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Schürrle wechselt zu Fulham – gibt es einen Weltmeister-Fluch?

Dominik Sliskovic
Dominik Sliskovic

André Schürrle könnte der erste deutsche Fußballprofi werden, mit dem über 100 Millionen Euro durch Transferablösen erlöst wurden. Ihm fehlen noch 7,5 Millionen Euro zu dieser finanziellen Schallgrenze. Momentan sieht es aber nicht so aus, als würde irgendein Verein in naher Zukunft diese im heutigen Fußballbusiness vergleichbar geringe Summe zahlen wollen. 

Denn Schürrles Karriere befindet sich im Sturzflug.

2014 war er es, der mit seinem Sololauf entlang der linken Seitenauslinie und der passgenauen Flanke Mario Götze das Tor vorlegte, das für Deutschland den WM-Titel bedeutete. Vier Jahre später wird er von seinem Arbeitgeber Borussia Dortmund von einer US-Tour freigestellt, um sich einen neuen Verein suchen zu können. Zumindest das scheint Schürrle, dem in den vergangenen Monaten die Leichtigkeit und die Frische aus dem Spiel verloren gegangen waren, gelungen zu sein.

Nach der Nacht von Rio, in der Deutschland seinen vierten Stern holte, schien es keine Grenzen für Schürrles Karriere zu geben. Nach seiner soliden Debütsaison bei Chelsea und als frischgebackener Weltmeister hätten die nächsten Stationen von Schürrle auch Real, PSG oder Man City heißen können. Es wurden: Wolfsburg, BVB – Fulham. Dorthin, zum Premier-League-Aufsteiger aus London, verschlägt es den 27-jährigen Linksaußen nun. Doch nicht einmal die "Cottagers" sind bereit, eine Ablöse für Schürrle zu zahlen. Zu unstetig ist seine Leistung, zu unsicher das Investment darin geworden. 

Fulham wirbt trotzdem mit den bisherigen Erfolgen Schürrles:

Gestern unterschrieb Schürrle seinen zwei Jahre laufenden Leihvertrag . In dieser Zeit, so ist der Plan, soll Schürrle im altehrwürdigen Stadion Craven Cottage, mit Blick auf die Themse und einen Steinwurf entfernt von der Heimstätte seines Ex-Clubs Chelsea, sein Mojo wiederfinden, das er scheinbar im Maracana gegen den Weltmeister- und Heldentitel eintauschen musste.

Das Fulham-Trikot steht Schürrle zumindest schon einmal gut:

Mario Götze, WM-Final-Siegtorschütze 2014 und anderes Opfer des "Maracana-Syndroms", schien die Prophezeiungen nach dem Weltmeistertitel zunächst wahr werden zu lassen: Obwohl der damalige Bayern-Trainer Pep Guardiola Götzes Stärke als Raumdeuter nicht vollkommen in sein striktes System integriert bekam, machte Götze in der Bundesliga-Saison 14/15 32 der 34 Partien, erzielte neun Tore und machte vier Vorlagen. Gute Werte, die die Bayern-Spitze jedoch nicht glücklich machten, wollten sie aus Götze doch um jeden Preis eine torgefährliche "falsche Neun" formen. 

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In München wurde Mario Götze nicht glücklich Bild: imago sportfotodienst

Götze fremdelte mit seiner Rolle, fiel verletzungsbedingt aus und verlor die Anbindung an die Mannschaft. Der Wechsel ins alte Zuhause Dortmund brachte seine Karriere endgültig zum stagnieren – auch aufgrund seiner diagnostizierten Stoffwechselerkrankung. 

Der Fluch von der Copacabana zog ihn mit Verzögerung den Boden unter den Füßen weg.

Schürrles zwischenzeitliches Hoch wiederum kam, als es bei Götze bergab ging. Nachdem er in der Hinrunde der Saison 14/15 nur 430 Minuten für Chelsea auf dem Platz stand, flüchtete er in der Winterpause für die stolze Summe von 32 Millionen Euro nach Wolfsburg. Beim VfL traf er auf eine eingespielte Mannschaft, die auch ohne den neuen, vermeintlichen Star funktionierte. Im Schnitt machte Schürrle in der Rückrunde nur 50 Minuten pro Spiel. Sein Anteil am DFB-Pokalsieg und der Vizemeisterschaft ist auch aufgrund von wettbewerbsübergreifend nur einem geschossenen Tor als marginal anzusehen. Schürrles Siegermentalität wurde in diesem halben Jahr dennoch wieder angeknipst.

Die darauffolgende Saison sollte Schürrles letztes Aufbäumen gewesen sein: Während sich sein WM-Spezi Götze bei den Bayern nur zu 14 Einsätzen quälte, war Schürrle ein Lichtblick in einer destruktiv agierenden Wolfburger Mannschaft: 14 Torbeteiligungen in der Bundesliga, vier in der Champions-League. Schürrle hatte sich für größere Aufgaben empfohlen als den einmal mehr zum Chaos-Club mutierten VfL zu retten. Borussia Dortmund sicherte sich für die Vereinsrekordablöse von 30 Millionen seine Dienste.

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In Dortmund gab Schürrle den ewigen Optimisten Bild: imago sportfotodienst

Blöd nur, dass der BVB in der Post-Kloppo-Phase selbst zum Chaos-Club geworden war. Coach Thomas Tuchel konnte mit seinem ehemaligen Schützling aus Mainzer Jugend- und Profi-Zeiten nicht viel anfangen, Tuchels Nachfolger Peter Bosz musste lange Zeit verletzungsbedingt auf ihn verzichten, Feuerwehrmann Peter Stöger hatte in seinem pragmatischen Spiel keinen Platz für Ballfummler wie es der Flügelflitzer einst war.

Schürrle hatte sich in zwei Jahren Schwarz-Gelb zum Spieler ohne überzeugende Attribute heruntergespielt.

Nun also Fulham. Und die Frage, ob nach dem Ende des DFB-Höhenflugs mit dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 auch die Leidenszeit der beiden WM-Helden Schürrle und Götze endet. Letzterer hat im neuen BVB-Trainer Lucien Favre einen großen Befürworter, Götze zahlt ihm das Vertrauen mit überzeugenden Testspiel-Leistungen als Kapitän gegen europäische Top-Clubs zurück. Gegen die wird es für Schürrle mit Fulham nur im Abstiegskampf gehen.

Doch vielleicht findet er durch den fußballerischen Kampf in Partien gegen Man City, Liverpool und seinen Ex-Club Chelsea auch wieder zu seiner alten Siegermentalität. Dann wäre er fürs Team von der Themse unverzichtbar – und die 100-Millionen-Mauer ganz locker geknackt.

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