City laut Uefa der Fall war.

Wie geht es weiter?

Manchester City wird Einspruch erheben, also nimmt sich der Internationale Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne des Falls an. Die involvierten Parteien werden dort ihre Beweise vortragen. Am 7. Juli 2020 beginnt die nächste Champions-League-Saison mit der Qualifikation. Es ist im Interesse aller Beteiligten, dass der Prozess spätestens bis dann abgeschlossen ist.

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Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne: Hier könnte die Zukunft von Manchester City entscheidend beeinflusst werden. Bild: imago images/itar-tass/Mikhail Japaridze

Sollte das Cas allerdings gegen den englischen Meister entscheiden, werden die Juristen des Klubs wohl alles daransetzen, den Fall noch weiter in die Länge zu ziehen und damit ein definitives Urteil zu verzögern.

Worauf könnte Manchester City einen Einspruch berufen?

Die Anwälte von Manchester City werden sich auf jeden formellen Fehler stürzen, den die Uefa möglicherweise begangen hat. Dazu gehört auch ein potenzieller Leak gegenüber der "New York Times", die schon im Mai über einen drohenden Ausschluss Citys aus der Champions League berichtete. Bereits damals versuchte der Klub, die Untersuchung deshalb als ungültig zu erklären und eine andere Einigung mit der Uefa zu finden. Damals lehnte das Cas den Vorstoß allerdings ab.

Des Weiteren könnten die "Citizens" Paris Saint-Germain zum Vorbild nehmen. Der französische Meister entging im vergangenen Sommer einer Strafe, nachdem Untersuchungsleiter Yves Leterme entschieden hatte, dass die tatsächlichen Sponsorengelder, die PSG erhalten hatte, "mehr oder weniger" den Angaben des Klubs entsprachen. Ein Urteil, das europaweit Kopfschütteln auslöste, insbesondere weil PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees ist.

Nasser Al Khelaifi (PRESIDENT PSG) - BLEUET DE FRANCE FOOTBALL : Monaco vs Paris SG - Ligue 1 Conforama - 11/11/2018 FEP/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

Nasser Al-Khelaifi. Bild: imago images/panoramic/Philippe LECOEUR

Gleichzeitig könnte Manchester City den schwarzen Peter auch an andere Klubs weiterreichen. Laut "The Athletic" hat City in den vergangenen Jahren routinemäßig finanzielle Daten der anderen europäischen Großklubs gesammelt und wird diese nun zu einem Dossier bündeln. Der englische Meister will so beweisen, dass ihre Praktiken sich nicht von den restlichen finanzstarken europäischen Teams unterscheiden.

Gab es schon vergleichbare Fälle?

Die Uefa hat schon vermehrt Europa-Cup-Sperren gegen Teams ausgesprochen, aber wohl noch selten hat ein Entscheid derartige Wellen geworfen wie im aktuellen Fall. Eine Auswahl.

Was bedeutet das für Citys Finanzen?

Wird die Sperre vom Cas und der Uefa bestätigt, drohen Manchester City harte finanzielle Konsequenzen, die weit über die Buße von 30 Millionen Euro hinausgehen. Vergangene Saison nahm der Klub 92 Millionen Euro an Champions-League-Preisgeldern ein. Die Einnahmen durch Tickets und Gastronomie an den Spieltagen ist dabei noch nicht eingerechnet.

Im Falle einer zweijährigen Sperre könnte den "Citizens" also eine beträchtliche Summe entgehen – weit über 94 Millionen Euro. Zieht man in Betracht, dass der Gewinn des Klubs im vergangenen Jahr rund zwölf Millionen Euro betrug, müsste City wohl beim Spielermaterial einsparen, um nicht weiter gegen das Financial Fairplay zu verstoßen.

Verlassen nun also die Stars den Klub?

Das kommt laut "The Athletic" auf die Klauseln in den Verträgen an. Es besteht die Möglichkeit, dass Manchester City bei gewissen Spielern vertraglich festgehalten hat, dass die Gehälter gesenkt werden können, sollte der Klub nicht in der Königsklasse spielen.

Andererseits scheint es auch realistisch, dass Agenten in die Verträge ihrer Klienten Klauseln haben einbauen lassen, wonach die Spieler den Klub für eine festgelegte Ablösesumme verlassen können, sollte die Mannschaft nicht europäisch vertreten sein.

Manchester City's Sergio Aguero arrives to the stadium before the English Premier League soccer match between Sheffield United and Manchester City at Bramall Lane in Sheffield, England, Tuesday, Jan. 21, 2020. (AP Photo/Rui Vieira)

Sergio Agüero wird diesen Sommer 32. Bleibt er auch bei ManCity, wenn es zwei Jahre nicht europäisch spielen darf? Bild: ap

Die Fans dürfen jedenfalls nur wenig Loyalität erwarten, denn mit Geld alleine hält man heute die besten Fußballer der Welt nicht mehr. Man muss ihnen auch Erfolgsperspektiven bieten können – und das bedeutet eine (fast) gesicherte Teilnahme an den europäischen Wettbewerben. Nachdem die Uefa die Sperre am Freitagabend bekannt gemacht hatte, hat Manchester City sofort die Agenten der Spieler kontaktiert und ihnen zugesichert, man müsse sich keine Sorgen machen, und dass das Urteil nicht standhalten werde.

Eine andere zentrale Personalie ist Trainer Pep Guardiola. Er hat aber sofort verlauten lassen, dass er seinen bis 2021 laufenden Vertrag erfüllen will, egal was passiert.

Was bedeutet der Fall für die Uefa?

Für die unabhängige Finanz-Kontrollkammer der Uefa ist der Fall ein Prestigeprojekt. Sollte nach PSG und Milan auch Manchester City am Ende ungeschoren davonkommen, müsste der europäische Verband die Financial-Fairplay-Vorschriften wohl oder übel beerdigen – oder zumindest stark überarbeiten.

Wie wird das CL-Rennen in England beeinflusst?

Das ist ziemlich simpel: Wenn die Sperre bestätigt wird und Manchester City sich in der Premier League innerhalb der Top vier klassiert, dann rutscht die fünftplatzierte Mannschaft in die Champions League nach.

Hat der Fall weitere Auswirkungen auf die Premier League?

Vorerst nicht. Die Premier League hat allerdings im März 2019 eine eigene Untersuchung gegen Manchester City eingeleitet. Kommt diese Kommission ebenfalls zum Befund, dass Regelverstöße stattgefunden haben, drohen dem Klub nachträgliche Punktabzüge. Auch ein Entzug der Lizenz für die europäischen Wettbewerbe wäre möglich.

Der aktuelle Tottenham-Trainer José Mourinho witzelte schon: Vielleicht kriege ich noch den Meistertitel von 2017/18. Damals wurde der Portugiese mit Stadtrivale Manchester United 19 Punkte hinter City Zweiter.

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