Sport
Amsterdam NL 8 mei 2019 Champions League wedstrijd AFC Ajax Amsterdam Tottenham Hotspur. Lucas Moura scoort de 2-2 Amsterdam The Netherlands 8th May 2019 Champions league game AFC Ajax Amsterdam vs Tottenham Hotspur. Lucas Moura scores 2-2 equaliser moments after his first PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Lucas Moura: Hattrick inklusive Siegtreffer in der 96. Minute. Dann kullern die Tränen. Bild: imago images / Richard Wareham

Als Lucas Moura sein Tor sieht, kommen ihm die Tränen – so tickt der "Super-Superheld"

Lucas Moura schießt Tottenham Hotspur mit einem Hattrick beim 3:2-Sieg gegen Ajax Amsterdam ins Champions-League-Finale. Lucas wer? Den 26-jährigen Brasilianer kannten bloß eingefleischte Fußball-Fans. Kein Wunder, in seiner Karriere spielte er bislang stets nur die zweite Geige.

Philipp Reich

"Ajax führt 2:0 und stirbt dann in Schönheit. Der Sensenmann trägt Glatze und kommt mit einem strammen linken Schuss", heißt es im "11Freunde"-Ticker. Gemeint ist natürlich Lucas Moura, der beim Tottenham-Wunder bei Ajax Amsterdam sämtliche Tore zum 3:2-Sieg erzielt und den "jungen Wilden" so den Stecker zieht. Das Ajax-Märchen ist tot, es lebe das Tottenham-Wunder.

Das 3:2 fällt erst im allerletzten Angriff, in der 96. Minute – Ajax wortwörtlich am Boden, Tottenham im siebten Himmel. Dank Lucas Moura. Der 26-jährige Brasilianer ist nach Alessandro del Piero, Ivica Olic, Robert Lewandowski und Cristiano Ronaldo erst der fünfte Spieler, dem in einem Champions-League-Halbfinal ein Hattrick gelingt.

"Heute hieß unser Rezept: Mit Herz und Moura. Ich hoffe, sie bauen ihm eine Statue in England."

Teamkollege Christian Eriksen über Lucas Moura.

"Das war ein großes Geschenk von Gott. Es ist unmöglich zu beschreiben, was ich gerade fühle. Ich bin so glücklich und stolz auf meine Mitspieler", sagt der Matchwinner nach dem Schlusspfiff. "Wir haben auf dem Feld alles gegeben und uns diesen Moment verdient. Das ist der beste Moment meiner Karriere – meines Lebens. Ich kann mich nur bei meinen Mitspielern bedanken."

Unten in den Katakomben der Johan-Cruyff-Arena kommt Moura irgendwann auch beim brasilianischen TV-Team an. Die Reporter von Esporte Interativo machen dem Namen ihres Arbeitgebers alle Ehre und zeigen dem 35-fachen Nationalspieler auf einem kleinen Bildschirm als erstes seinen Siegtreffer. Als Moura sieht und hört, wie er Tottenham ins Champions-League-Finale geschossen hat, kann er seine Emotionen nicht mehr kontrollieren. Sofort schießen ihm Tränen in die Augen.

Der Brasilianer scheint nah am Wasser gebaut zu sein. Schon nach seinem Doppelpack beim 3:0-Sieg im vergangenen August gegen Manchester United weinte er Freudentränen. In Amsterdam setzte Lucas Moura aber noch einmal einen drauf. Für Lucas Moura war es der dritte Hattrick seiner Karriere und das erste Mal, dass sich der brasilianische Dribbelkünstler so richtig ins Rampenlicht schoss.

Vor eineinhalb Jahren kam er für 28,4 Millionen Euro zu Tottenham, doch für die großen Momente sind bei den "Spurs" andere zuständig. Bislang stand der Mann mit der Rückennummer 27 stets im Schatten von Harry Kane, Heung-min Son, Christian Eriksen und Dele Alli.

Moura galt vor seinem Gala-Auftritt eher als Vorbereiter, als Mann für Zweikämpfe, Ballgewinne und Tempo-Dribblings, obwohl er schon immer regelmäßig Tore schoss. "Beschleunigen, dribbeln und Chancen kreieren sind die DNA meines Spiels", sagte Moura einst über sich selbst. Oft zieht er das Risiko dem sicheren Pass vor, er liebt Eins-gegen-eins-Situationen und spielt lieber vertikal als Querpässe. Das kann einen Trainer schon mal zur Verzweiflung bringen. Nicht Maurico Pochettino. Der Tottenham-Trainer vertraut seinem Schützling blind.

"Ich habe immer gesagt, dass meine Spieler Helden sind. Jetzt sind sie Superhelden und Lucas Moura ein Super-Superheld."

Maurico Pochettino.

Bereits vor sechs Jahren kam Moura im Alter von 20 Jahren von seinem Jugendverein Sao Paulo nach Europa – und zwar gleich zu Paris St.-Germain. 40 Millionen Euro blätterte der neureiche Scheichklub für das 1,72 Meter große Supertalent hin. Doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie, stets pendelte er zwischen Ersatzbank und Startelf. Im Sommer 2017 kamen schließlich Neymar und Kylian Mbappé und fortan pendelte Moura eher zwischen Bank und Tribüne.

moura silva lucas / Emilaino da silva thiago / Alves Da Silva Daniel FOOTBALL : Metz vs Paris SG - Ligue 1 Conforama - 08/09/2017 ElyxandroCegarra/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

Bei PSG war Moura nur Mitläufer. Bild: imago/PanoramiC/elyxandro cegarra

Für Neuankömmling Neymar damals unverständlich: "Er ist ein starker Spieler, der kaum zum Einsatz kommt. Ich denke, das ist sehr unfair", so der Superstar über seinen Landsmann. 2011 hatten Moura und Neymar mit der brasilianischen U20-Nationalmannschaft die Südamerika-Meisterschaft gewonnen – Neymar wurde mit neun Toren Torschützenkönig, auf Rang zwei folgte bereits Moura mit vier Treffern.

Für die A-Nationalmannschaft wurde Moura, der in 35 Einsätzen vier Tore erzielt hat, zuletzt nur unregelmäßig aufgeboten. Zu groß war die Konkurrenz, zu unauffällig der kleine Rechtsaußen. Das hat sich nun geändert. Mit seinen drei Toren beim Tottenham-Wunder von Amsterdam hat er sich nicht nur in ganz Fußball-Europa einen Namen gemacht, sondern sicher auch bei Nationaltrainer Tite wieder in Erinnerung gerufen.

Noch mehr weinende Fußballer – hier sind's aber keine Freudentränen:

Mehr zum Spiel

12 dramatische Finals der Champions League

"Was kostet die Welt, Digger!"

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

12 Retro-Fotos vom Klassiker zwischen Bayern und BVB – und die Geschichte dahinter

Wenn der FC Bayern auf Borussia Dortmund trifft, dann passiert eigentlich immer etwas. Seit beinahe zehn Jahren ist dieses Duell das absolute Spitzenspiel der Bundesliga. Der deutsche Clásico am Samstagabend verspricht auch diesmal viele Tore: Der BVB kassierte in den vergangenen zwei Spielen in München 11 Tore und schoss kein einziges.

Doch der BVB spielte zuletzt wieder stärker und Trainer Lucien Favre tönte am Donnerstag ungewohnt selbstbewusst: "Wir haben keine Angst vor Bayern." Der FC …

Artikel lesen
Link zum Artikel