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Wisst ihr noch, damals? Als Fußball gespielt wurde? Die Bayern-Stars David Alaba (l.) und Thiago. Bild: imago images/Laci Perenyi

Gehaltsverzicht statt Goldsteaks – Bundesliga-Stars geraten unter Spenden-Druck

Philipp Reich / watson.ch

Die Forderung wird immer lauter: Fußball-Profis sollen in Zeiten der Corona-Krise auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, um ihre Klubs und die Jobs der Mitarbeiter und Zulieferer der Branche abzusichern. Vor allem in der Bundesliga wird der öffentliche Druck immer höher. Sollte die Saison wegen des Coronavirus nicht beendet werden können, drohen Einnahmeverluste in Höhe von rund 750 Millionen Euro.

In den großen US-amerikanischen Sportligen verzichten Spieler bereits auf Lohn oder spenden viel. NBA-Star Zion Williamson zahlt beispielsweise sämtlichen Arbeitern der Heimarena seiner New Orleans Pelicans den Lohn für 30 Tage.

Bundesligisten gaben 2018/19 1,4 Milliarden Euro für Spielergehälter aus

Gemeinsam sollen auch die Bundesliga-Stars erkennen, dass sie auch ihren Teil dazu beitragen müssen, damit der Fußball einigermaßen unbeschadet aus der Krise herauskommt. In der vergangenen Saison gaben die Bundesliga-Klubs 1,4 Milliarden Euro für Spielergehälter aus, was 35,6 Prozent aller Ausgaben ausmacht. Es ist der mit Abstand größte Kostenblock im deutschen Profifußball.

"11 Freunde"-Chefredakteur Philipp Köster schlägt deshalb im "Stern" vor, dass die Spieler 15 Prozent ihres Gehalts in einen Solidaritätsfonds einzahlen könnten, der vor allem den kleineren, in finanzielle Notlage geratenen Klubs zu Gute kommen soll. "Ein solcher gemeinsamer Lohnverzicht wäre ein großartiges Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts – und würde ein für alle Mal all jene widerlegen, die in den Profis nur wandelnde Ich-AGs sehen, die ausschließlich auf die eigene Karriere und das eigene Bankkonto starren", glaubt der Fußball-Experte.

"Wer so wenig mit seinem Geld anzufangen weiß, dass er in Dubai ein Goldsteak verzehren muss, kann auch ein paar Tausender spenden."

Das fordert die Zeitung "Tages-Anzeiger" aus der Schweiz.

"Wer so wenig mit seinem Geld anzufangen weiß, dass er in Dubai ein Goldsteak verzehren muss, kann auch ein paar Tausender spenden", forderte der "Tages-Anzeiger" aus der Schweiz zuletzt etwas populistisch, doch auch die Politik stimmt langsam mit ein.

Söder fordert mehr Solidarität, Rettig warnt Profis

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert ebenfalls mehr Solidarität: "Ich fände es in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld", erklärte Söder. Der frühere DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig gibt zu Bedenken: "Jeder sollte wissen, dass falls es keinen Gehaltsverzicht der Spieler gibt, die Kosten woanders gespart werden müssen. Also werden die Vereine die Kader von 30 auf vielleicht 25 Spieler reduzieren. Damit fallen Arbeitsplätze auch bei den Spielern weg."

Noch sträuben sich die Spieler allerdings. Im Moment besteht die Solidarität der meisten Fußball-Stars aus "Stay at Home"-Appellen und guten Wünschen auf Instagram. Zum Gehaltsverzicht will kaum einer Stellung nehmen: Die "Bild"-Zeitung wollte alle 18 Bundesliga-Kapitäne zum Thema befragen, erhielt aber nur eine Antwort – von Bayern-Torhüter Manuel Neuer.

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Kompromisslos auf dem Rasen, aber umso zurückhaltender, was das Thema Gehaltsverzicht angeht: Bayerns Torwart Manuel Neuer (r.). Bild: imago images/Philippe Ruiz

"Wie jeder andere Mensch in dieser Zeit machen auch ich und die anderen Fußballprofis uns darüber Gedanken, wie man mit der Situation am besten umgehen kann", erklärte Neuer. Viele Klubs bestätigten, dass die Spieler sich gemeinsam mit dem Verein mit einem möglichen Gehaltsverzicht beschäftigen. "Wir besprechen dieses Thema intern mit der Mannschaft", ließ Borussia Dortmund beispielsweise verlauten.

