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9th May 2019, Stamford Bridge, London, England; Europa League football, semi final, 2nd leg, Chelsea versus Eintracht Frankfurt; Kepa Arrizabalaga celebrates with Cesar Azpilicueta of Chelsea as they win the penalty shoot out PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12132866 ShaunxBrooks

Die Erfolgsgeschichte des englischen Vereinsfußballs ist nicht so kompliziert wie ihre Namen: Kepa Arrizabalaga und Cesar Azpilicueta feiern den Chelsea-Sieg. Bild: www.imago-images.de

England dominiert den Vereinsfußball – 5 Gründe, warum das nicht nur am Geld liegt

Nach Liverpool und Tottenham in der Champions League ziehen mit Chelsea und Arsenal auch zwei englische Teams ins Finale der Europa League ein. Fünf Gründe, weshalb die Clubs aus der Premier League Europas Fußball dominieren.

Sandro Zappella / watson.ch

Das gab es noch nie! Sowohl das Finale der Champions League als auch das Finale der Europa League besteht aus Vertretern aus dem gleichen Land. Die Engländer dominieren 2018/19 die europäischen Vereinsfußball-Wettbewerbe.

Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass sich drei Clubs aus London und damit aus einer einzigen Stadt für die beiden europäischen Finals qualifiziert haben.

Warum hat der englische Vereinsfußball plötzlich Erfolg? Liegt es nur am Geld? Wir haben uns auf die Suche nach Ursachen gemacht ...

Die Engländer sind die neuen Deutschen (sagt der Schweizer Kollege)

"Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer Deutschland." Das Zitat von England-Legende Gary Lineker nach der Halbfinal-Niederlage gegen Deutschland bei der WM 1990 ging um die Welt. Das Zitat muss nach dieser Woche etwas angepasst werden: "Fußball ist ein Spiel, bei dem 22 Spieler hinter einem Ball herjagen und am Ende gewinnt immer England."

Es ist schon unglaublich, wie viel Moral die englischen Teams gezeigt haben. Liverpool hat ein 0:3 gedreht, Tottenham in der 2. Halbzeit ebenfalls drei Tore aufgeholt und Chelsea hat sich gestern ins Elfmeterschießen gekämpft – und davor in der Verlängerung zweimal den Ball knapp vor der Linie geklärt.

9th May 2019, Stamford Bridge, London, England; Europa League football, semi final, 2nd leg, Chelsea versus Eintracht Frankfurt; David Luiz of Chelsea clears the ball off the goal line to keep the tie alive PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12132854 ShaunxBrooks

Was für eine Glanztat vom Verteidiger: David Luiz kratzt den Ball von der Linie. Bild: www.imago-images.de

Die bekannten deutschen Tugenden wie Kampfgeist, Laufbereitschaft und der unbändige Siegeswille waren plötzlich bei sämtlichen englischen Teams zu sehen. Ja, die Teams der Premier League haben nicht primär gewonnen, weil sie besser waren, sondern weil sie auch bis zuletzt an den Erfolg geglaubt haben.

Kontinuität und gezielte Transfers

Jahrelang wurde bei den PL-Clubs ziemlich planlos eingekauft. Das Geld war im Überschuss da und erwies sich als Fluch statt Segen. Mittlerweile haben die Engländer realisiert, dass sie sich zwar punktuell verstärken können, die Mannschaft aber nicht jedes Jahr auf den Kopf gestellt werden sollte.

Als Paradebeispiel geht hier Tottenham voran, das die Mannschaft seit Jahren kaum verändert hat und die Leistungsträger halten konnte. In dieser Saison hin hat Tottenham keinen einzigen Cent für neue Spieler ausgegeben.

POCHETTINO Mauricio Trainer Team Tottenham jubelt nach dem Sieg mit seiner Mannschaft UEFA Champions League Saison 2019 Semifinale Spiel Ajax Amsterdam - Tottenham 2 : 3 am 08. Mai 2019 in der Johan Cruyff Arena *** POCHETTINO Mauricio coach team Tottenham cheers after the victory with his team UEFA Champions League season 2019 semifinal match Ajax Amsterdam Tottenham 2 3 on 08 May 2019 at the Johan Cruyff Arena Tottenham rejoices with his team PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxLUXxONLY

Tottenham jubelt – die Londoner haben ohne Neuzugang den Einzug ins Champions-League-Finale geschafft. Bild: www.imago-images.de

Alle vier Clubs haben ihren Stamm gehalten und nur vereinzelte Positionen verstärkt oder ausgetauscht. Die Mannschaften sind deshalb gut eingespielt – und funktionieren.

