Sport
Bild

Screenshot: youtube

Interview

Gibt es eigentlich noch "Packing"? 8 Bundesliga-Vereine schwören drauf

"Packing" war das (Un)Wort der EM 2016. So ziemlich jeder sprach und schrieb über die damals neue Analyse-Methode, die die ARD zum Turnier in Frankreich neben der gängigen Statistikwerte wie Torschüssen oder Eckbällen erstmals präsentierte.

Was ist Packing?

Ex-Profi Stefan Reinartz stellte fest, dass die herkömmlichen Parameter wie Ballbesitz, Eckbälle und Torschüsse wenig bis keine Aussagekraft für die Effizienz einer Mannschaft haben.

Also entwickelte er 2014 eine neue Methode, um die Spielstärke von Spielern oder Mannschaften darzustellen: Er nannte es "Packing".

Packing ermittelt, wie viele Verteidiger ein Spieler überspielt. Der Gedanke: Ein Fußballer, der – ob durch Pass oder Dribbling – an vielen Gegnern vorbeikommt, ist ein guter Spieler. Diese Qualität kann Packing messen. Für den Wert spricht eine hohe Erfolgsrate: Laut den Packing-Schöpfern soll das Team, das in einem Spiel besser "packt", mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent punkten.

Packing werde den Fußball revolutionieren, hieß es. ARD-Experte Mehmet Scholl sprach gar vom "Heiligen Gral, nach dem lange und vergeblich gesucht wurde." Packing schaffte es, dass sogar der "Postillon" das Analyse-Tool für seine Satire-Texte aufgriff. 

Zwei Jahre später scheint es Packing nie gegeben zu haben.  Was wurde aus der statistische Fußball-Revolution?

Watson fragte bei Lukas Keppler nach. Der 30-jährige ist neben Ex-Profi Stefan Reinartz der Co-Chef der Packing-Mutter "Impect GmbH". Er verrät, dass "Packing" alles andere als tot ist und lediglich zum "Netflix für Vereine" werden will. 

Was wurde aus "Packing"?
Lukas Keppler: Medientechnisch ist es seit der EM um uns ruhiger geworden. Für RTL lieferten wir die Werte bei den WM-Qualifikationsspielen und die Sportschau nutzt sie wöchentlich – wenn es auch nur für ein Spiel ist. Das geht in der Berichterstattung aber fast schon ein bisschen unter. Die Zusammenarbeit mit Medien haben wir selbst nicht mehr so forciert, weil wir den Fokus auf das Klubgeschäft legen. Wir arbeiten derzeit mit acht Bundesligavereinen zusammen (Anm. d. Red.: Leverkusen, Frankfurt, Mainz, Hoffenheim, Gladbach, Stuttgart, Schalke, Hannover) und launchen im Sommer ein Scouting-Portal.  

Bild

Lukas Keppler Bild: privat

Was für ein Portal ist das genau?
Bislang haben wir ja nur die Daten der Fußball-Bundesliga erhoben. Jetzt ist es aber für uns möglich zu sagen, wer zum Beispiel der effektivste Rechtsverteidiger in Frankreich in der ersten und zweiten Liga ist oder wer die besten defensiven Mittelfeldspieler in den Niederlanden und Belgien sind.

So funktioniert Packing:

abspielen

Video: YouTube/IMPECT

Wir haben jetzt also nicht mehr nur die Infos zu den großen Turnieren, sondern decken ab nächster Saison auch zehn bis zwölf Ligen sowie die Europa League, Champions League und Jugendturniere ab. Das ist für uns der nächste große Schritt.   Es wird eine spannende Zeit, weil wir erstmals auch auf internationale Vereine zugehen können. England wird der erste Markt sein, den wir angehen werden.  

Das Angebot richtet sich also nicht mehr an Fans, sondern an die Klubs. Ein Netflix für Vereine?
Ja, das kann man so sagen. Unser Ziel ist es, den Vereinen eine möglichst präzise Vorauswahl der effektivsten Spieler eines Wettbewerbs zu liefern. Neben unseren Statistiken kann man sich auch die dazugehörigen Szenen des Spielers im Video anschauen. Mit verschiedenen Gewichtungen kann man die Suche auf die eigenen Bedürfnisse anpassen, zum Beispiel dass einem die Balleroberungswerte eines Offensivspielers wichtig sind, weil das eigene Spiel sehr auf Pressing ausgelegt ist. Oder Bayern München schaut nach einem Sechser, der sehr ballsicher ist und viele Gegner überspielt.

