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Ein echtes Nord-Derby und 4 weitere Gründe, warum die 2. Liga geiler als die 1. wird

02.08.18, 17:59
Arne Siegmund
Arne Siegmund

"Die beste zweite Liga aller Zeiten" – mit diesem Satz hat früher das Deutsche Sportfernsehen (DSF) für seine Sendung "Hattrick, die 2. Bundesliga" geworben. Den Spartensender DSF gibt es nicht mehr, er heißt seit 2010 "Sport1". Der Spruch ist geblieben. 

"Die beste zweite Liga aller Zeiten" ist zum geflügelten Wort geworden, das seit acht Jahren – oft mit einem Augenzwinkern – in Experten-Runden und fußballaffinen Freundeskreisen zitiert wird.

Dieses Jahr passt der Spruch aber so gut wie noch nie.

Denn die Zweitliga-Saison 2018/2019 wird wirklich die beste aller Zeiten, da sind wir uns sicher. Und damit nicht genug: In dieser Spielzeit wird es im Unterhaus heißer, interessanter, spannender und stimmungsvoller zugehen als in der Bundesliga.

Während der Bundesliga mal wieder Bayern-Dominanz und gähnende Langeweile drohen, warten in Liga zwei hunderte Jahre Tradition, dramatische Derbys und geschichtsträchtige Stadien. 

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Die zweite Bundesliga wird geiler als die erste. Aus diesen 5 Gründen:

Gefühlte Bundesliga

Die Liga liest sich – mit Ausnahmen – wie eine Bundesliga-Tabelle aus der Vergangenheit. In der zweiten Liga spielen etliche gefühlte Bundesligavereine. Allen voran natürlich die Absteiger 1. FC Köln und der Hamburger SV, die viele Stars mitbringen und auch die großen Favoriten auf den direkten Aufstieg sind.

Köln, Hamburg, Bielefeld. Dresden, Bochum, Union. Sind diese Namen nicht zumindest vom Klang her allemal attraktiver als die der Erstliga-Klubs Mainz, Augsburg, Düsseldorf? Oder Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig?

Die halbe zweite Liga hat eigentlich den Anspruch, in der Bundesliga zu spielen.

11 der 18 Zweitliga-Klubs haben bereits mindestens ein Jahr Bundesliga auf dem Buckel (der FC Ingolstadt, Greuther Fürth, der SC Paderborn, Darmstadt 98), bzw. waren jahrelang fester Bestandteil der deutschen Beletage wie Arminia Bielefeld, der VfL Bochum oder Bundesliga-Gründungsmitglied MSV Duisburg. 

Union und Bochum: Auf dem Sprung (zurück) in die Bundesliga? imago/Camera 4

Lediglich Erzgebirge Aue, Union Berlin, der FC Heidenheim, Holstein Kiel, der FC Magdeburg, Jahn Regensburg und der SV Sandhausen waren noch nie in der 1963 eingeführten Bundesliga. Magdeburg war allerdings in der Vergangenheit dreimal DDR-Meister und holte sogar 1974 den Europapokal der Pokalsieger.

Don't Call It Derby!

Was ist die Bundesliga ohne den HSV und den 1. FC Köln? Richtig! Eine Bundesliga ohne wahres Rhein-Derby und ohne echtes Nord-Derby. 

Wenn Leverkusen auf Düsseldorf trifft oder Düsseldorf auf Mönchengladbach findet dieses Spiel zwar irgendwo am Rhein bzw. in der Niederrhein-Peripherie statt. Eine gewisse Rivalität gibt es zwischen diesen drei Klubs sicher auch. Keine Frage. Aber: Das wahre Rhein-Derby heißt immer noch Köln gegen Gladbach – oder halt Köln gegen Düsseldorf. Oder Köln gegen Leverkusen. Oder umgekehrt. Aber niemals wird es ein Rhein-Derby ohne den Effzeh geben!

Mindestens eine Saison hat das echte Rhein-Derby Pause. imago/Jan Huebner

Das Gleiche gilt fürs Nord-Derby. Im hohen Norden gibt es nämlich nur noch Werder Bremen. Nach anderen Nord-Klubs muss man in der Bundesliga seit dem Abgang des HSV lange suchen bzw. weit gen Süden schauen: nach Hannover bzw. Wolfsburg. Womit wir beim springenden Punkt sind: Bremen gegen Hannover oder Bremen gegen Wolfsburg IST KEIN Nord-Derby. Niemals! Frankfurt gegen Bayern ist doch auch kein Süd-Derby!

Der Bundesliga bleiben lediglich "die Mutter aller Derbys", also Schalke gegen Dortmund, und das Bayern-Derby Nürnberg gegen München.

Ganz anders sieht's in Liga zwei aus: Da haben wir ein schnuckliges OWL-Derby zwischen Arminia und Paderborn, ein Ruhr-Derby zwischen Duisburg und Bochum, das Stadt-Derby St. Pauli gegen den HSV und außerdem diverse Westfalen-Derbys sowie Ost-Schlager zwischen Union, Dresden, Magdeburg und Aue. Außerdem: Gleich am ersten Spieltag gibt's zwischen Hamburg und Kiel sogar ein Nord-Derby, das den Namen verdient...

Bielefelder Fans 2009 in Paderborn: "...Voll doof hier". imago sportfotodienst

0815-Hochglanz-Arenen braucht kein Mensch!

Die größten Fußballstadien Deutschlands findet man in der zweiten Liga nicht. Die stehen in Dortmund, München oder Gelsenkirchen. In Berlin, Gladbach und Stuttgart. Dafür hat das Unterhaus einzigartige, unverkennbare Schmuckkästchen zu bieten.

