Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: imago sportfotodienst

"Gegner sind motiviert wie gegen Bayern" – Timo Horn über die Mission Aufstieg

luis reiß

Entfernt sich der Fußball zu weit von seinen Fans? Timo Horn, Torhüter des 1. FC Köln, kennt beide Perspektiven. Er stand noch vor wenigen Jahren selbst in der Fan-Kurve, jetzt hütet er das Tor des Klubs und ist einer der größten Leistungsträger.

Im Gespräch im Vorstandszimmer des 1. FC Köln im traditionsreichen Geißbockheim fordert er mehr Nähe zu den Anhängern und spricht über den schwierigen Neuanfang in der 2. Bundesliga. Der FC startet am Samstag (13 Uhr) gegen den VfL Bochum.

Herr Horn, immer mehr Fans sind wütend darüber, wie weit sich die Spieler und Vereine abschotten und von ihnen distanzieren. Sie standen früher selbst in der Fankurve und sind jetzt Profi beim FC. Wie nehmen Sie die Situation wahr?
Timo Horn:
Unsere komplette Vorbereitung war öffentlich, wir hatten keine einzige nicht-öffentliche Einheit. Deshalb ist der FC ein guter Gegenentwurf zu dieser Entwicklung. Ich kann die Diskussion aber grundsätzlich nachvollziehen, wenn man von einigen größeren Klubs oder den Vereinen in England hört, dass sie nur noch am Spieltag im Stadion für ihre Fans zu sehen sind.

Bild

Auch die kleinsten Fans halten trotz Abstiegs zu Horn und dem "Effzeh" Bild: imago sportfotodienst

Ist das ein Fehler dieser Vereine?
Ich finde es förderlich, wenn die Fans nah dran sind. Ohne die Fans wäre der Fußball nicht die Sportart Nummer eins. Deshalb spricht nichts dagegen, dass sie unter der Woche den Trainingsalltag verfolgen können. Je näher es Richtung Spiel geht, das ist auch klar, macht auch die eine oder andere geheime Trainingseinheit Sinn, gerade wenn es um Taktik geht.

Häufig kommt das Argument: Die Fans lenken von der Arbeit ab, der sportliche Erfolg wird gefährdet. Können Sie das nach Ihrer öffentlichen Vorbereitung bestätigen?
Nein, so pauschal sicher nicht. Es ist für die Konzentration natürlich nicht hilfreich, wenn ständig einer dazwischenbrüllt, das kommt auch ab und zu vor (lacht). Aber die große Mehrheit der Fans verhält sich da absolut vorbildlich. Ich freue mich vor allem darüber, wenn jetzt in der Ferienzeit viele Kinder hier am Geißbockheim sind. Ich habe früher ja auch meinen Vorbildern beim FC zugeschaut und vergesse das bis heute nicht. Jetzt versuche ich selbst ein gutes Vorbild zu sein.

Wie waren die Fan-Reaktionen denn in der abgelaufenen Saison als sie auf Platz 18 standen?
In Zeiten des Misserfolgs ist es völlig normal, dass man nach einem Spiel auch mal kleinere Auseinandersetzungen mit den Fans hat. Aber schon einen Tag später beim Training wurde uns sofort wieder Mut zugesprochen, das war in so einer schlimmen Situation eine außergewöhnliche Reaktion. Dieser Zusammenhalt macht den FC aus.

Transparente in der Fankurve von K, Dieser Abstieg geht auf euer Konto Fanprotest, Protest, Fussball 1. Bundesliga, 33. Spieltag, 1. FC Koeln (K) - FC Bayern Muenchen (M), am 05.05.2018 in Koeln/ Deutschland. *** Banners in the fan curve of K This descent goes to your account Fan protest Protest Football 1 Bundesliga 33 Match day 1 FC Koeln K Bayern Munich M on 05 05 2018 in Koeln Germany

Kölner Fanproteste nach dem sicheren Bundesliga-Abstieg Bild: imago sportfotodienst

Welche Rolle hat das bei Ihrer Entscheidung gespielt, trotz anderer Angebote mit dem FC in die Zweite Bundesliga zu gehen?
Das war sehr wichtig. Bei jeder Entscheidung über meine Zukunft denke ich: Ich bin hier groß geworden, bin als Fan in der Kurve gestanden, habe noch nie für einen anderen Verein gespielt. Soll ich das wirklich aufgeben?

Auch Jonas Hector, Marco Höger oder Marcel Risse haben sich gegen einen Wechsel entschieden. Wie lief das ab?
Wir haben natürlich darüber gesprochen. Es war ja leider sehr früh abzusehen, dass der Weg sehr wahrscheinlich in die 2. Bundesliga führt. Ich hätte es nach den Gesprächen trotzdem nicht für möglich gehalten, dass sich so viele Spieler für einen Verbleib entscheiden

Zwischen der Feier über die Europapokal-Teilnahme mit dem FC und dem Abstieg als Tabellenletzter lagen gerade einmal zwölf Monate. Was haben Sie aus diesem turbulenten Absturz gelernt?
Niemand hat so eine katastrophale Saison für möglich gehalten – und das war ein Fehler. Ich habe daraus gelernt, dass man nichts ausschließen darf, sich immer wieder neu fokussieren muss – und vergangene Leistungen nichts wert sind. Ich zwinge mich immer wieder auf jede Kleinigkeit zu schauen, die wir in der letzten Saison vielleicht vernachlässigt haben. Wenn wir das alle schaffen, ist es ein riesiger Vorteil in der Zweiten Liga.