Die Daten können natürlich auch für die Gegneranalyse verwendet werden. So können sich die Teams auf den Gegner einstellen und beispielsweise herausfinden, welcher gegnerische Innenverteidiger das bessere Aufbauspiel hat.

Welche deutschen Spieler muss man im Fokus bei der WM haben, weil sie so gute Packing-Werte haben?
Das ist kein Geheimnis, aber Joshua Kimmich ist da absolut herausragend und hat Philipp Lahms Fußstapfen mehr als ausgefüllt. Vor allem, was er in der Offensive abreißt, ist jetzt bereits Bundesliga-Spitze. Bei den Deutschen stehen ja viele sehr gestandene Jungs auf dem Platz: Bei Toni Kroos oder Thomas Müller muss man nicht mehr aufzeigen, auf welchem Niveau sie seit Jahren agieren. Gespannt sind wir auf das erste große Turnier von Timo Werner, der seit zwei Jahren einer der interessantesten Stürmer der Bundesliga ist. Mit seiner Explosivität und seinen tiefen Laufwegen öffnet er immer wieder Räume für seine Mitspieler, von denen die gesamte deutsche Offensive profitieren wird.  

Kimmichs Werte auf einen Blick:

Bild

Bild: impect

Wer noch?
Weil zuletzt viel darüber gesprochen wurde: Ein möglicher Ausfall von Jerome Boateng würde schon sehr schmerzhaft für das deutsche Team sein, weil er herausragende Daten im Spielaufbau abliefert. Es ist fraglich, ob das ein Süle eins zu eins auffangen kann – in der Bundesliga kann er es noch nicht. Außer Hummels kommt keiner der Innenverteidiger in der Bundesliga an die Daten von Boateng heran. 

Bisherige Top-"Packer" bei der WM:

Gibt es einen Spieler, den du vermisst, weil er so gute Packing-Werte hat?
Mitchell Weiser, der jetzt von Hertha nach Leverkusen wechselt, weist seit Jahren ein sehr hohes bis herausragendes Niveau in Berlin nach. Bei Hertha hat er nicht nur die meisten Gegenspieler, sondern auch Verteidiger überspielt, was für einen Verteidiger sehr ungewöhnlich ist. Er initiiert sowohl den Spielaufbau und leitet auch gleichzeitig die meisten gefährlichen Angriffe ein. Unter den deutschen Außenverteidigern ist in der Bundesliga nur Kimmich besser. 

Wen Lukas Keppler noch vermisst:

Mitchell Weiser
Überspielt im Schnitt 55 Gegner pro Spiel (Rang 2 unter allen Außenverteidigern in der Bundesliga hinter Joshua Kimmich).  Damit ist er der Hauptverantwortliche für Herthas Vertikalspiel.  

Kai Havertz
Ermöglicht als Anspielstation das Überspielen von 63 Gegnern pro Spiel (Rang 5 unter allen offensiven Mittelfeldspielern hinter Bayers Offensive um Raumdeuter Müller, Coman und James Rodriguez sowie Teamkollege Julian Brandt).  Dies schafft er durch kluge Laufwege und gutem Raumverhalten, was unter Rücksicht seines Alters einfach herausragend ist.  

Philipp Max

Gehört neben Gregoritsch und Finnbogason zu den Leistungsträgern in Augsburg. Er überspielt im Schnitt 41 Gegner, womit er zwar nur auf Rang 18 unter allen Außenverteidigern platziert ist. Interessanterweise ist er aber damit immer noch der effektivste deutsche Linksverteidiger. Dies unterstreicht aber auch, dass die Position des Linksverteidigers die wahrscheinlich größte Baustelle bei Jogi Löw ist.

