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WM 2018, Serbien - Schweiz 2018.06.16 Kaliningrad Pilka nozna Mistrzostwa Swiata w Rosji Rosja 2018 Serbia - Szwajcaria N/z Granit Xhaka of Switzerland celebrates scoring a goal Foto Norbert Barczyk / PressFocus 2018.06.16 Kaliningrad Football 2018 FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball in Russia Serbia v Switzerland Credit: Norbert Barczyk / PressFocus / NEWSPIX.PL --- Newspix.pl PUBLICATIONxNOTxINxPOL 20180622NB0163

imago/newspix/Norbert Barczyk

Schweizer Fußball überlegt, Doppelbürger nicht zu fördern – was für ein Quatsch

Der Generalsekretär des Schweizerischen Fußballverbundes (SFV), Alex Miescher, hat in einem Interview geäußert, dass man Probleme schaffe, in dem man die Mehrfachnationalität ermögliche. Doppelbürger deshalb nicht mehr zu fördern, ist eine Schnapsidee, finden unsere Kollegen von watson.ch

Sandro Zappella

Miescher erklärte:

"Der Verband könnte sagen, dass die Türen in die Förderprogramme nur jenen Nachwuchsspielern offen stehen, die auf eine Doppelbürgerschaft verzichten."

Miescher buddelt damit eine Thematik wieder aus, die man eigentlich begraben wollte. Man wollte den Doppeladler doch ruhen lassen. Oder galt das nur während sich die Mannschaft auf ihre Spiele bei der WM konzentrieren sollte?

Hintergrund:

SFV-Generalsekretär Miescher entfacht Diskussion über doppelte Staatsbürgerschaft:

Im SFV wird nach den Vorkommnissen bei der WM in Russland über ein Verbot der doppelten Staatsbürgerschaft für Spieler diskutiert. Generalsekretär Alex Miescher hatte in einem Interview mit dem Tagesanzeiger gesagt, dass sich die Schweiz "vielleicht fragen müsse", ob sie künftig die doppelte Staatsbürgerschaft in der Nationalmannschaft verbieten wolle.

Im Spiel gegen Serbien (2:1) hatten die Ex-Bundesliga-Profis Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka, beide mit kosovo-albanischen Wurzeln, ihre Tore mit der Doppeladler-Geste gefeiert. Das Formen des albanischen Wappentiers mit den Händen ist allerdings eindeutig ein von der Fifa verbotenes politisches Statement. Es folgte eine Geldstrafe von jeweils 8680 Euro für die beiden Spieler. Der Schweizer Kapitän Stephan Lichtsteiner, der sich dem Jubel angeschlossen hatte, wurde mit 4340 Euro Buße belegt.

afp

Jetzt, da die Schweiz unrühmlich ausgeschieden ist, darf der Doppeladler seinen Kopf offenbar wieder als Grund für das Scheitern hinhalten. Xhakas und Shaqiris Identifikation mit ihrer zweiten Heimat hat den Fußballverband – oder zumindest den Generalsekretär – so sehr gestört, dass jetzt in Erwägung gezogen wird, Doppelbürger gar nicht mehr auszubilden. Im Schweizer Fußball soll zukünftig nur noch gefördert werden, wer sich 100 Prozent für die Schweiz entscheidet und damit gebunden werden kann. Für Mehrfachnationalitäten gibt es keinen Platz.

WM 2018, Serbien - Schweiz KALININGRAD, RUSSIA - JUNE 22, 2018: Switzerland s Xherdan Shaqiri celebrates a goal in a First Stage Group E football match between Serbia and Switzerland at Kaliningrad Stadium (Baltika Arena) at FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball Russia 2018. Denis Tyrin/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS085D24

imago/ITAR-TASS/denis tyrin

Tatsächlich steckt der Schweizer Fußballverband viel Geld in die Ausbildung von Nachwuchstalenten. Mit Trainern, Staff, Trainingslagern, Infrastruktur et cetera. Doch für diese Investitionen wurde der Verband auch immer wieder belohnt. So mit den Endrunden-Teilnahmen 2004, 2006, 2008, 2010, 2014, 2016 und 2018. Ohne die zahlreichen Doppelbürger wären diese großen Turniere kaum möglich gewesen. Ohne sie wäre die Schweiz nicht konkurrenzfähig. 

