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Warum es besser wäre, wenn jeder Club nur noch drei Transfers tätigen dürfte

Man darf ja mal laut denken. Als ich mich heute Morgen durch die vielen Transfergerüchte scrolle, kommt mir eine Idee. Sie würde den Fußball revolutionieren und viele Fans glücklich machen.

Ralf Meile / watson.ch

Die Transferzeit ist für viele Fans ein Highlight. Man darf spekulieren, wer zu seinem Lieblingsclub kommt. Davon träumen, wie sehr die Neuverpflichtung X einschlägt. Hoffen, dass das Supertalent Y auch eine Liga höher alle Gegner schwindlig dribbelt. Und daran glauben, dass die Karriere von Routinier Z nach vier schwierigen Saisons genau jetzt nach dem Transfer noch einmal Schwung aufnimmt.

Aber in der Transferzeit erkennen wir auch, was uns am Fußball heute alles stört. Dass die Großen immer größer werden etwa, oder dass die Fußballwelt immer rastloser wird. Dass kleinere Ligen den Anschluss verlieren oder Retortenclubs dank viel Sponsorengeld rasch an die Spitze vorstoßen, während Traditionsclubs versauern.

Der Geistesblitz

Und hier kommt meine Idee, die viele Probleme lösen und den Fußball wieder ausgeglichener machen könnte:

Jeder Club darf pro Saison höchstens drei neue Spieler engagieren.

Egal, ob die Spieler gekauft oder ausgeliehen werden, ob man bezahlen musste oder ob sie ablösefrei kommen. Drei Neue, fertig. Die Zahl der Abgänge wird nicht beschränkt. Verliert ein Club auf einen Schlag viele Spieler, muss er die Lücken mit Nachwuchsspielern füllen.

Die Gründe dafür

1. Es gibt mehr Kontinuität

Der Fußball heute ist flüchtig. Ein Spieler bleibt im Durchschnitt bloß 2,2 Jahre bei einem Club, bevor er zum nächsten wechselt. Jahr für Jahr wird beinahe die Hälfte des Kaders ausgetauscht.

Wenn jeder Club nur noch drei neue Spieler holen darf, wird diese Entwicklung gebremst. Kontinuität ist angesagt und Clubs, die gut arbeiten, werden dafür belohnt. Es lässt sich nicht mehr alles mit dem Scheckbuch regeln.

2. Es gibt eine größere Identifikation

Je kürzer ein Spieler bei einem Club bleibt, umso weniger identifiziert sich der Fan mit ihm. Und umgekehrt ist es genauso: Spieler küssen heute dieses Wappen und morgen jenes. Im Grunde ist es ihnen egal, wo sie spielen, Hauptsache, der Lohn wird überwiesen.

Wenn jeder Club nur noch drei neue Spieler holen darf, wird diese Entwicklung gebremst. Fußballer bleiben länger bei einem Klub, identifizieren sich eher mit der Stadt und der Region. Und die Fans wissen beim Gang ins Stadion, wen sie dort sehen: jene Spieler, die "schon immer" da waren und kein beliebig austauschbares Team.

3. Stärkung der kleinen Ligen

Kaum kann ein Spieler drei Mal jonglieren, träumt er von Real Madrid. Das darf er auch ruhig, aber wenn ausländische Clubs ihre Kader immer weiter aufblähen, trocknen die kleinen Ligen aus. Und der Klassenunterschied wird noch größer.

Wenn jeder Klub nur noch drei neue Spieler holen darf, wird diese Entwicklung gebremst. GroßClubs müssen sich gut überlegen, welches Trio sie holen. Sie können nicht mehr "auf Vorrat" einkaufen und jene Spieler, die nicht liefern, einfach wieder verleihen. Klubs in kleinen Ligen können ihre Spieler dadurch länger halten und wenn nicht jeder, der drei Mal jonglieren kann, sofort ins Ausland wechselt, hebt es auch das Niveau der Liga an.

