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EInige Minuten nach dem Zusammenprall muss Mason beatmet werden. Bild: imago sportfotodienst

14 Platten und 28 Schrauben – wie dieser Kopfball Ryan Masons Karriere zerstörte

Im Januar 2017 ändert sich das Leben von Ryan Mason von einem Moment auf den anderen radikal. Der englische Nationalspieler erleidet nach dem Zusammenprall mit einem Gegenspieler einen Schädelbruch. Plötzlich ist die Karriere mit 25 Jahren vorbei. Nun erzählt Mason, wie es ihm geht.

Ralf Meile / watson.ch

Es ist ein kalter Sonntagnachmittag im Südwesten Londons, Chelsea empfängt Hull City. Ryan Mason ist gut in Form. Er freut sich, dass seine Eltern im Stadion sein werden und stellt sich vor, wie er ein Tor schießt und vor ihnen jubeln wird.

Aber Ryan Mason wird in diesem Spiel nicht jubeln. Denn am 22. Januar 2017 endet die hoffnungsvolle Karriere des Mittelfeldspielers von Hull City jäh. Bei einem Corner in der 13. Minute prallt Chelseas Gary Cahill mit dem Kopf wuchtig in den Kopf von Mason.

Der Zusammenprall:

"Der Ball kam in die Mitte und ich sprang hoch, um ihn wegzuköpfen", erzählt Mason im Magazin "Four Four Two". "Da spürte ich, wie es in meinem Schädel krachte. Ich hatte unendlich große, unerträgliche Schmerzen. Es war, als wäre in meinem Kopf eine Bombe explodiert."

Eine Wunde, die mit 45 Stichen genäht werden musste

Der Klubarzt habe sofort erfasst, dass er sich den Schädel gebrochen habe, so Mason weiter. Er habe durchgesetzt, dass die Ambulanz nicht wie vorgesehen zum nächsten Krankenhaus gefahren sei, sondern direkt in eine spezialisierte Klinik. "Diese Entscheidung hat wahrscheinlich mein Leben gerettet", sagt Mason heute. Denn es sei um jede Minute gegangen.

"Als wäre in meinem Kopf eine Bombe explodiert"

Ryan Mason

61 Minuten, nachdem Ryan Masons Kopf mit dem von Gary Cahill zusammengeprallt ist, wird er operiert. Er fällt ins Koma, aus dem er zwei Tage nach dem Spiel erwacht. "Alles war verschwommen und ich weiß noch, dass ich große Schmerzen hatte. Ich musste in einen Raum verlegt werden, in dem es mucksmäuschenstill war. Das kleinste Geräusch war zu viel. Selbst wenn Krankenschwestern auf dem Flur flüsterten, schien es mir, als würden sie mir direkt ins Ohr schreien."

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Ryan Mason (rechts) gelingt bei Tottenham der Durchbruch, hier jubelt er mit Dele Alli. Bild: imago sportfotodienst

Gut für den Fußballer, dass er ohnehin fast den ganzen Tag über schläft. Um nach so einer Verletzung zu genesen, ist viel Geduld angesagt. Es vergeht ein halbes Jahr, ehe sich Ryan Mason mit den Ärzten zusammensetzt und die ihm genau erklären können, was sie alles gemacht haben.

"Ich war mir bewusst, dass ich Klammern und Metallplatten im Kopf hatte", schildert Mason. Aber wie viele Fremdkörper in seinem Schädel stecken, erfährt er erst jetzt. "Insgesamt habe ich 14 Metallplatten im Kopf, die von 28 Schrauben festgehalten werden. Die Narbe war 15 Zentimeter lang und musste mit 45 Stichen genäht werden. Alle diese Klammern zu entfernen, war definitiv nichts angenehmes."

Ein Arzt sagt dies, ein anderer das

Heute ist Ryan Mason nicht mehr Fußballprofi. Rund ein Jahr nach dem verhängnisvollen Unfall muss er seine Karriere beenden. "Ich habe immer noch Schmerzen", sagt er. "Meine Verletzung spüre ich stets. Die beste Art, es zu beschreiben, ist für mich die: Du sitzt drei Stunden vor dem Fernseher und springst dann auf, weil es an der Tür geläutet hat. Da wird es dir schummrig, wenn du es zu schnell machst."

