Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

John Williams (15) gewinnt im Wembley einen ungewöhnlichen Wettkampf. bild: twitter/fourfourtwo

Fußball-Geschichte: England sucht den schnellsten Spieler – und einer mit Hangover gewinnt

Ralf Meile / watson.ch

12. April 1992: Wer ist der schnellste Fußballer im Land? Heute schaut man wohl einfach im FIFA-Game nach dem "Speed"-Wert. Aber 1992 ist das noch anders: Da lässt man einen Spieler von jedem englischen Profiklub um 10.000 Pfund sprinten.

1992 ist ein bedeutsames Jahr in Englands Fußball. Nein, nicht weil im Sommer die Premier League ihren Betrieb aufnimmt. Sondern weil ein paar Monate vorher in einem offiziellen Wettkampf über mehrere Runden ermittelt wird, wer der schnellste Fussballer im ganzen Land ist.

10.000 Pfund beträgt die Siegerprämie, welcher der Sponsor des Liga-Cups ausgelobt hat. Viel Geld selbst für Erstliga-Profis, und erst recht für einen Akteur aus den drei unteren Ligen.

abspielen

Das große Sprint-Finale im Wembley Stadion. Video: YouTube/Johnny

92 Fußballer nehmen zunächst an regionalen Ausscheidungen teil, von jedem Klub der Profi-Ligen einer. Sechzehn qualifizieren sich für Halbfinals und Final, die an keinem geringeren Ort ausgetragen werden als im glorreichen Londoner Wembley-Stadion. Die Läufe finden im Vorprogramm des Ligacup-Finals statt, den anschliessend Manchester United mit 1:0 gegen Nottingham Forest gewinnen wird.

"Ich war sternhagelvoll"

Aber der Hauptdarsteller dieser Geschichte ist nicht Brian McClair, der einzige Torschütze. Sondern John Williams, Stürmer des Drittligisten Swansea City. Er schießt am Samstag den Treffer beim 1:1 in Darlington und reist dann direkt knapp 400 Kilometer in den Süden Englands, wo einen Tag später das grosse Finale ansteht.

Jeder Sprinter ist mit einem Gast eingeladen, Williams entscheidet sich dafür, einen Mitspieler mitzunehmen, Jon Ford. Das ist ein Fehler. Oder ist es das Erfolgsrezept? Ford hat nämlich um Mitternacht Geburtstag. "Wir waren essen und ich schlug ihm vor, dass wir ruhig etwas feiern können", erinnert sich Williams im Magazin "FourFourTwo".

Ein folgenschwerer Entscheid. "Aus einem Bier wurden zwei, aus zwei wurden drei. Wir tranken eine Flasche Champagner und stiegen dann auf Schnäpse um", erzählt Williams, der erst als 22-Jähriger von den Profiklubs entdeckt wurde. "The Flying Postman" rufen sie ihn, denn der Amateur verdient sein Geld als Briefträger. "Am Ende war ich sternhagelvoll. Wahrscheinlich waren wir etwa um 3 Uhr im Hotelzimmer. Ich musste mich übergeben und das nächste, das ich weiß, ist, dass ich in der Badewanne aufwachte."

Besser kein Tiefstart …

Ohne seinen Mitspieler hätte es Williams wohl noch länger in seinem unbequemen Nachtlager im Hilton-Hotel von Watford ausgehalten. Aber Ford weckt ihn, indem er ihm kaltes Wasser ins Gesicht spritzt. "Das machte mich fuchsteufelswild", schildert Williams, "ich fühlte mich angegriffen und wollte auf ihn losgehen. Bis ich begriff, dass er es ist und dass er mich anschrie: 'Wir sind zu spät! Wir sind zu spät!'"

Ist das Duo nicht. Es schafft es rechtzeitig ins Stadion – wo John Williams trotz seinem gewaltigen Kater das Halbfinale übersteht. Williams befürchtet, dass er bei einem Tiefstart aufgrund seines Rausches nicht aus dem Block kommt, also entscheidet er sich für einen stehenden Start.

Die acht Finalisten

John Williams (Swansea City), Kevin Bartlett (Notts County), Leigh Jenkinson (Hull City), Michael Gilkes (Reading), Adrian Littlejohn (Sheffield United), Tony Witter (QPR), Efan Ekoku (Bournemouth, später bei GC), Paul Fleming (Mansfield Town).