Alle News zur Fußball-WM 2018

Lernt den 90-Millionen-Bullen kennen, der Serbien zum WM-Erfolg führen will

Link zum Artikel

Modrić, Rakitić, Gefährlić auf Platz 7 – das ultimative WM-Power-Ranking

Link zum Artikel

Wie 1998: Die Ausgestoßenen Griezmann und Pogba sollen Frankreich einen

Link zum Artikel

Das ist laut FIFA 18 der schlechteste WM-Spieler

Link zum Artikel

Marokko United – das afrikanische Land stellt heimlich das 14. Team Europas bei der WM

Link zum Artikel

"Huh's Huh des Weltfußballs" – So eroberte Island wieder die Herzen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Hartz-IV-Empfängerin meldet sich bei Jobcenter krank – und wird trotzdem abgestraft

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Das Monster ist diese Promi-Frau und wir haben 5 Beweise

Link zum Artikel

Samu Haber flirtet bei "The Masked Singer" mit dem Monster: "Ich schlafe gerne mit dir!"

Link zum Artikel

"In meinen Kühlschrank geschaut": So dreist kontrolliert das Jobcenter Hartz-IV-Empfänger

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Star ist der Grashüpfer, und wir haben 7 Beweise!

Link zum Artikel

"Die Bachelorette": Die beklopptesten Sprüche der ersten 15 Minuten

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Mit seinem Helene-Fischer-Auftritt hat sich der Engel verraten

Link zum Artikel

Petition gegen beliebte dm- und Alnatura-Produkte: "Stoppt diesen ökologischen Irrsinn"

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Promi steckt im Kudu-Kostüm!

Link zum Artikel

"Bachelorette": Das Lustigste an Folge 1 waren die Memes, guck!

Link zum Artikel

Lidl provoziert Netto – und der Supermarkt kontert "a Lidl bit" später

Link zum Artikel

McDonald's- und Burger-King-Mitarbeiter packen über dreisteste Kunden aus

Link zum Artikel

9 Hochzeitsplaner erzählen, welche "tollen Ideen" sie nicht mehr sehen können

Link zum Artikel

Ein Helene-Fischer-Song war für Florian Silbereisen gedacht – doch es kam ganz anders

Link zum Artikel

Autofahrer weichen aus: Gelbe Teststreifen plötzlich auf der A4 aufgetaucht

Link zum Artikel

iPhone-Userin ruiniert besonderen Moment der Braut – so regt sich eine Fotografin auf

Link zum Artikel

Ein Bobby-Car im Parkverbot – so reagiert die Polizei

Link zum Artikel

Gleiches Produkt, dreifacher Preis? Jetzt reagiert Edeka auf die Vorwürfe

Link zum Artikel

"Masked Singer": Faisal Kawusi empört mit üblem Merkel-Witz – ProSieben reagiert patzig

Link zum Artikel

Whatsapp-Panne: Tochter schickt Eltern Urlaubs-Selfie – Wiedersehen dürfte peinlich werden

Link zum Artikel

Das denken Singles, wenn sie diese 5 Sprüche hören

Link zum Artikel

"Wo ist es nur geblieben?": Fans rätseln über angekündigtes Interview mit Helene Fischer

Link zum Artikel

Aldi startet neues Konzept in London – warum das in Deutschland nicht funktionieren würde

Link zum Artikel

Foodwatch kritisiert Edeka: Zwei Produkte, zwei Preise – trotz gleichen Inhalts

Link zum Artikel

Ein Fehler veranschaulicht, worum es Plasberg beim EU-Streit wirklich ging

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

11-Jähriger baut Bundesliga-Stadien aus Lego – das ist sein neuestes Werder-Werk

Wenn man an Legosteine denkt, dann kommen einem schnell "Star Wars" oder "Lego Technik" in den Kopf. Fußballstadien kommen da nur wenigen Lego-Architekten in den Sinn. Einer von ihnen ist Joe Bryant. Der Elfjährige aus dem englischen Crawley liebt Fußball – und Lego. Doch der leidenschaftliche Fan von Ipswich Town hat ein besonderes Faible: Deutsche Stadien.

Schon acht Stadien aus der Bundesliga hat Joe aus Legosteinen nachgebaut. Der FSV Mainz 05, der 1. FC Köln und der FC Schalke luden ihn …

Artikel lesen
Link zum Artikel