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Zu politisch – viele Amerikaner vernichten gerade ihre Nike-Produkte

Corsin Manser / watson.ch

Was ist denn da los?

Wer sich auf Social Media unter dem Hashtag #nikeboycott umsieht, der findet seit gestern diverse Videos, in denen die Produkte des Modegiganten verrissen, verbrannt oder in den Müll geworfen werden. 

Mit dem Boykott wird nicht auf die prekären Produktionsbedingungen hingewiesen, denen viele Textilarbeiter ausgesetzt sind. Auch hat dieser nicht mit den kürzlich publik gewordenen Fällen von Sexismus innerhalb der Firma zu tun. 

Grund für den Social-Media-Aufstand ist ein anderer: 

Am Montagabend setzte Colin Kaepernick einen Tweet ab. Zu sehen ist ein Porträtfoto des ehemaligen Football-Spielers, darüber der Spruch: "Glaube an etwas. Selbst wenn es bedeutet, alles dafür zu opfern." Versehen mit dem Hashtag: #JustDoIt – dem Slogan von Nike.

Es dauerte nicht lange, bis der Tweet vom offiziellen Account des Modeunternehmens retweetet wurde.

Kaepernick unter Vertrag bei Nike

Das Gerücht wurde schnell bestätigt: Colin Kaepernick ist Gesicht der neuen Nike-Kampagne zum 30-jährigen Bestehen des Unternehmens.

Man habe für die neue Kampagne einige der inspirierendsten Persönlichkeiten der Welt unter Vertrag genommen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. "Athleten, die verrückte Träume verfolgt haben, unabhängig von Hindernis und Ausgang."

So gesehen ist Colin Kaepernick ein mehr als nur passendes Aushängeschild für die Werbeoffensive. Kaum ein anderer Sportler hat sich in den vergangenen Jahren so ins Zeug für eine politische Sache gelegt wie der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers.

Kaepernick avancierte zu so etwas wie zum Staatsfeind Nummer 1 für viele Rechtskonservative. Und die zeigen sich nun auch überhaupt nicht erfreut über den Schritt von Nike. 

Kaepernicks Kniefall

Doch wie ist das passiert? Im September 2016 verzichtete Kaepernick vor einem Spiel auf das Strammstehen bei der nationalen Hymne. Er setzte sich während der Musik hin und protestierte somit gegen Polizeigewalt an Schwarzen und soziale Ungerechtigkeit. Schnell schlossen sich weitere Spieler dem Protest an.

Nach einem Gespräch mit einem Kriegsveteranen änderte der Quarterback seine Pose. Er blieb fortan nicht mehr auf der Spielerbank sitzen, sondern legte ein Knie auf den Boden. Die "Take-a-Knee"-Bewegung war geboren. 

FILE - In this Oct. 2, 2016 file photo, from left, San Francisco 49ers outside linebacker Eli Harold, quarterback Colin Kaepernick and safety Eric Reid kneel during the national anthem before an NFL football game against the Dallas Cowboys in Santa Clara, Calif. An arbitrator is sending Kaepernick's grievance with the NFL to trial, denying the league's request to throw out the quarterback's claims that owners conspired to keep him out of the league because of his protests of social injustice.  (AP Photo/Marcio Jose Sanchez, File)

Colin Kaepernick (Mitte) kniet mit seinen Teamkollegen Edi Harold (l.) und Eric Reid (r.), als die Hymne abgespielt. Bild: AP

Erhielten die Footballer zu Beginn noch breite Unterstützung für ihr Anliegen, so wehte ihnen spätestens seit Donald Trumps Amtsübernahme ein immer rauerer Wind entgegen. Der US Präsident beschimpfte die Sportler indirekt als "Hurensöhne", welche die Flagge und die USA nicht respektieren würden. 

Plötzlich war man für oder gegen die Bewegung. Die "Take-a-Knee"-Bewegung spaltete die USA.

Für Colin Kaepernick hatte das Engagement sportlich gesehen vermutlich schwerwiegende Konsequenzen. Nachdem er seinen Vertrag bei San Francisco im März 2017 auflöste, wollte ihn kein anderer Verein mehr aufnehmen. 

Ob es an den spielerischen Qualitäten lag, dass der Quarterback keinen Job mehr fand, ist umstritten. Zwar war Kaepernick nie der bester Werfer, dafür war er einer der mobilsten und schnellsten Spielmacher der Liga. NFL-Spieler attestierten unisono, dass Kaepernick noch spielen könnte.

So viel sei angemerkt: Die Personalie Kaepernick war schon längst zum Politikum geworden – und viele Sportchefs der NFL-Franchisen stehen dem republikanischen Lager nahe. Kaepernick auf die Lohnliste zu nehmen, wäre etwa gleichbedeutend gewesen, wie Donald Trump einen Football aus fünf Metern ins Gesicht zu werfen.

Kaepernick seinerseits hat im November 2017 eine Beschwerde gegen die NFL und Club-Besitzer eingereicht. 

Der Nike-Deal erreicht die nationale Politik

In den letzten Monaten ist es ruhiger geworden um den 30-Jährigen. Gestern nun hat er sich mit einem Paukenschlag zurückgemeldet. Der Nike-Deal bewegt nicht nur den Ex-Marine aus Nashville, der seine Schuhe in Flammen aufgehen lässt. Es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis das Thema das Weiße Haus erreicht.

Bereits dazu geäußert hat sich Senator Ted Cruz aus Texas. Nike sei auf der falschen Seite der Geschichte, wetterte der ehemalige Präsidentschaftskandidat auf Twitter. Der Republikaner reagierte damit auf einen Tweet von keinem geringeren als Mahmud Ahmadinedschad, dem Ex-Präsidenten des Irans. Dieser zeigte sich enttäuscht darüber, dass die neue NFL-Saison wieder ohne Kaepernick starten wird.

Die Angelegenheit hat das Potenzial die US-Schlagzeilen der nächsten Wochen zu dominieren. Die Aufmerksamkeit hat Nike mit dem Kaepernick-Move aber sicher. Die verbrannten Schuhe wird man wohl verkraften können – davon sind auch die Analysten von Bloomberg überzeugt. Zumal diese ja sowieso schon verkauft wurden. 

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