BVB-Boss Watzke glaubt nicht an einen Gehaltsverzicht der Fußballprofis, Köln-Manager Heldt fährt aus der Haut

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der sich am Sonntag in einer Sondersendung der ARD schon gegen Solidaritätszahlungen der Klubs ausgesprochen hat, glaubt nicht, an einen Gehaltsverzicht der Spieler: "Das geht nur auf freiwilliger Basis – und ich bin nicht der Zuversichtlichste, was das angeht", sagte der Dortmund-Boss am Sonntag.

Köln-Manager Horst Heldt kann mit dem öffentlichen Druck noch weniger anfangen. "Es wäre sinnhaft, sich mit populistischen Scheiß-Ausdrücken ein Stück zurückzuhalten. Man sollte sich darauf konzentrieren, was für die Menschen wichtig ist. Ich finde es unverschämt, das öffentlich zu diskutieren und öffentlich infrage zu stellen. Das finde ich anmaßend und nicht in Ordnung", erklärte er gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Rein rechtlich steht den Profis ihr volles Grundgehalt zu

Eine juristische Handhabe, einem Profi trotz der durch die Coronavirus-Pandemie verursachten finanziellen Einbußen weniger Gehalt zu zahlen, haben die Fußballklubs nicht. "Ohne die Zustimmung eines Spielers, ist eine Kürzung des Gehalts nicht zulässig", sagte der auf solche juristischen Fragen spezialisierte Rechtsanwalt Andrej Dalinger in einem Sport1-Interview. Wollen Spieler jedoch von sich aus auf Teile ihres Gehalts verzichten, müsse das mit jedem "einzelnen Spieler individuell" ausgehandelt werden. Obwohl fast alle Bundesligisten ihren Trainingsbetrieb vorerst eingestellt haben, stehe den Profis das volle Grundgehalt zu.

Nationalelf spendet 2,5 Millionen

Die deutsche Nationalmannschaft hat mittlerweile einen Spendenaufruf gestartet und geht mit gutem Beispiel voran: Die Nationalspieler um Kapitän Manuel Neuer spenden 2,5 Millionen Euro für soziale Zwecke. Über die Plattform wirhelfen.eu kann sich jeder Fan an der Aktion beteiligen, die die Profis am Mittwoch über die Instagram Stories des DFB-Team-Accounts bekannt machten.

"Wir müssen aufeinander schauen in solchen Zeiten", betonte Neuer, der sich wie mehrere seiner Kollegen in einer Videobotschaft an die Fans wandte. "Wir allen merken, dass wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation befinden. Jeder von uns ist betroffen", ergänzte Joshua Kimmich: "Deshalb ist es wichtig, dass wir einander helfen und unterstützen. Wir sollten uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und Solidarität zeigen."

Leon Goretzka sagte: "Ich möchte euch bitten, euren Teil beizutragen. Wir als Nationalmannschaft sind vorausgegangen und haben 2,5 Millionen Euro für den guten Zweck gespendet und hoffen, dass viele von euch folgen werden."

Auch der Gladbacher Matthias Ginter, Lukas Klostermann (RB Leipzig) sowie die Freiburger Luca Waldschmidt und Robin Koch fordern ihre Anhänger zu Spenden auf.

quelle: sid

(mit Material von dpa ergänzt)

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    Alle Leser-Kommentare
  • rene1956 18.03.2020 13:53
    Highlight Highlight Da kommt jetzt wieder bei einigen Zeitgenossen der Sozialneid hoch. Widerlich! Warum denn nicht mal bei den Börsenunternehmen und deren Vorstände und Aufsichtsräte anfangen? Das sind doch die, die letztlich Macht haben und am ehesten helfen können, wenn sie auf ihre Gehälter verzichten, ebenso wie auf Rauschmiss von Mitarbeitern.

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