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5th January 2020 Anfield, Liverpool, Merseyside, England English FA Cup Football, Liverpool versus Everton a view of the Anfield stadium during the first half - Strictly Editorial Use Only. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12201329 DavidxBlunsden

Pokaldämmerung: Im Anfield-Stadion traf der FC Liverpool im FA Cup auf den FC Everton (1:0, 5. Januar). bild: imago images/Action Plus/david blunsden

FA Cup in Gefahr – warum der älteste Klub-Wettbewerb langsam vor die Hunde geht

Philipp Reich / watson.ch

Der FA Cup ist der älteste Klub-Wettbewerb im Fußball. In der Saison 1871/72 erstmals ausgetragen, genoss er in England lange einen hohen Stellenwert, doch dieser beginnt im von A bis Z durchkommerzialisierten Fußball immer mehr zu bröckeln.

Füllten die Pokal-Ansetzungen früher die altehrwürdigen Stadien, bleiben die Arenen mittlerweile immer häufiger halbleer. Zur Partie zwischen den beiden ehemaligen Premier-League-Klubs Birmingham City und Blackburn Rovers kamen gerade mal 7330 Zuschauer. So wenige wie seit über 30 Jahren nicht mehr zu einem Pokal-Heimspiel der "Blues" – und das obwohl die Eintrittspreise mit zwölf Pfund durchaus bescheiden waren.

So wie Birmingham City ging es am ersten Januar-Wochenende, an dem traditionell die dritte Hauptrunde des FA Cups ausgetragen wird, zahlreichen weiteren Klubs. Zu Fulham gegen Aston Villa verirrten sich 12.980 Zuschauer ins Craven Cottage und bei Crystal Palace gegen Derby County war der sonst fast immer ausverkaufte Selhurst Park mit 15.507 Zuschauern auch nur etwas mehr als halbvoll.

4th January 2020 St Andrews, Birmingham, Midlands, England English FA Cup Football, Birmingham City versus Blackburn Rovers Derrick Williams of Blackburn Rovers takes a shot at goal - Strictly Editorial Use Only. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12200355 StevexFeeney

Trotz bestem Fußball-Wetter wollten nur wenige das Pokalspiel zwischen Birmingham und Blackburn sehen. bild: imago images/Action Plus/steve feeney

Die Gründe für das schwindende Interesse sind vielfältig, die Probleme teilweise aber auch hausgemacht.

Zu viel Konkurrenz

Die englische Premier League ist die einzige der fünf europäischen Top-Ligen, die keine Winterpause kennt. Zwischen den traditionellen "Boxing Day" (26. Dezember) und den Neujahrstag werden gar drei volle Spieltage gepfercht. Nie sind die TV-Einschaltquoten so hoch wie über die Festtage. Kein Wunder, fehlt dann am ersten Januar-Wochenende die Begeisterung für den FA Cup.

Doch auch in der restlichen Saison ist die Konkurrenz riesig. Premier League und Champions League sind die großen Publikumsmagnete, dann sind da aber auch noch die Europa League und der Carabao Cup. Vor allem der stets belächelte englische Liga-Cup tritt in direkte Konkurrenz zum FA Cup. Besonders zu Jahresbeginn, wenn in den Halbfinals meist zwei Großklubs in Hin- und Rückspielen gegeneinander antreten.

 Willian of Chelsea and Phil Foden of Manchester City during the Premier League match at the Etihad Stadium, Manchester. Picture date: 23rd November 2019. Picture credit should read: Darren Staples/Sportimage PUBLICATIONxNOTxINxUK SPI-0317-0030

Schweben in anderen Sphären: Chelseas Willian (l.) und Phil Foden von Manchester City. Bild: imago images/Sportimage/darren staples

Kaum Überraschungen

Seit der Einführung der Premier League 1992 gab es im FA Cup nur drei Sieger, die nicht Manchester United, Manchester City, Liverpool, Arsenal oder Chelsea hießen: Everton holte den Pokal 1995, Portsmouth 2008 und Wigan 2013. Ansonsten machten die Großklubs den Sieger stets unter sich aus. Im vergangenen Jahr gewann Manchester City das Finale gegen Watford mit 6:0. Immer mal wieder sorgt ein Klub aus der Championship für Furore, zuletzt triumphierte mit West Ham United aber vor 40 Jahren ein Zweitligist.

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Wigan gewann 2013 als letzter Klub außerhalb der "Big Six" den FA Cup: Emmerson Boyce hält die Trophäe in die Höhe. bild: imago images/paul marriott

Ganz dicke Überraschungen von noch tieferklassigen Klubs gibt es aber nur noch selten: 2017 sorgte Lincoln City für eine willkommene Abwechslung, als der Fünftligist dank Siegen über die Zweitligisten Ipswich und Brighton sowie Premier-Ligist Burnley sensationell ins Viertelfinale vorstieß. Solche Märchen werden aber immer mehr zur Ausnahme als zur Regel.

Modus bevorteilt die Großen

Anders als im DFB-Pokal, wo Bayern München und Borussia Dortmund bereits im August in der 1. Runde ranmüssen, werden die Großklubs im FA Cup gegenüber den Unterklassigen mit Freilosen bevorzugt. So steigen beispielsweise die 20 Premier-League-Klubs zusammen mit den 20 Championship-Vereinen erst in der dritten Hauptrunde Anfang Januar ins Geschehen ein.

