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6 Minuten Nachspielzeit bei Deutschland gegen Südkorea.  Bild: imago sportfotodienst

Vorbild für die Bundesliga: Darum gibt es so viel Nachspielzeit bei der WM

06.07.18, 11:00 06.07.18, 15:34
Benedikt Niessen
Benedikt Niessen

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten. Die Fußballfloskel aller Fußballfloskeln hat ausgedient.  Yerry Mina traf in der 93., Toni Kroos in der 95. und Neymar in der 97. Spielminute. Die WM produzierte in der Nachspielzeit Tore am Fließband. Und das liegt vor allem an der Nachspielzeit. Die ist bei dieser WM angenehm lang. 

Deutsche Fans trauen ihren Augen nicht: 

Aber warum gibt es bei dieser WM mehr Nachspielzeit?

Wie wird die Nachspielzeit überhaupt berechnet?

In der "Regel 7 - Dauer des Spiels" des Fifa-Reglement heißt es: "Der Schiedsrichter bestimmt in jeder Halbzeit die Nachspielzeit, um die Zeit zu kompensieren, die durch folgende Ereignisse verloren ging:

Der Kroos-Freistoß war das späteste Tor der deutschen WM-Geschichte:

Wieso ist die Nachspielzeit bei der WM immer länger als in der Bundesliga?

"Die Regel der Nachspielzeit wird ziemlich unterschiedlich ausgelegt in den einzelnen Verbänden", erklärt Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben". "In der Bundesliga wird bisher gesagt, dass die Schiedsrichter bei Auswechslungen oder beim Torjubel keinen Grund sehen extra nachzuspielen, wenn das alles in der normalen Geschwindigkeit von statten geht. Das ist ein Bestandteil des Spiels."

Bei der WM ist das anders.

"Bei der WM oder auch in der Premier League werden pro Auswechslung und pro Tor so Pi mal Daumen 30 Sekunden pauschal draufgerechnet. Die genaue Sekundenzahl kenne ich aber nicht. Deswegen ist die Nachspielzeit länger als in der Bundesliga."

Alex Feuerherdt

Bei 6 Wechseln liegt sie schon bei 3 Minuten, kommen noch 4 Tore dazu, liegt die Nachspielzeit schnell bei 5 Minuten. 

Dazu kommt der Videobeweis, der erstmals bei einer WM eingesetzt wird. "Der Videobeweis gehört zu den Verzögerungen, die zeitlich auf jeden Fall nachgespielt werden müssen", erklärt Feuerherdt. Dieser hatte auch schon die Nachspielzeiten in der vergangenen Bundesliga-Saison etwas verlängert.

Kennt jeder Bundesliga-Fan: 

08.04.2018, xfux, Fussball 1. Bundesliga, Eintracht Frankfurt - TSG 1899 Hoffenheim, emspor v.l. Nachspielzeit 1 / eine Minute Anzeigetafel Frankfurt *** 08 04 2018 xfux Football 1 Bundesliga Eintracht Frankfurt TSG 1899 Hoffenheim emspor v l Additional time 1 one minute Scoreboard Frankfurt

Bild: imago sportfotodienst

Zeitspiel hingegen kann, aber muss nicht nachgespielt werden. Wenn es also 1:0 für ein Team steht, kann das Zeitspiel noch oben drauf gerechnet werden. Steht es aber 5:0, dann müssen lediglich die Wechsel, Tore und andere Verzögerungen nachgespielt werden.

Auch interessant: "Die Nachspielzeit, die angezeigt wird, kann gegebenenfalls verlängert, aber nicht verkürzt werden", erklärt Feuerherdt. "Sie muss auf jeden Fall gespielt werden."

Mehr Nachspielzeit tut dem Fußball gut

Das Internetportal fivethirtyeight.com hat die ersten 32 WM-Spiele in Russland untersucht und nachgerechnet, wie lange ein Spiel für welche Aktion unterbrochen wird. 

Freistöße – Zeit von Foul bis Ausführung – erfordern die längste Unterbrechungszeit: Rund 10:29 Minuten der Spielzeit gehen dafür drauf. Dahinter folgen Einwürfe, Abstösse und Eckbälle.

Die Idee ungefähr 30 Sekunden bei Auswechslungen und Toren draufzurechnen ist übrigens gar nicht so abwegig. Wie fivethirtyeight ausrechnete, dauern ein Spielerwechsel oder ein Torjubel ziemlich genau eine halbe Minute. So kurz waren auch die Unterbrechungen für den Videobeweis: Nur 31 Sekunden brauchten die Schiedsrichter im Schnitt pro Spiel, um sich die entsprechenden Situationen am Bildschirm noch einmal anzuschauen. Die Netto-Spielzeit (nur die Zeit, wenn gespielt wird) lag demnach bei dieser WM irgendwo zwischen 50 und 63 Minuten.

Vor einem Jahr gab es deswegen schon den Vorschlag des für Regeln zuständigen International Football Association Board (IFAB), dass die Spielzeit statt 90 Minuten nur noch 60 Minuten betragen soll – dafür aber auf Netto-Spielzeit umgestellt wird. Das sind aber nur Gedankenspiele. Bis es irgendwann soweit sein könnte, würden wir uns schon mit einer opulenten Nachspielzeit zufrieden geben. 

Mehr Spielminuten ergeben mehr Spielzeit und einen größeren Kraftakt und somit weniger Konzentration. Das zahlt sich aus: Es fallen mehr Tore.

Alleine elf (vor-)entscheidende Tore fielen schon bei dieser WM in der 90. Minute oder in der Nachspielzeit. In der kompletten WM 2014 waren es nur acht - und dabei sind auch die Siegtore in der Verlängerung schon eingerechnet. (sn.at)

DFL und DFB sollten sich also auch mal Gedanken machen, dass in Deutschland auch etwas länger nachgespielt wird. Mehr Tore, mehr Spielzeit und somit mehr Drama tun dem Fußball immer gut.

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