Cologne, Germany 05.05.2018, 1. Bundesliga 33. Spieltag, 1. FC Koeln - FC Bayern Muenchen, Torwart Timo Horn (Koeln) und Dominic Maroh nach dem Spiel. ( DeFodi512 *** Cologne Germany 05 05 2018 1 Bundesliga 33 Matchday 1 FC Koeln FC Bayern Muenchen Goalkeeper Timo Horn Koeln and Dominic Maroh after the game DeFodi512

Horn verabschiedet am letzten Spieltag Dominic Maroh aus Köln Bild: imago sportfotodienst

Ihr Kader ist deutlich stärker besetzt als bei der Konkurrenz, der Etat viel höher als bei den meisten Zweitligisten mit Ausnahme des HSV. Sind Sie der FC Bayern der 2. Bundesliga?
Wenn kleinere Klubs kommende Saison hier nach Köln kommen und vor 40.000 oder 50.000 Zuschauern spielen, ist das natürlich besonders. Wenn du in München spielst auch. Mit einigen Abstrichen bei der fußballerischen Qualität (lacht), kann man deshalb vielleicht sagen: Unsere Gegner werden so motiviert sein wie gegen den FC Bayern. Ansonsten sehe ich wenig Parallelen, dafür ist die Dominanz der Bayern in der Bundesliga in den letzten Jahren zu groß gewesen.

Alle erwarten einen Zweikampf um die Tabellenspitze zwischen Ihnen und dem HSV. Wollen Sie den Titel – oder einfach nur zurück in die Bundesliga?
In erster Linie wollen wir zurück in die Bundesliga, das hat oberste Priorität. Aber das wird kein Selbstläufer. Je früher wir genug Punkte gesammelt haben, desto besser. Wenn du Erster wirst, so wie beim letzten Aufstieg 2013, ist das natürlich die Bestätigung einer guten Saison und ein überragendes Gefühl.

Sie haben beides schon erlebt: Was verändert sich für einen Profi, wenn er statt in Dortmund plötzlich in Sandhausen spielt?
Erstmal sind beides Punktspiele. Wenn dir da die Motivation fehlt, hast du im Profi-Fußball ein großes Problem. Ein Stadion wie in Dortmund mit 80.000 Zuschauern ist definitiv ein Highlight. Trotz aller Konzentration wird einem das auch vor dem Spiel bewusst. Das ist in Sandhausen anders. Aber noch mal: An der akribischen Vorbereitung aufs Spiel oder der Einstellung darf das nichts ändern.

Ihr neuer Trainer Markus Anfang hat Jonas Hector zum Kapitän und Marco Höger als seinen Stellvertreter ernannt. Auch Sie waren einer der Kandidaten. Sind Sie enttäuscht?
Ich gönne es Jonas von Herzen. Er hat sich das verdient, ist ein gestandener Nationalspieler mit internationaler Erfahrung. Wir drei verstehen uns gut und haben uns schon vor der Entscheidung gesagt: Es ist egal, wer die Binde trägt. Für uns zählt nur der Aufstieg. Ich werde weiter Rede und Antwort stehen und kritische Dinge ansprechen, egal ob mit Binde oder ohne.​

Hector ist zwar ein großer Leistungsträger, aber auf und neben dem Platz eher ruhig. Fehlt dem FC ein klarer Anführer?
Bei Lukas Podolski war es früher so, dass er das Aushängeschild des Vereins war und auch intern alles überragt hat. Der Verein hat das bewusst verändert und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Das hat sich in meinen Augen bewährt und ist die Grundlage für unseren überragenden Teamgeist. Jonas ist als Kapitän kein Lautsprecher, aber wenn er etwas anspricht, ist das immer fundiert und hat sehr großes Gewicht in der Mannschaft.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de.

Ohne Zweitligisten: Die treuesten Kicker der Bundesliga seit Profi-Unterschrift

Die Bundesliga bereitet sich auf die Saison vor:

Fan pöbelt gegen Di Santo – und das Schalker Team reagiert ganz groß

Link zum Artikel

++ RB Leipzig schlägt den 1. FC Nürnberg mit einem haushohen 6:0  ++

Link zum Artikel

Neue Ausstatter und Altbekanntes – das sind die neuen Bundesliga-Trikots

Link zum Artikel

Gegen den Jugendwahn der Liga: Warum Pizarro der richtige Transfer für Werder ist

Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Aua! Schalke-Fans müssen nach 0:7-Klatsche mit BVB-Flugzeug nach Hause fliegen

Das tut ja gleich doppelt – ach was, dreifach – weh. Der FC Schalke erlebt derzeit richtig schlechte Zeiten: Abstiegskampf in der Bundesliga, höchste deutsche Champions-League-Pleite aller Zeiten gegen Manchester City kassiert und der Revierrivale aus Dortmund könnte seine starke Saison sogar noch mit der Meisterschaft krönen. Das war aber noch nicht lange das Ende der Demütigungen für die Schalke-Fans.

Auf dem Rückweg von der 0:7-Niederlage gegen Manchester kam dann der nächste Schock: Statt …

Artikel lesen
Link zum Artikel