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August 28, 2018 - Washington, District of Columbia, U.S. - United States President Donald J. Trump, right, holds a red penalty card that was presented to him by Gianni Infantino, left, President of Federation Internationale de Football Association (FIFA) during a meeting to discuss the 2026 World Cup games in North America in the Oval Office of the White House in Washington, DC on Tuesday, August 28, 2018. FIFA describes itself as an international governing body of association football, futsal, and beach soccer Washington U.S. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAs152 20180828_zaa_s152_001 Copyright: xRonxSachsx

Der FIFA und dem Weltfußball zeigt keiner so schnell die rote Karte. Bild: imago stock&people

"Football Leaks" – ein teuflisch genialer Einfall der FIFA-PR-Strategen

"Football Leaks" – na und? Selbst die brisantesten Enthüllungen vermögen den Weltfußball nicht mehr zu erschüttern. Sie zeigen vielmehr auf eine beunruhigende Art und Weise die Allmacht des Fußballs und die Ohnmacht der Medien.

Klaus Zaugg / watson.ch

Und nun also wieder eine neue Episode aus der Sport-Lindenstraße "Football Leaks". Ach, was für ein Spektakel. Was da wieder alles aufgedeckt, enthüllt, freigelegt, bloßgelegt, ausfindig gemacht und ans Licht gebracht worden ist!

Eigentlich müssten die Staatsanwälte alles stehen und liegen lassen und sich dem Fußball-Business zuwenden und die Sportministerien Krisenstäbe bilden. Eigentlich müsste es rocken und rollen in der Fußballwelt und die Resultate in den diversen nationalen und kontinentalen Wettbewerben zur Nebensache verkommen.

Eigentlich. Aber nichts passiert. Die Fußballwelt nimmt ihren Lauf. Wie eh und je. "Football Leaks" erwärmt nur ein wenig die Luft. Die Kritiker bellen, die Karawane zieht weiter. Was läuft da falsch?

Kaum ein anderes Sport-Business ist so gründlich durchleuchtet und skandalisiert worden. In meiner Bibliothek stapeln sich inzwischen die Enthüllungsbücher. Ich habe sie im Laufe der Zeit alle gelesen: 

Aber nichts verändert sich wirklich und nachhaltig. Das globale Milliarden-Unternehmen FIFA ist nach wie vor ein gemeinnütziger Verein im Sinne von Artikel 60 des Schweizer Zivilgesetzbuches. Der Weltfußball-Verband hat seinen Sitz im mehr als 200 Millionen teuren "Versailles des Sports" an bester Lage in Zürich und genießt weitgehend Steuerfreiheit.

Hin und wieder wird zwar einer der FIFA-Granden gestürzt und von Honigtöpfen vertrieben wie unlängst unser Sepp Blatter. Aber am System ändert sich nichts.

Sepp Blatter wird vom britischen Komiker Lee Nelson mit Dollar Banknoten beworfen FOOTBALL :  FIFA PK nach der Sitzung des Exekutiv Komitees  - Zurich - 20/07/2015 ElyxandroCegarrax PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

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Sepp Blatter wurde als FIFA-Präsident gestürzt. Doch das Geschäft läuft weiter. Bild: imago sportfotodienst

Ohne Boshaftigkeit dürfen wir sagen, dass Sepp Blatters Nachfolger Gianni Infantino so ziemlich im gleichen Stil fuhrwerkt wie sein Vorgänger. Deutschlands Fußballkaiser Franz Beckenbauer wird zwar entehrt, aber er zieht sich unbehelligt ins Exil zurück wie einst Wilhelm, Deutschlands letzter echter Kaiser.

Wer meint, die FIFA an den Standards zu messen, die im Land gelten, in dem sie ihren Sitz hat, vergisst leicht, dass die FIFA ein Gebilde aus 211 Nationen ist. Nur in wenigen dieser 211 Mitgliederländer gelten die geschäftlichen Sitten und Bräuche aus Westeuropa.

Die "Fußball-Mafia" hat eigentlich nur einen unangenehmen Gegner. Nein, nicht die Medien. Sondern die US-Justiz. Die hat, weil der Fußball in den USA keine wichtige Rolle spielt, keine Beisshemmungen. In der Regel geht es um Steuerdelikte und Korruption und einige hohe "FIFA-Tiere" sind in Bedrängnis geraten. Aber das System haben auch die Amerikaner nicht verändern können.

Bild

Der FIFA-Hauptsitz in Zürich. bild: imago sportfoto

Inzwischen sind wir so weit, dass eine Fußball-WM im Winter in der arabischen Wüste von Katar gespielt wird. In einer absoluten Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion und der Scharia als Grundlage der Rechtsprechung. Diese wahrscheinlich bizarrste Verrücktheit der Sport-Weltgeschichte regt längst niemanden mehr auf.

Warum ist das so? Warum können Enthüllungen, die jede Firma, jeden Konzern, jede politische Partei, jede Regierung und jeden anderen Sport in den Grundfesten erschüttern und erneuern würden, dem Fußball so wenig anhaben?

Weil Fußball längst ein Geschäft geworden ist, das von keiner Regierung und keiner Gerichtsbarkeit kontrolliert und reguliert werden kann und von keinen Landesgrenzen beeinträchtigt wird.

Kein anderes globales Geschäft, nicht einmal Hollywood, bietet diesen Mix aus Glamour und Geld, diese schrankenlosen Möglichkeiten, Milliardenbeträge rund um den Globus zu verschieben, und diese Bühne, um berühmt zu werden.

Ein "schönes" Beispiel für die Strahl- und "Reinigungskraft" des Fußballs mag Uli Hoeneß sein. Nach einer Verurteilung wegen Steuerdelikten muss der Präsident des FC Bayern im März 2014 alle Ämter niederlegen. Im November 2016 ist er wieder zum Vorsitzenden gewählt worden.

RUMMENIGGE Karl Heinz und HOENESS Uli Team FC Bayern Muenchen vor dem Spiel DFL Bundesliga Saison 2018-2019 Spiel FC Bayern Muenchen - SC Freiburg am 03. November 2018 in Muenchen DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO *** RUMMENIGGE Karl Heinz and HOENESS Uli Team FC Bayern Muenchen before the match DFL Bundesliga Saison 2018 2019 Match FC Bayern Muenchen SC Freiburg on 03 November 2018 in Munich DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxLUXxONLY

Die Bayern-Chefetage: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Bild: imago sportfotodienst

Dieses grandiose Comeback wäre in der Politik ausgeschlossen. Karl-Theodor von Guttenberg, auch ein Bayer, musste seine hoffnungsvolle Politkarriere, die er womöglich mit dem Amt eines Kanzlers hätte krönen können, vorzeitig beenden. Bloß weil er bei der Doktorarbeit ein bisschen abgeschrieben hatte.

"Football Leaks" bringt die öffentliche Empörungsmaschine zum Laufen, liefert Medien reichlich Stoff und Aufmerksamkeitsquoten. Aber zugleich entlarvt "Football Leaks" eine beunruhigende Ohnmacht der Medien.

Kein Zyniker und Kulturpessimist, der da denkt, dass "Football Leaks" den Fußball eigentlich noch interessanter, faszinierender, fesselnder, kurzweiliger, aufregender, packender, reizvoller, spannender, grandioser, einzigartiger, sensationeller, staunenswerter und dramatischer macht.

Ein leicht paranoider Verschwörungstheoretiker könnte gar zum Schluss kommen, "Football Leaks" sei ein teuflisch genialer Einfall der FIFA-PR-Spezialisten.

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