Crystal Palace Michy Batshuayi during the Premier League match between Crystal Palace and Bournemouth at Selhurst Park, London, England on 12 May 2019. PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright: xAndrewxAleksiejczukx PMI-2823-0014

Michy Batshuayi gehört Chelsea. Aber er war schon an Dortmund, Valencia und Crystal Palace ausgeliehen. Bild: andrew Aleksiejczuk/imago

4. Chance für den Nachwuchs

Längst unterhält fast jeder Club eine eigene Akademie. Doch die großen Vereine bilden zumeist für die Konkurrenz aus: Der Sprung vom Nachwuchs in die Startelf ist einfach zu groß. Und bei kleineren Klubs wird dem Eigengewächs ein zweitklassiger Ausländer vor die Nase gesetzt, während der Junior in eine tiefere Liga ausgeliehen wird, um Spielpraxis zu sammeln.

Dortmund, Germany 13.04.2019, 1. Bundesliga, 29. Spieltag, BV Borussia Dortmund - 1. FSV Mainz 05, Tor zum 2:0, Torschuetze Jadon Sancho (BVB) jubelt ( DeFodi053 *** Dortmund Germany 13 04 2019 1 Bundesliga 29 Spieltag BV Borussia Dortmund 1 FSV Mainz 05 Tor zum 2 0 Torschuetze Jadon Sancho BVB cheers DeFodi053

Jadon Sancho sah bei ManCity keine Chance, also ging er nach Dortmund. Dort startete er voll durch und heute werden sie sich in Manchester darüber ärgern, ihr Talent verloren zu haben. Bild: Max Maiwald/de fodi/imago

Wenn jeder Club nur noch drei neue Spieler holen darf, wird diese Entwicklung gebremst. Die Klubs sind darauf angewiesen, mehr Nachwuchsspieler zu integrieren, um im Falle von Verletzungen einen breiteren Kader zu haben. Der Einbau von Talenten aus der eigenen Jugend fördert zudem die Identifikation vom Fan mit dem Team.

5. Retortenteams wachsen langsamer

Was wäre Paris Saint-Germain ohne die Blankoschecks seiner arabischen Besitzer? Gäbe es Red Bull RasenBallsport Leipzig in seiner heutigen Form überhaupt? In den vergangenen Jahren sind einige Teams schier aus dem Nichts an die Spitze vorgestoßen, weil ihre Investoren tief in die Taschen griffen. Zum Ärger vieler Anhänger, für die Retortenteams das Letzte sind.

Wenn jeder Club nur noch drei neue Spieler holen darf, wird diese Entwicklung gebremst. Natürlich kann PSG immer noch wie bei Neymar den teuersten Transfer der Geschichte tätigen, aber die Pariser können dann nur noch zwei weitere Spieler holen. Auch sie sind gezwungen, eigene Talente auszubilden und zu fördern. Und einem Konstrukt wie der Red-Bull-Fußballfirma wird ein Riegel geschoben.

Was würde die neue Regelung bewirken?

Zwei Beispiele:

Real Madrid hat für die kommende Saison bereits fünf Spieler engagiert: Eden Hazard, Luka Jovic, Eder Militao, Ferland Mendy und Rodrygo. Die "Königlichen" müssten sich mit neuer Regelung für ein Trio entscheiden. Und wie stünde es um die Chance für einen Club wie Eintracht Frankfurt, Stürmer Jovic zu halten und ein großes Team aufzubauen, das um den Titel mitspielen kann?

Soccer Football - Real Madrid Unveil Luka Jovic - Santiago Bernabeu, Madrid, Spain - June 12, 2019   Real Madrid new signing Luka Jovic during a press conference   REUTERS/Susana Vera

Bild: SUSANA VERA/reuters

Bayern München muss die Abgänge der Altstars Arjen Robben (35), Franck Ribéry (36) und Rafinha (33) kompensieren. Auch Verteidiger Mats Hummels und Offensivkraft James Rodriguez verließen den deutschen Rekordmeister im Sommer. Die Bayern könnten nur drei von ihnen mit Einkäufen ersetzen – die Chance für Spieler aus dem eigenen Nachwuchs?

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