Die Intensität der Premier League zahlt sich aus

Weil in der Premier League mittlerweile auch die kleineren Clubs genügend Budget haben, um sich starke Teams zusammenzustellen, ist die Liga auf ein konstantes, gutes Niveau gekommen. Einfache Spiele gibt es selbst für die Topvereine kaum. Lange haben die Engländer diese Tatsache als Ausrede für ihre internationale Erfolgslosigkeit missbraucht – die Liga sei einfach zu stark, um auch im Europacup noch mithalten zu können.

Mittlerweile scheinen sich die Vereine aber daran gewöhnt zu haben und profitieren davon, dass sie Wochenende für Wochenende mit höchster Intensität spielen. Während Barcelona, Bayern, Juventus oder PSG in der Liga auch mal mit angezogener Handbremse spielen und gewinnen, ist das in England kaum möglich.

Da erstaunt es nicht, dass Tottenham und Liverpool noch die Kraft hatten, in der zweiten Halbzeit je drei Tore nachzulegen.

Vertrauen in ausländische Trainer

Was für eine Ironie, dass ausgerechnet das Mutterland des Fußballs taktisch große Defizite hat – gute Trainer bringt England eigentlich kaum raus, selbst der talentierte Eddie Howe wurde bisher von keinem Topclub verpflichtet.

Seit der Einführung der Premier League 1992 hat kein einziger englischer Trainer die Liga gewonnen – Sir Alex Ferguson ist Schotte. Schon seit längerem setzten die großen Vereine aus England deshalb auf ausländisches Personal an der Seitenlinie.

15th September 2018, Wembley Stadium, London England; EPL Premier League football, Tottenham Hotspur versus Liverpool; Tottenham Hotspur Manager Mauricio Pochettino reacts from the touchline with Liverpool Manager Jurgen Klopp looking on PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12062343 JohnxPatrickxFletcher

Die noch titellosen Mauricio Pochettino und Jürgen Klopp. Bild: imago sportfotodienst

Während bei Tottenham Mauricio Pochettino (Argentinien) bereits seit fünf Jahren im Amt ist, erhält der Deutsche Jürgen Klopp seit 2015 das Vertrauen in Liverpool. Beide haben bisher keinen Titel geholt. Und durften dennoch bleiben, mit ihren Mannschaften arbeiten und stehen jetzt im Finale der Königsklasse. Gerade in der Premier League ist dieses Vertrauen trotz Erfolglosigkeit bei vielen Clubs ungewöhnlich – umso schöner, zahlt es sich jetzt aus.

Ob Maurizio Sarri (Italien) bei Chelsea und Unai Emery (Spanien) bei Arsenal ebenfalls bleiben dürfen? Beide hatten eine durchwachsene Saison, die eigentlich nur mit dem Titel in der Europa League gerettet werden kann. Beide haben ihre ganz eigenen Spielideen und brauchen überdurchschnittlich viel Zeit, um die Mannschaft darauf einzustellen. Mit Liverpool und Tottenham haben aber zwei Clubs gezeigt, dass es der richtige Weg ist, nicht nur auf kurzfristige Erfolge zu achten, sondern die Weiterentwicklung der Mannschaft zu priorisieren.

Football - 2018 / 2019 Premier League - Arsenal vs Crystal Palace A dejected Arsenal Manager, Unai Emery at the Emirates Colorsport / Andrew Cowie PUBLICATIONxNOTxINxUK

Unai Emery leitet den FC Arsenal. Bild: www.imago-images.de

Eine gut gefüllte Portokasse schadet nie

Natürlich kommt man nicht drum rum, auch das Geld für die Erfolge verantwortlich zu machen. Spitzenspieler ziehen nach England, wo die generelle Attraktivität der Liga noch durch Spitzenlöhne ergänzt wird. Die immens hohen Erträge durch TV-Einnahmen machen es möglich – dazu steht hinter den meisten Topclubs ein schwerreicher Investor.

Spanien dominierte – folgt jetzt die Ablösung durch England?

Mit Geld kann man sich zwar keinen Erfolg kaufen (PSG lässt grüßen), doch es hilft halt doch enorm, beim Aufbau der Mannschaft und vor allem auch als Argument für Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern.

Auch wenn Spanien die letzten fünf Jahre in den europäischen Wettbewerben dominiert hat, hat sich das Fußball-Epizentrum in dieser Saison nach England verlagert.

Und dies, obwohl die beiden Teams aus Manchester, beide mit den höchsten Ambitionen, europäisch gescheitert sind. England hat 6 Mannschaften, die international um Titel spielen können. Dieses Jahr streiten 4 davon um die zwei Titel.

Das sind die 6 statistischen Angstgegner der Nationalelf

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