Wieder ein ganz normales Leben zu führen, ist schwierig. "Bis vor etwa drei Monaten konnte ich meinen Mund nicht richtig öffnen, weil Nerven zerstört wurden. Das erste Mal, dass ich wieder selbständig ein Glas Orangensaft an meinen Mund halten und trinken konnte, war so eine gewaltige Sache für mich, dass es meine Verlobte und ich sogar gefilmt haben." In den ersten zwei Monaten sitzt Rachel Peters in einem dunklen Raum einfach still neben ihrem Schatz. "Für meine Familie war es vermutlich noch schwieriger als für mich, weil sie mich in diesem Zustand erleben mussten und weil es anfangs kaum Fortschritte gab."

Auch Masons Gleichgewichtssinn ist nach der Operation verkümmert. Mühsam muss er wieder lernen, geradeaus zu laufen. Und natürlich schlägt sich auch alles in der Psyche nieder. "Während des ganzen Genesungsprozesses fuhr ich quer durchs Land von einem Spezialisten zum nächsten. Der eine sagte, wieder Fußball zu spielen, halte er für keine gute Idee. Und der nächste wiederum meinte, dass ich vollständig gesund werden würde."

Dass er sein Leben lang Fußballer war – Nachwuchs-Nationalspieler, Premier-League-Spieler, ein A-Länderspiel – hilft Ryan Mason auf seinem Weg zurück ins Leben. "Ich sah es als Herausforderung an, Schritt für Schritt voran zu kommen."

Schinden fürs Comeback

Und natürlich versucht Mason alles, dass er wieder Fußballer sein kann. Ein halbes Jahr nach dem Unfall reist er mit Physiotherapeuten von Hull City in ein Trainingslager, um an seiner Fitness zu arbeiten. Bei "70 oder 80 Prozent" fühlt er sich da bereits wieder. Und Mitte Januar 2018 – ein Jahr nach dem Tag, der sein Leben verändert hat – rechnet er fest mit einer baldigen Rückkehr.

Doch dann folgt das endgültige Aus. "Der Fokus lag fast ausschließlich auf dem Schädel und den komplizierten Brüchen. Aber im Februar zeigte ein Untersuch, dass es Probleme mit dem Gehirn gibt. Spezialisten machten mir dann klar, was passieren könnte, wenn ich wieder Fußball spielen würde." Und diese Folgen könnten gravierend sein. "Sie sagten mir, dass ich bei weiteren Kopfbällen schon mit 28 oder 29 Jahren an Demenz oder Epilepsie erkranken könne. Es sei überhaupt schon ein Wunder, dass ich derart gut genesen sei."

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Mason erklärt im Februar 2018 seinen Rücktritt. Video: YouTube/Hull City

Und so weiß Mason zum Zeitpunkt, als er die Klinik verlässt, was zu tun ist. Er beendet seine Karriere. "Die Auskünfte der Ärzte zu hören, war natürlich verheerend. Aber ich war gerade Vater geworden und wenn ich meinen kleinen Sohn anschaute, war ich einfach nur glücklich. George gab meinem Leben einen anderen Sinn."

Zweite Chance bewusst wahrnehmen

Den Fußball liebt er immer noch. Und er ist froh, dass er gesund genug ist, um mit Kollegen ein wenig zu kicken. "Ich denke, ich hätte noch viel erreicht und vermutlich wäre ich zu weiteren Länderspiel-Einsätzen gekommen. Wenn ich sehe, wie sich meine Karriere entwickelt hat, dann war ich noch nicht auf dem Zenit. Andererseits kann ich im Rückblick sagen, dass ich alle meine Träume erfüllen konnte. Ich durfte in der Premier League spielen, Captain meines Lieblingsclubs sein und für England auflaufen. Ich bin stolz auf meine kurze Karriere und habe keinen Grund, etwas zu bedauern."

Zu weit in die Zukunft zu planen, sei schwierig. Er helfe im Nachwuchs von Tottenham, absolviere eine Trainer-Ausbildung und sei TV-Experte. Grundsätzlich genieße er aber einfach das Leben. "Wenn du beinahe gestorben bist und du eine zweite Chance erhältst, dann schätzt du alles viel mehr", sagt Ryan Mason. "Ich bin glücklich, wirklich."

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