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Kriegst mich nicht! Bild: imago/Jan Huebner

4 Gründe, warum Bayern München einfach keinen Topstar abkriegt

Die teuersten Fußballer wechseln heutzutage nach England, Spanien oder Italien – aber nicht nach Deutschland. Darunter leidet vor allem der FC Bayern München, der fürchtet, den Anschluss an die europäische Spitze zu verlieren.

Philipp Reich / watson.ch

Eigentlich wollte der FC Bayern München vor der neuen Saison richtig groß in neues Spielermaterial investieren. Doch beim Werben um die Topstars ging der deutsche Rekordmeister bislang leer aus. Zwar hat man mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard zwei französische Weltmeister verpflichten können, die begehrtesten Spieler meiden die Bundesliga aber wie der Teufel das Weihwasser.

Eden Hazard wechselt zu Real Madrid, Matthijs de Ligt zu Juventus Turin, Frenkie de Jong sowie Antoine Griezmann zum FC Barcelona, Jungstar Joao Felix zu Atlético Madrid und der Spanier Rodri zu Manchester City. Und selbst der deutsche Nationalspieler Leroy Sané hat sich gemäß verschiedenen Medienberichten dazu entschieden, bei den "Citizens" Ergänzungsspieler zu bleiben, statt bei den Bayern zum großen Aushängeschild zu avancieren.

Soccer Football - FC Barcelona presentation for new signing Antoine Griezmann - Camp Nou, Barcelona, Spain - July 14, 2019   Barcelona's Antoine Griezmann poses during the presentation   REUTERS/Albert Gea

Griezmann war bei den Bayern nicht einmal ein Thema. Bild: reuters

Beim Wettbieten um die Crème de la Crème des europäischen Fußballs haben die Münchner momentan stets das Nachsehen. Das hat seine Gründe.

Attraktivität der Liga

Zwar ist die Bundesliga im Vergleich der europäischen Top-Ligen seit Jahren diejenige mit den meisten Toren pro Spiel und dem höchsten Zuschauerschnitt, dennoch gilt sie für Topspieler nicht als besonders attraktiv. Der bei 1860 München groß gewordene Watford-Profi José Holebas brachte es zuletzt in einem Interview mit "Sportbuzzer" auf den Punkt: "So wie ich das mitbekomme, will einfach keiner mehr nach Deutschland. Wen hast du denn da noch großartig? Du hast in Deutschland nur vier, fünf gute Vereine, danach kommt nichts mehr", so der in Deutschland geborene griechische Nationalspieler.

Jose Holebas of Watford FC during the Pre-season Friendly match between Bayer 04 Leverkusen v Watford FC at Alois Latini Stadion on July 20, 2019 in Zell am Zee, Austria Pre-Season Friendly 2019/2020 xVIxVIxImagesx/xGerritxvanxKeulenxIVx PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 200282272

José Holebas, geboren in Aschaffenburg. Bild: imago images / VI Images

Der Bundesliga fehlt die Ausgeglichenheit, außerdem hinkt sie der Konkurrenz aus Spanien, England und Italien bezüglich Taktik und Intensität derzeit etwas hinterher. Das manifestiert sich vor allem in den internationalen Wettbewerben. Dort konnte in der letzten Saison nur Eintracht Frankfurt für Furore sorgen, womit man immerhin Rang drei in der Uefa-Fünfjahreswertung absichern konnte. Eine Wiederholung des Eintracht-Märchens scheint derzeit aber nicht in Sicht. Die Garanten für den Erfolg (Luka Jovic, Sébastien Haller) sind abgewandert – zu Real Madrid in die Primera Division und zu West Ham United in die Premier League.

Soccer Football - Real Madrid Unveil Luka Jovic - Santiago Bernabeu, Madrid, Spain - June 12, 2019   Real Madrid new signing Luka Jovic poses for a photograph on the pitch     REUTERS/Susana Vera

Luka Jovic stürmt jetzt für Real Madrid. Bild: reuters

Gehälter

Englische, spanische und italienische Clubs verfügen dank Investoren und der Zentralvermarktung der Vereine über deutlich höhere Einkünfte als die Konkurrenz aus der Bundesliga. Die TV-Gelder spülen den Vereinen aus der Premier League und den Topclubs der Primera Division außerdem zusätzliche Einnahmen in die Kasse. Zur Veranschaulichung: Premier-League-Schlusslicht Huddersfield kassierte in der letzten Saison mit 109,3 Millionen Euro an TV-Geldern deutlich mehr als Deutschlands Serienmeister Bayern München (68 Millionen).