Als sein Hauptkonkurrent im Finale gilt Kevin Bartlett, in der Qualifikation mit 11.40 Sekunden der Schnellste überhaupt. Williams legt keinen optimalen Start hin. Aber ähnlich wie Jahre nach ihm Weltrekord-Sprinter Usain Bolt legt auch der Fußballer auf der zweiten Streckenhälfte zu. Der Sieg des 25-Jährigen ist deutlich, 11.49 Sekunden seine Zeit. "Elegant sah es sicher nicht aus", weiss er selber, "aber als ich Tempo aufgenommen hatte, war ich schnell."

Topfavorit Bartlett, der bloß Zweiter wird, muss sich bis heute den Spott ehemaliger Mannschaftskollegen anhören. "Aber weil ich in den Vorläufen neun Hundertstel schneller war und es der einzige solche Wettbewerb blieb, sehe ich mich immer noch als schnellsten Fußballer der Geschichte." Williams kann darüber nur lachen: "Was zählt, ist nur das Finale."

Hypothek abbezahlt und Auto gekauft

"Ich wusste, dass ich eine Chance habe", sagt Williams strahlend im Sieger-Interview, er habe einfach sein Bestes gegeben. Und er gibt unumwunden zu, dass er beim Buchmacher Wetten auf seinen Sieg platziert hat. So kommt zur Preissumme von 10.000 Pfund noch mehr Geld hinzu.

Bild

John Williams mit seinem Siegercheck. bild: twitter/footballremind

Kohle, die höchst willkommen ist: "Ich konnte eine Hypothek meines Hauses abbezahlen und ich kaufte mir ein neues Auto, einen Peugeot 205 GTI 1.9." Auch Mitspieler der Sprintrakete, die ihr Geld auf den 16:1-Aussenseiter gesetzt hatten, sahnen ab.

"Ich hatte eine gute Karriere"

Williams wechselt im Sommer darauf in die Premier League, stürmt dort drei Saisons für Coventry City und erzielt den ersten Treffer der "Sky Blues" in der neuen Liga. Nach elf Toren in 80 Einsätzen wird aus dem populären Angreifer ein "Journeyman", der durch die unteren Profi-Ligen tingelt und auch bei den Amateuren fleißig den Klub wechselt. Am Ende kommt er auf 22 verschiedene Teams, für die er aufgelaufen ist.

"Jemand sagte mir mal, die Liste meiner Klubs sähe aus wie eine komplette Tabelle. Aber ich kann mich nicht beklagen, ich hatte eine gute Karriere", zieht er 2008 als 40-Jähriger Bilanz.

Immer noch gefragt: Williams als TV-Experte.

Das könnte dich auch interessieren:

Das? Das ist nur die wohl umfangreichste Schatzkarte aller bisherigen Zeiten

Link zum Artikel

Journalistin macht sich über Enissa Amani lustig – deren Fans starten eine Insta-Hetzjagd

Link zum Artikel

Dieses Rätsel ist so einfach, du wirst es niemals zugeben, wenn du es nicht lösen kannst

Link zum Artikel

An Hitlers Geburtstag legt die Schweiz die Nazi-Elf aufs Kreuz

Link zum Artikel

Böhmermann macht aus "GoT" die "Game of Shows" – mit Gottschalk und LeFloid

Link zum Artikel

Influencerin geht in Neuseeland baden – und wird dafür abgestraft

Link zum Artikel

Sri Lanka: Einheimische Islamisten sollen die Anschläge verübt haben

Link zum Artikel

Ukraine-Wahl: Komiker Selenskyj neuer Präsident

Link zum Artikel

"Game of Thrones": Ein beliebter Charakter lebt noch

Link zum Artikel

PAOK Saloniki wird erstmals seit 34 Jahren Meister – und die Ultras drehen völlig ab

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Legende!" – BVB-Fans feiern Marcel Schmelzer, obwohl er wieder nicht spielte

Samstagabend, 87. Spielminute. Westfalenstadion. Über 80.000 Fans halten den Atem an. Borussia Dortmund führt 2:1 gegen Mainz 05 und BVB-Keeper Roman Bürki rettet drei Bälle von Anthony Ujah aus nicht mal einem Meter. "Bürki hat uns zwei Punkte gerettet", fasste Thomas Delaney nach dem schmeichelhaften Sieg zusammen. Die Fans haben aber noch einen weiteren Matchwinner auserkoren: Marcel Schmelzer – obwohl der nicht eine Minute auf dem Platz stand.

Jener Schmelzer wärmte sich in der zweiten …

Artikel lesen
Link zum Artikel