5th January 2020 Anfield, Liverpool, Merseyside, England English FA Cup Football, Liverpool versus Everton Seamus Coleman of Everton takes on Adam Lallana of Liverpool and Neco Williams of Liverpool - Strictly Editorial Use Only. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12201283 DavidxBlunsden

Liverpool gegen Everton. Bild: imago images/Action Plus/david blunsden

Bis dahin sind von den 84 Klubs, die es in die erste Hauptrunde geschafft haben, schon 60 bereits wieder ausgeschieden. Die Chance für einen dritt-, viert- oder fünftklassigen Verein, auf das große Liverpool oder Manchester United zu treffen, schrumpft so zusätzlich auf ein Minimum.

Kein sportlicher Anreiz für die Kleinen

Die ausbleibenden Überraschungen sorgen dafür, dass der FA Cup auf allen Ebenen an Bedeutung verliert. Die Kellerkinder und Aufstiegsaspiranten der Championship, League One und League Two konzentrieren sich lieber auf Ligabetrieb statt auf den Cup-Wettbewerb, da es hier um Existenzielles geht und nicht nur um einen kurzen Moment im Scheinwerferlicht.

 Arsenal s Sokratis tussles with Leeds Kalvin Phillips during the FA Cup match at the Emirates Stadium, London. Picture date: 6th January 2020. Picture credit should read: David Klein/Sportimage PUBLICATIONxNOTxINxUK SPI-0418-0010

Championship-Leader Leeds United kann das FA-Cup-Aus gegen Arsenal verkraften, viel wichtiger wäre 16 Jahre nach dem Abstieg der Wiederaufstieg in die Premier League. Bild: imago images/sportimage/David Klein

Der Glaube an den ganz großen Coup – den Titelgewinn – ist verloren gegangen. Und selbst die Finalteilnahme wird für die Unterklassigen nicht richtig belohnt. Der Sieger des Wettbewerbs ist automatisch für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Ist der FA-Cup-Sieger aber bereits über die Premier League für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert, so rückt nicht der Finalverlierer nach, sondern der Premier-League-Sechste.

Schamlose Rotation der Topklubs

Wegen des übervollen Spielplans sind die ersten Spiele im FA Cup für die englischen Topklubs längst zur lästigen Pflicht verkommen. Oft treten sie mit B- oder gar C-Teams an – nicht nur gegen Unterklassige, sondern auch gegen die Konkurrenz aus der Premier League. Liverpool setzte sich am Sonntag beispielsweise gegen den Stadtrivalen Everton mit 1:0 durch, obwohl mit Adam Lallana und James Milner nur zwei Akteure über 24 Jahren auf dem Feld standen. Sie agierten als Babysitter für die talentierte Horde junger Wilder, die Klopp zur Entlastung der Stars aufs Feld schickte.

5th January 2020 Anfield, Liverpool, Merseyside, England English FA Cup Football, Liverpool versus Everton Curtis Jones of Liverpool celebrates with his team mates after scoring from the edge of the penalty area to give his side a 1-0 lead after 70 minutes - Strictly Editorial Use Only. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12201233 DavidxBlunsden

Wer mehr als zwei Spieler kennt, hat zu viel Fußballmanager gezockt: Curtis Jones (M.) erzielte für Liverpools B-Elf den Siegtreffer im Pokalderby gegen Everton. bild: imago images/Action Plus/david blunsden

Die schamlose Rotation der Großklubs führt dazu, dass die erhofften David-gegen-Goliath-Partien den Charakter von besseren Freundschaftsspielen erhalten. Statt der großen Superstars sehen die Fans, die für das erhoffte Spiel der Saison viel Geld bezahlt haben, wie talentierte No-Names ihre Lieblinge auseinander nehmen.

Keine Heimspiel-Garantie für Unterklassige

Auch finanziell ist der FA Cup für die Kleinen oft eine Null-Rechnung. Unterklassige genießen kein automatisches Heimrecht, was am vergangenen Wochenende beispielsweise dazu führte, dass das viertklassige Port Vale statt im heimischen, 22.000 Zuschauer fassenden Vale Park im Etihad Stadium gegen den englischen Meister Manchester City antreten musste.

Kein Einzelfall: Auch der Fünftligist AFC Fylde musste gegen den Premier-League-Aufsteiger Sheffield United auswärts ran und verlor vor halbleeren Rängen 1:2. Was wohl zuhause auf der kleinen, aber schmucken Mill Farm möglich gewesen wäre?

Sheffield United v AFC Fylde - FA Cup - Third Round - Bramall Lane Sheffield United s Leon Clarke left and AFC Fylde s Kyle Jameson battle for the ball EDITORIAL USE ONLY No use with unauthorised audio, video, data, fixture lists, club/league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xMikexEgertonx 49368404

Fünftligist AFC Fylde musste auswärts gegen Erstligist Sheffield ran, verlor vor trauriger Kulisse mit 1:2. bild: imago images/PA Images/mike eagerton

Auch Chelsea und Arsenal kamen gegen Unterklassige zu Heimspielen und setzten sich letztlich durch. Auswärts mussten dagegen Manchester United und Tottenham Hotspur ran, die prompt nur Unentschieden spielten und deshalb nachsitzen müssen. Ein generelles Heimrecht für die Unterklassigen würde die Möglichkeit von Überraschungen wohl weiter erhöhen.

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