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Die TV-Einnahmen der 20 Premier-League-Clubs in der Saison 2018/19. bild: premier league

Die zusätzlichen Einnahmen investieren die Clubs vor allem in Ablösesummen und höhere Löhne. Mit dieser Preistreiberei können die Bundesliga-Vereine nicht mithalten. Holebas dazu: "Die Vereine in der Premier League kannst du nicht mit anderen in Europa vergleichen. In der Premier League hat jeder Verein Geld – da geht ein gescheiter Spieler auch mal nicht gleich zu einem Top-Verein, um richtig Geld zu verdienen."

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Immerhin: Goldene Steaks können sich auch die Bayern-Stars leisten. Video: YouTube/Best Vibes

Den deutschen Clubs bleibt deshalb oft nicht viel anderes übrig, als zu warten, bis in England das Transferfenster am 8. August schließt. Dann werden die Preise für viele Spieler purzeln und jeder hofft, sein Schnäppchen machen zu können.

Historie

Die Bundesliga war noch nie der Ort, wo die internationalen Topstars hingingen. Real Madrid und Barcelona sind seit jeher die Traumdestinationen aller Fußball-Profis, in den 1990er-Jahren war die Serie A das Maß aller Dinge, mittlerweile ist die Premier League "the place to play".

Zwar spielten oder spielen in der Bundesliga immer wieder Topstars, doch hatten diese bei ihrer Verpflichtung noch einen ganz anderen Status. Arjen Robben beispielsweise war vor seinem Bayern-Wechsel 2009 bei Real Madrid nur zweite Wahl, außerdem mussten die Königlichen den Transfer von Cristiano Ronaldo zum Teil refinanzieren.

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Arjen Robben erwies sich für die Bayern als seltener Glücksfalls: Aus dem gescheiterten Supertalent wurde doch noch ein echter Superstar. Bild: imago images / Schwörer Pressefoto

Thiago Alcantara und Xabi Alonso wurden nicht von Bayerns Strahlkraft, sondern von derjenigen von Pep Guardiola nach München gezogen. Franck Ribéry und Robert Lewandowski galten vor ihrer Verpflichtung noch mehr als aufstrebende Talente statt als gereifte Superstars.

Seriöses Wirtschaften

Die 50+1-Regel verhindert in der Bundesliga, dass Investoren die vollständige Kontrolle über einen Club übernehmen können. Das hat aber auch zur Folge, dass allfällige Löcher in der Vereinskasse nicht einfach so gestopft werden können, weshalb ein seriöses Wirtschaften in der Bundesliga unerlässlich ist. Nur was eingenommen wird, kann reinvestiert werden.

Transfers in der Höhe von 60 oder 70 Millionen Euro können in Deutschland höchstens Bayern München oder Borussia Dortmund stemmen. Für den Rest ist das unternehmerische Risiko schlicht zu groß. "Dann könnte ich nicht mehr schlafen", sagte Gladbachs Sportdirekter Max Eberl im letzten Sommer auf die Frage, ob ein Transfer in dieser Größenkategorie möglich sei. Für den 45-Jährigen ist der Weg, den viele Bundesliga-Clubs gehen müssen, nach wie vor "alternativlos": Talente entdecken, fördern, entwickeln und dann irgendwann gewinnbringend verkaufen, um neue Talente einzukaufen.

SEATTLE, WA - JULY 17: Borussia Dortmund forward Julian Brandt (19) looks to make a pass under duress from Seattle Sounders midfielder Danny Leyva (75) in the box during a match between the Seattle Sounders and Borussia Dortmund on Wednesday, July 17, 2019 at CenturyLink Field in Seattle, WA. (Photo by Christopher Mast/Icon Sportswire) SOCCER: JUL 17 Seattle Sounders v Borussia Dortmund PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxRUSxSWExNORxDENxONLY Icon1907171423

Julian Brandt wechselte aus Leverkusen zum BVB, um dort auch international zu einem Star zu reifen. Bild: imago images / Icon SMI

Davon profitieren vor allem Bayern München und Borussia Dortmund. Die beiden Topvereine der Bundesliga sind es vornehmlich, die der Konkurrenz die ausgebildeten Talente abnehmen. Ein Geschäftsmodell, das sich angesichts der gesunkenen Chancen auf die Verpflichtung eines Topstars seit Jahren bewährt hat.

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Weniger Zeitspiel bis neue Handregel: Das sind die neuen Fußball-Regeln

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