Verbotenes in der Allianz-Arena, dem zweitgrößten Fußballstadion Deutschlands: Stimmung darf man theoretisch mitnehmen, macht aber kaum jemand. imago/MIS

Das Ruhrstadion in Bochum, dessen Korpus von den charakteristischen Sichtbeton-Sicheln getragen wird; die in der Innenstadt gelegenen Stadien in St. Pauli (Millerntor) und Bielefeld (Alm bzw. "SchücoArena") bringen einen Hauch England nach Deutschland und bei Heimspielen ganze Stadtteile zum Beben; das Darmstädter Böllenfalltor, wo das Unkraut zwischen den Tribünenstufen hervorsprießt; die Alte Försterei in Köpenick, die teilweise von freiwilligen Fans liebevoll renoviert wurde. Hinzu kommen kleine, rustikale Plätze wie in Heidenheim und Sandhausen.

Unverkennbar: Das Ruhrstadion (2010: "rewirpower Stadion", aktuell: "Vonovia Ruhrstadion").  imago

Na, schon Gänsehaut bekommen? Im Gegensatz zu einigen 0815-Multifunktions-Arenen in der Bundesliga sind diese Stadien so etwas wie Sehnsuchtsorte für Fußballromantiker. Nicht zuletzt, weil man dort an den Bier- und Bratwurstständen in der Regel noch überall mit Bargeld bezahlen kann und nicht – wie es in der Bundesliga oft der Fall ist – mit einer hausinternen Kreditkarte, die man mit Guthaben aufladen muss. 

Ein weiterer Pluspunkt, der Fanherzen höher schlagen lässt: Alle Zweitliga-Stadien haben noch Stehplätze und fünf haben keine einzige VIP-Loge.

Die Fans, die Stimmung

Was der Suppe das Salz ist, das sind den Stadien die Fans. Ohne Besucher keine Stimmung. Quantitativ hat die Bundesliga zwar die Nase vorn, was die Zuschauerzahlen angeht: Insgesamt 13.665.094 Menschen besuchten in der vergangenen Saison die Erstliga-Spiele. In der zweiten Liga waren es weniger als die Hälfte, genau gesagt 5.390.774. 

Was die Qualität der Fans und die Stimmung, die sie machen, angeht, sehen wir die zweite Bundesliga aber klar vorne. Alleine was bei jedem Heimspiel 90 Minuten lang in Dresden abgeht, ist der Wahnsinn; in Bielefeld und Bochum wird's aufgrund der engen Bauweise eh immer laut, auch wenn ein Spiel mal nicht so gut besucht ist; in der Alten Försterei trifft man sich sogar zum Singen, wenn kein Fußballspiel stattfindet...

Stichwort: Traditionelles Weihnachtssingen.

Und was ist in der Bundesliga los? Die Allianz-Arena in München ist voller Event-Fans; in Wolfsburg sind nicht mal wichtige Heimspiele, in denen es um den Klassenerhalt geht, ausverkauft (Beispiel: 30. Spieltag 2017/18, Wolfsburg gegen Augsburg, 23.512 Zuschauer; Kapazität: 30.000); im viel zu großen Berliner Olympiastadion entweicht die Stimmung, wenn sie denn mal aufkommt, durchs Marathontor. 

Spannung ohne Ende

Die Liga ist unheimlich ausgeglichen und das macht sie so aufregend. Man muss eigentlich nur auf die vergangene Saison schauen, um zu verstehen, wie spannend eine Zweitliga-Spielzeit sein kann. Am vorletzten Spieltag war der Abstiegskampf so dramatisch, dass selbst Sandhausen auf Platz acht (!) noch zittern musste. Kurios: Die drei Aufsteiger Jahn Regensburg, MSV Duisburg und Holstein Kiel waren zu diesem Zeitpunkt bereits gerettet. Der Jahn und Kiel spielten sogar noch um den direkten Aufstieg in die Bundesliga bzw. den Relegationsplatz mit.

Und auch in dieser Saison wird's spannend. Versprochen! Ein großer Kreis an Aufstiegsanwärtern schickt sich an, den Schritt (zurück) in die Bundesliga zu machen: Hamburg und Köln wollen direkt wieder hoch, Union sowieso, Dresden peilt auch langsam aber sicher den Aufstieg an. Hinzu kommen Ingolstadt und Bochum sowie Bielefeld, das als Viertplatzierter der Vorsaison ebenfalls als Kandidat gehandelt wird. 

Können die Bielefelder ihre starke Saison bestätigen oder droht wieder Abstiegskampf? imago/Sven Simon

Echte Abstiegskandidaten kann man auch nicht recht vorhersagen, dafür waren sie in den vergangenen Jahren zu überraschend. So stieg zum Beispiel Paderborn als Bundesliga-Absteiger ab (2015/16), ein Jahr später Karlsruhe als Vorjahres-Siebter, vergangene Saison traf es überraschenderweise Braunschweig.

Die Zweitliga-Aufsteiger sind auch schon längst per se keine Abstiegskandidaten mehr: Darmstadt marschierte 2015 in die Bundesliga durch, Würzburg spielte 2016/17 oben mit, stieg dann aber nach schlechter Rückrunde doch noch ab, und 2018 beendeten die drei Aufsteiger (s. o.) die Saison im oberen Drittel.

Man kann die Saison beim besten Willen nicht vorhersagen. Das macht die zweite Liga so geil. Aber das Beste ist: Bayern wird nicht Meister!

Ungefähre Gefühlslage. imgflip.com/watson

Und was da noch alles eine Liga tiefer lauert, ist auch nicht ohne:

Oder widersprecht ihr uns? Ist die zweite Liga gar nicht so geil? Schreibt's in die Kommentare!

Hier kann selbst "die beste zweite Liga aller Zeiten" nicht mithalten: 12 legendäre Finals der Champions League...

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