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Wenn dein Club nur sieben Profis im Kader hat. bild: imago images/pa images

Nur 7 Profis im Kader – Traditionsclub Bolton droht der Kollaps

Glanz, Glamour und ganz viel Kohle – so wird die Premier League in Fußball-Europa wahrgenommen. Aber wehe, du steigst ab und gerätst in finanzielle Not! Dann droht ganz schnell der Kollaps, so wie jetzt den Bolton Wanderers.

Philipp Reich / watson.ch

Wir beginnen mit einem Rückblick: Dank eines 2:2 gegen Bayern München und eines 1:0-Siegs gegen Atlético Madrid qualifizieren sich die Bolton Wanderers in der Saison 2007/08 für die Achtelfinals der Europa League. Dort ist Sporting Lissabon zwar eine Nummer zu groß, dennoch hinterlassen die "Trotters" in jener Zeit einen bleibenden Eindruck.

Dank unattraktivem, aber effektivem Fußball, mannschaftlicher Geschlossenheit und einer klar definierten Transferpolitik mausern sich die Wanderers nach dem Aufstieg 2001 schnell zum erfolgreichsten "Kleinen" der Premier League. Mit jungen Talenten und alternden Stars wie Ivan Campo, Jay-Jay Okocha, Youri Djorkaeff oder Fernando Hierro klassiert sich der vierfache FA-Cup-Sieger ab 2004 unter Erfolgscoach Sam Allardyce viermal in Serie in den Top acht. Zwei europäische Auftritte sind der verdiente Lohn.

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Erinnerung an glorreiche Zeiten: 2003 wirbelten u.a. Youri Djorkaeff und Jay-Jay Okocha bei den Wanderers bild: imago images/paul marriott

Der Beginn des Niedergangs

Doch mit größer werdenden Ambitionen beginnt die Abwärtsspirale. Millionen-Transfers wie Johan Elmander, der für die Rekordablöse von 12,6 Millionen Euro aus Toulouse kommt, oder Fabrice Muamba schlagen nicht ein, gleichzeitig nimmt die Verschuldung des Clubs wegen Misswirtschaft immer weiter zu.

2012 steigen die Bolton Wanderers aus der Premier League ab und der damalige Besitzer Eddie Davies stellt seine Investitionen in den Club ein. Von da an ging es fast nur noch bergab, der Negativ-Höhepunkt folgte in diesem Frühling. Im Mai, als der zweite sportliche Abstieg in die drittklassige League One bereits feststand, musste der Club wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden.

Grund für die finanzielle Notsituation in Bolton ist die gescheiterte Übernahme durch Ex-Watford-Besitzer Laurence Bassini, der den Verein gegen Ende der vergangenen Saison kaufen sollte. Weil der zwielichtige Bassini sich nicht an getroffene Vereinbarungen hielt, ließ der bei den Fans unbeliebte Club-Boss Ken Anderson den Deal scheitern.

Zukunft des Clubs ist fraglich

Seit Monaten steht die Zukunft des Traditionsclubs in der Schwebe. Als im Frühling ein Ligaspiel verschoben werden musste, weil die Sicherheit im Stadion wegen ausbleibender finanzieller Verpflichtungen nicht gewährleistet werden konnte, streikten die Spieler, die ebenfalls auf ihren Lohn warteten, und sorgten so für eine Niederlage am grünen Tisch.

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Bild: imago/PA Images/clint hughes

Und auch der Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes. Drei Wochen vor dem Saisonstart der League One hat Bolton nur sieben Profis im Kader, darunter zwei Torhüter und keinen einzigen Verteidiger. Ein Testspiel am Freitag musste aber nicht deswegen abgesagt werden (das Team wäre mit Nachwuchsspielern aufgefüllt worden), sondern weil die Spieler zum dritten Mal in diesem Jahr streikten – seit 20 Wochen warten sie nun schon auf ihren Zahltag.

Einen neuen Eigentümer gibt's noch nicht

Ein neuer Eigentümer wurde bis jetzt nicht gefunden. Solange die finanzielle Zukunft der "Trotters" nicht endgültig geklärt ist, scheint es ein Ding der Unmöglichkeit, ein schlagkräftiges Team für die bald beginnende Saison zusammenzustellen. Dem langjährigen Premier-League-Mitglied droht der totale Kollaps, zumal man wegen der Insolvenz auch noch mit zwölf Minuspunkten in die Meisterschaft geht.

Immerhin: Bei Bolton wird trainiert.

Die Bolton Wanderers sind nicht der erste englische Traditionsclub, der ums nackte Überleben kämpfen muss. Leeds United, Blackburn Rovers, FC Wimbledon (heute Milton Keynes Dons) – die Liste der taumelnden Größen von einst ist lang. Zwischen 2016 und 2018 stieg der AFC Sunderland innerhalb von zwei Jahren von der Premier League in die League One ab. Der beispiellose Niedergang des sechsfachen englischen Meisters hat gewisse Parallelen zur Krise in Bolton und wurde in der Netflix-Doku-Serie "Sunderland 'Til I Die" eindrücklich filmisch festgehalten.

Die "Black Cats" haben den freien Fall vorerst stoppen können. In der vergangenen Saison verpasste Sunderland den direkten Wiederaufstieg in die Championship erst im Playoff-Finale gegen Charlton Athletic. Einen ähnlichen Turnaround wünscht man auch den Bolton Wanderers.

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