FUSSBALL WM 2018 Achtelfinale ------ Schweden - Schweiz 03.07.2018 Teamfoto Schweiz, hintere Reihe von links: Manuel Akanji, Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez, Valon Behrami, Johan Djourou und Torwart Yann Sommer. Vordere Reihe von links: Michael Lang, Steven Zuber, Blerim Dzemaili, Josip Drmic und Xherdan Shaqiri. *** FIFA World Cup Greece 2018 Eighth final Sweden Switzerland 03 07 2018 Team photo Switzerland back row from left Manuel Akanji Granit Xhaka Ricardo Rodriguez Valon Behrami Johan Djourou and goalkeeper Yann Sommer Front row from left Michael Lang Steven Zuber Blerim Dzemaili Josip Drmic and Xherdan Shaqiri PUBLICATIONxNOTxINxAUTxSUIxITA

Die Schweizer Elf vor dem Achtelfinale gegen Schweden: Lediglich Michael Lang (Nr. 6), Steven Zuber (Nr. 14) und Torwart Yann Sommer haben keine doppelte Staatsbürgerschaft. imago/ULMER/Michael Kienzler

Wie polemisiert die Debatte ist, zeigt ein Blick auf die Fakten. Denn die Angst, dass sich gut ausgebildete Spieler für andere Länder entscheiden, ist unbegründet. 

Von sportlicher Relevanz waren bloß die Entscheidungen von Mladen Petrić und vor allem Ivan Rakitić, bei dem es der SFV damals allerdings verschlampt hatte, ihn für die Schweiz zu gewinnen. "Wenn du Lust hast, dann komm, aber es wird schwierig", hieß es damals aus dem Schweizer Lager.

Bild

Kroaten mit Schweizer Pass: Ivan Rakitić (l.) und Mladen Petrić, Pokalsieger 2007 mit dem FC Basel, entschieden sich beide, für Kroatien zu spielen.  imago

Petrić entschied sich im Jahr 2001 für Kroatien zu spielen, Rakitić 2007. Seither ist kein sportlich bedeutender Spieler abgewandert und hat sich für seine "zweite Heimat" entschieden. 

Zwar haben sich in der Schweiz ausgebildete Spieler wie Amir Abrashi oder Taulant Xhaka für Albanien entschieden, allerdings vor allem aus dem Grund, dass es ihnen in der Schweizer Nationalmannschaft nicht gereicht hätte. 

Für Miescher scheint die Mehrfachnationalität aber ein grundlegendes Problem zu sein. Er erklärt, dass man den Spielern mit Doppelbürgerschaft keinen Gefallen mache:

"Bei Doppelbürgern, ist es wie bei Scheidungskindern, die sich zwischen Mutter und Vater entscheiden müssen."

Alex Miescher

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Miescher diesen "Scheidungskindern" lieber Mutter oder Vater wegnimmt als beide zu behalten und sie später vor eine allfällige Entscheidung zu stellen.

Und gehen wir einen Schritt weiter und denken Mieschers Idee zu Ende: Sie würde bedeuten, dass ein Nachwuchsspieler mit 14 Jahren vor die Wahl gestellt wird: Welchen Pass willst du behalten? Eine solche Maßnahme scheint kaum gerechtfertigt, vor der Tatsache, dass sich seit über zehn Jahren kein "wichtiger" Spieler gegen die Schweiz entschieden hat. 

Man braucht nicht sonderlich viel Empathie, um zu realisieren, dass diese Aussage nicht durchdacht ist.

Am einfachsten lässt sich die Unsinnigkeit der Thematik aus betriebswirtschaftlicher Sicht erklären. Man muss sich bloß fragen: Bilde ich lieber 20 talentierte Arbeitskräfte aus, von denen dann vielleicht einige später nicht für mich arbeiten oder verzichte ich lieber komplett auf deren Ausbildung?

"Wenn dann alle der Meinung sind, dass es eine Schnapsidee ist, dann ist das für uns auch okay."

Alex Miescher

Ja, das ist es, Herr Miescher. Eine Schnapsidee. 

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