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29.02.2020, xtvx, Fussball 1.Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim - FC Bayern Muenchen emspor, v.l. Banner Bayern Fans gegen Dietmar Hopp DFL/DFB REGULATIONS  Fussball 1 Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim FC Bayern Muenchen

"Hopp bleibt ein Hurensohn" – aber warum eigentlich? Bild: imago images/Jan Huebner/Voelker

Hass auf Hopp – warum sich die Fans auf Hoffenheims Mäzen eingeschossen haben

Am Wochenende wurde Hoffenheim-Mäzen Dietmar von den Bayern-Fans übel beleidigt. Die Partie stand vor dem Abbruch. Woher die Anfeindungen kommen, warum sie an diesem Wochenende eskaliert sind und wieso sie nicht aufhören werden.

Philipp Reich / watson.ch

Die Szenerie mutete überaus kurios an. 6:0 führten die Bayern in Hoffenheim, als beide Mannschaften das Fußballspielen einstellten und die restlichen Minuten tatenlos herunterlaufen ließen. Grund für den Nichtangriffspakt waren Schmähbanner im Fanblock der Münchner gegen Hoffenheims Geldgeber Dietmar Hopp.

Minutenlang redeten die Bayern-Spieler und -Verantwortlichen auf die Anhänger ein. Doch es nützte nichts. Als das Spiel wieder aufgenommen wurden, tauchten schon die nächsten Plakate gegen Hopp in der Kurve der Bayern auf. Das Spiel stand vor dem Abbruch, am Ende einigten sich die Parteien auf den zehnminütigen Nichtangriffspakt.

Ein drohender Spielabbruch wegen Beleidigungen gegen einen ungeliebten Milliardär – ist das nicht ein bisschen übertrieben? Bei Rassismus-Vorfällen wurde schließlich zuletzt in der Bundesliga nach kurzen Unterbrechungen zu Ende gespielt.

Hass auf Hopp: Es ist kompliziert...

Nun, die Geschichte rund um Hopp ist etwas komplizierter, als sie auf den ersten Blick scheint. Die Transparente der Fans gegen den 79-jährigen Hoffenheim-Mäzen richten sich nicht primär gegen die Person Dietmar Hopp, sondern vielmehr gegen den DFB, die DFL und das Symbol Hopp als Gesicht der stetigen Kommerzialisierung im Fussball.

Alles begann im Jahr 2008, als Hoffenheim der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Dank des großen finanziellen Engagements des SAP-Gründers Hopp, der 1990 erstmals in den Klub investierte, entwickelte sich der einstige Dorfklub innerhalb weniger Jahre zu einem finanzstarken Topklub, der es gar bis in die Champions League schaffte.

Zwar gab es mit Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg schon vor Hoffenheims Durchmarsch an die Spitze sogenannte Werkklubs in der Bundesliga, doch steht anders als in Hoffenheim kein einzelnes Gesicht, sondern jeweils ein ganzes Unternehmen hinter dem Klub.

29.02.2020, xmeix, 1.Fussball Bundesliga,TSG 1899 Hoffenheim - FC Bayern Muenchen, emspor, v.l. Bildmitte Hoffenheims Maezen Dietmar Hopp mit Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel mit den versammelten Spielern beider Mannschaften vor den Hoffenheimer Fans DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO Sinsheim *** 29 02 2020, xmeix, 1 Soccer Bundesliga,TSG 1899 Hoffenheim FC Bayern Muenchen, emspor, f l picture centre Hoffenheims Maezen Dietmar Hopp with Karl Heinz Rummenigge after the game with the assembled players of both teams in front of the Hoffenheim fans DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO Sinsheim prio:1

Karl-Heinz Rummenigge und die Spieler solidarisieren sich mit Dietmar Hopp. Bild: imago images/Jan Huebner/Meiser

Dietmar Hopp: Feindbild Nummer eins in den Bundesliga-Fankurven

Hopp wurde deshalb von den Ultras in den Bundesliga-Fankurven schnell als Feinbild Nummer eins ausgemacht. Der Hoffenheim-Mäzen gilt als Zerstörer des romantischen Fußballs, als Geldgeber eines Klubs ohne Tradition, als Symbol der zunehmenden Kommerzialisierung. Immer wieder wurde er mit Plakaten und Sprechchören verunglimpft und beleidigt, immer wieder reichte Hopp Anzeige gegen die Fans ein.

Eskalation im Jahr 2018: BVB-Fans beleidigen Hopp

Im September 2018 eskalierte die Situation. Beim Gastspiel in Hoffenheim beleidigten die BVB-Fans Hopp erneut mit mehreren großflächigen Bannern. Als dieser sich erneut zur Wehr setzte, verurteilte das DFB-Sportgericht Borussia Dortmund zu einer Geldstrafe und zu einem zweijährigen, kollektiven Zuschauerausschluss in Hoffenheim. Es wurden also viele für die Verfehlungen einzelner bestraft, obwohl der DFB zuvor angekündigt hatte, auf Kollektivstrafen zu verzichten.

Dortmund wehrte sich gegen das Urteil, doch vor gut einer Woche wurde bekannt, dass die Kollektivstrafe bestehen bleibt. Als Reaktion darauf solidarisierten sich die Ultra-Gruppen der Bundesliga-Klubs. Schon am vergangenen Wochenende hatten Gladbach-Fans Hopp im Fadenkreuz gezeigt. Am vergangenen Wochenende gab es nicht nur in Hoffenheim, sondern auch in Köln, Dortmund und bei Union Berlin Schmähgesänge und beleidigende Plakate gegen Hopp.

Spruch - Transparent - Protest, Union Berlin vs VFL Wolfsburg, 01.03.2020, DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video, GER, Berlin, DFL, 01.03.20, Union Berlin vs VFL Wolfsburg, Fussball, *** Spruch Transparent Protest, Union Berlin vs VFL Wolfsburg, 01 03 2020, DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video, GER, Berlin, DFL, 01 03 20, Union Berlin vs VFL Wolfsburg, Football, Copyright: xUwexKoch/xEibner-Pressefotox EPukh

Hopp im Fadenkreuz – auch bei den Fans von Union Berlin. Bild: imago images/Uwe Koch/Eibner-Pressefoto

Wie geht es nun weiter? In Hoffenheim hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) einen Präzedenzfall geschaffen, der sie arg in die Bedrouille bringen kann. Konsequenterweise müsste sie Spiele nun nach jeder Beleidigung unter- oder gar abbrechen. Denn die Ultras werden Hopp weiter diffamieren. Denn nur so werden sie in Zukunft Gehör für ihre Anliegen gegen Kollektivstrafen und einen durchkommerzialisierten Fußball finden.

Wer's noch nicht gesehen hat:

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Hopp-Eklat überschattet Bayern-Kantersieg in Hoffenheim. Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Die 7 lustigsten Protest-Banner für den Erhalt von 50+1

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