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Will seine nächste EM gewinnen – diesmal mit dem Land, in dem er geboren wurde. Bild: imago images / PRiME Media Images

Darum spielt Lukas Nmecha nicht mehr für England – sondern für Deutschland

It's coming home! 15. Juli 2017, England steht gegen Portugal im Finale der U19-EM. In der 68. Spielminute treffen die Engländer zum 2:1 und gewinnen damit den Titel. Der Torschütze: Lukas Nmecha. Zwei Jahre später spielt der mittlerweile 20-Jährige bei der U21-EM – im Trikot von Deutschland.

Die Entscheidung fiel beim Rührei in Manchester. Der U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz war extra nach England geflogen, zwei Tage verbrachte er mit der Familie von Nmecha, um den Stürmer von einem Wechsel der Fußball-Nationalität zu überzeugen. Am Ende brachte der DFB-Trainer zwei wichtige Erkenntnisse mit. Erstens: Lukas Nmecha trägt künftig das deutsche Trikot. Zweitens: "Papa Nmecha macht eines der besten Rühreier, die es gibt."

(170716) -- TBILISI, July 16, 2017 -- England s Lukas Nmecha celebrates scoring during the final match of the UEFA European U19 Championship between Portugal and England in Tbilisi, Georgia, on July 15, 2017. England won 2-1. ) (SP)GEORGIA-TBILISI-EUROPEAN U19 CHAMPIONSHIP KulumbegashvilixTamuna PUBLICATIONxNOTxINxCHN

Rückblick 2017: Nmecha feiert den Siegtreffer für England zum U19-EM-Titel. Bild: imago images / Xinhua

Nmecha wurde in Hamburg geboren

Bis dahin hatte der in Hamburg geborene Nmecha 31 U-Länderspiele für England bestritten. Bei der U19-EM 2017 erzielte er neben seinem Siegtor im Finale auch schon im Halbfinale gegen Tschechien den entscheidenden Treffern zum 1:0. Dann kam Kuntz und überredete den Angreifer von Manchester City, der zuletzt an Preston North End ausgeliehen war, zum Trikottausch. Die Belohnung: Bei der U21-EM in Italien und San Marino steht der 20-Jährige im 23-köpfigen Kader.

"Ich sehe Deutschland als meine Heimat an. Bis ich neun Jahre alt war, habe ich in Hamburg gelebt und habe auch heute noch einen großen Bezug zur Stadt und den Leuten."

Lukas Nmecha

Die Mutter von Nmecha kommt aus Mönchengladbach, sein Vater stammt aus Nigeria. 2012 war er einmal vom DFB zu einem U15-Lehrgang eingeladen worden, doch später holte ihn der englische Verband. Bis Kuntz kam.

"Ich habe mit meiner Mama geredet. Das war einfach die richtige Entscheidung für mich", sagt Nmecha, der viele Kulturen in sich trägt. Auf dem linken Unterarm trägt er ein Tattoo mit Szenen aus Afrika, auch eine Giraffe und Antilope finden sich dort. Fußballerisch ist er allerdings jetzt auf Deutschland festgelegt, eine Rückkehr nach England ist nicht mehr möglich. Sein Bruder Felix, zwei Jahre jünger und ebenfalls bei Manchester City unter Vertrag, debütierte vergangenes Jahr für die deutsche U18-Auswahl – nachdem er zuvor für England auflief.

Erstes Spiel ausgerechnet gegen England

Sein Debüt für die deutsche U21 hatte Nmecha im März gegeben – ausgerechnet beim Test in England. Erst wenige Minuten vor dem Anstoß kam die Spielberechtigung, bei den Hymnen sang er laut die deutsche und leise die englische mit. Die EM in Italien will er nun für Werbung in eigener Sache nutzen. Denn nicht nur die Nationalität, sondern auch sein Arbeitsplatz könnte sich bald ändern. "Ein Wechsel in die Bundesliga wäre super für mich, weil ich ja deutsch spreche", sagt der Stürmer, der von Pep Guardiola in Manchester zwar geschätzt wird, gegen die Weltstars im Angriff aber keine Chance hat.

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Nmecha musste beim Auftaktsieg gegen Dänemark noch zuschauen-. Bild: imago images / Sven Simon

Die Erfolgsgeschichte von Jadon Sancho, der als Supertalent ohne Chance von Manchester City zum BVB wechselte und zum 100-Millionen-Star aufstieg, hat er natürlich auch im Kopf. "Ich habe damals ja auch mit Jadon zusammengespielt, er hatte dasselbe Problem wie ich heute. Er hat bei City einfach nicht seine Chancen gekriegt, weil der Kader nun mal so stark besetzt ist", sagte Nmecha. Inzwischen hat der 19-jährige Sancho den Sprung in die englische A-Nationalmannschaft geschafft. Nmecha will bei diesem Turnier endlich den Durchbruch schaffen.

Vorteil Nmecha: Der Angreifer ist einer von nur vier Spielern im Kader, die auch nach der EM noch spielen können. "Das war eine Entscheidung für die Zukunft", sagt der DFB-Trainer Kuntz. Das englische Frühstück im Hause Nmecha hat sich längst bezahlt gemacht.

(bn/sid)

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