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POCHETTINO Mauricio Trainer Team Tottenham jubelt nach dem Sieg mit seiner Mannschaft UEFA Champions League Saison 2019 Semifinale Spiel Ajax Amsterdam - Tottenham 2 : 3 am 08. Mai 2019 in der Johan Cruyff Arena *** POCHETTINO Mauricio coach team Tottenham cheers after the victory with his team UEFA Champions League season 2019 semifinal match Ajax Amsterdam Tottenham 2 3 on 08 May 2019 at the Johan Cruyff Arena Tottenham rejoices with his team PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxLUXxONLY

Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino und seine Spieler konnten es selbst kaum glauben. Bild: www.imago-images.de

Fußball, ich wollte dich hassen – aber jetzt liebe ich dich noch mehr <3

Es gibt nichts auf dieser Welt, das so schön ist wie Fußball. Das wird sich zum Glück nie ändern – aller Widrigkeiten zum Trotz.

Sandro Zappella / watson.ch

Ich habe diese Woche oft geschrien. Ja, ich bin sogar ein bisschen heiser. Aber was soll ich denn machen, wenn Vincent Kompany das Leder aus 25 Metern so perfekt in den Winkel zimmert? Da beginnen die Stimmbänder automatisch zu vibrieren. Selbst an einem Montagabend.

Ich habe keine ausgeprägten Sympathien für Manchester City, den Verein mag ich nicht sonderlich, aber ich liebe es, wie die Mannschaft spielt. Und die Dramaturgie mit dem hölzernen Innenverteidiger, der seit elf Jahren beim Verein ist, im Sommer wohl gehen muss und dann so ein Tor schießt, bei dem du dir denkst: "Der kann das doch gar nicht." Nach der Partie hatte Kompany Freudentränen in den Augen. Es ist der Moment, wenn Fußballromantik so richtig kitschig wird.

Noch am gleichen Abend macht die Nachricht die Runde, dass bei Manchester City keine Fan-Flaggen mehr hängen dürfen, sondern diese nur noch auf Screens dargestellt werden. Hach, der moderne Fußball, man muss ihn einfach hassen.

Die City-Screens sind eine dieser Begleiterscheinungen im modernen Fußball, die uns laufend kotzen lassen. Seltsame VAR-Entscheidungen, Schwalben, Simulationen, Zeitspiel, Starallüren, die Selbstverherrlichung der Profis auf Instagram, die Gier von Verbänden, Clubs, Spielern und Beratern. Die Liste ist lang, der Ärger berechtigt. Die einfachste Lösung? Den Profi-Fußball zu boykottieren.

Wobei vielen sogar diese Entscheidung abgenommen wird. Denn ohne zu bezahlen fehlt der Zugriff auf die meisten Spiele. Dass ich am Montag Manchester City schauen konnte? Nur dank meinem DAZN-Abo. Am Dienstag Liverpool-Barcelona? Nur dank meinem Pay-TV-Abo, das Spiel zeigten in Deutschland nur Sky und DAZN. Auch das Drama zwischen Ajax und Tottenham am Mittwoch war nicht frei zu empfangen. Weder die ARD und das ZDF noch RTL besitzen die Übertragungsrechte an der diesjährigen Champions-League-Saison. Wer Fußball will, muss grundsätzlich dafür bezahlen.

Aber eben, schnell ist diese Wut auf das Fußballgeschäft verflogen, wenn Liverpool gegen Barcelona plötzlich 3:0 führt und dank einer sensationellen Ecke die Katalanen aus dem Wettbewerb kickt. Diese Mannschaft um den impulsiven Trainer Jürgen Klopp, der auf seine Stars Mo Salah und Roberto Firmino verzichten muss.

Ich habe mir im Pub vor Freude über das 4:0 genau so die Seele aus dem Leib geschrien wie auch bei Messis Traumfreistoß im Hinspiel. Weil Fußball halt einfach das Größte ist – unabhängig welche Teams involviert sind und wie die Sympathien verteilt sind. Plötzlich ist die Doppelmoral von Jürgen Klopp, der andere Premier-League-Clubs für ihre offensive Transferpolitik kritisierte, in den vergangenen zwei Jahren aber selbst für 350 Millionen Euro einkaufte, egal.

(190508) -- LIVERPOOL, May 8, 2019 (Xinhua) -- Liverpool s Mohamed Salah (2nd, L), manager Jurgen Klopp (2nd, R) and Virgil van Dijk (1st, R) celebrate after the UEFA Champions League Semi-Final second Leg match between Liverpool FC and FC Barcelona Barca at Anfield in Liverpool, Britain on May 7, 2019. Liverpool won 4-3 on aggregate and reached the final. (Xinhua) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO USE WITH UNAUTHORIZED AUDIO, VIDEO, DATA, FIXTURE LISTS, CLUB/LEAGUE LOGOS OR LIVE SERVICES. ONLINE IN-MATCH USE LIMITED TO 45 IMAGES, NO VIDEO EMULATION. NO USE IN BETTING, GAMES OR SINGLE CLUB/LEAGUE/PLAYER PUBLICATIONS. (SP)BRITAIN-LIVERPOOL-FOOTBALL-UEFA CHAMPIONS LEAGUE-LIVERPOOL VS FC BARCELONA PUBLICATIONxNOTxINxCHN

Ein Team zum Verlieben: Der FC Liverpool. Bild: www.imago-images.de

Diese Woche hat der Fußball aber auch immer noch eine Extra-Kirsche bereit. Als wären Montag und Dienstag nicht genug gewesen, sorgte Tottenham gestern für eine weitere epische Wende. Diese ganze Champions-League-Kampagne ist so krank, es musste ja so kommen. Plötzlich spielt Lucas Moura wie ein junger Gott, erzielt einen lupenreinen Hattrick und schießt Tottenham in der 96. Minute ins Finale und Ajax ins Elend.

Was habe ich mich gestern wieder in den Fußball verliebt. Was war das für ein hartes, intensives aber faires Spiel. Kaum Diskussionen, keine Fehlentscheidungen – fünf Tore, drei Pfosten- oder Lattenschüsse, Drama pur. Nach der Partie weinte Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino vor Freude und nahm dann als erstes Ajax-Trainer Erik ten Hag herzlich in den Arm. Es ist der Moment, wenn Fußballromantik so richtig kitschig wird.

Es gibt tausend gute Gründe, auf diesen Sport wütend zu sein. Warum fällt mir jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?

Gary Lineker bringt es auf den Punkt.

Fußball, ich habe versucht, dich zu hassen. Aber ich kann einfach nicht anders als dich zu lieben. Jeden Tag ein bisschen mehr.

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