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Quique Setién ist der neue Trainer des FC Barcelona. Bild: picture alliance / NurPhoto/maria jose segovia

Quique Setién neuer Trainer beim FC Barcelona – das ist seine Spielphilosophie

Ralf Meile / watson.ch

Der FC Barcelona hat einen neuen Trainer. Quique Setién folgt auf Ernesto Valverde, der wohl nicht in erster Linie aus sportlichen Gründen gehen musste. Wie es heisst, war Valverdes Verhältnis zu Präsident Josep Maria Bartomeu nicht mehr das beste. Wer ist der Neue?

Mit dem Namen Quique Setién können außerhalb Spaniens wohl nur wenige Fußballkenner etwas anfangen. Der 61-Jährige hat eine Vergangenheit als torgefährlicher Mittelfeldspieler, der mehr als 500 Profispiele bestritt und seine größten Erfolge in den 80er Jahren mit Atlético Madrid feierte. Zu jener Zeit lief er drei Mal für die spanische Nationalmannschaft auf.

Als Trainer schuf er sich in Spanien einen guten Ruf. Mit Racing Santander und Lugo stieg er auf, Las Palmas übernahm er auf einem Abstiegsplatz und führte er ins sichere Mittelfeld. Im Sommer 2017 wurde Setién Trainer von Betis Sevilla, mit dem Klub qualifizierte er sich gleich in der ersten Saison für die Europa League. Trotz weiterlaufendem Vertrag kündigte er jedoch im Mai 2019 von sich aus, seither war er ohne Job und eigentlich im Ruhestand.

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Zuletzt trainierte Setién Real Betis Sevilla. Bild: imago images/marca/Marti Artalejo

Aber wenn Barça ruft, gibt man wohl gerne ein Comeback. Nun also übernimmt Quique Setién den großen FC Barcelona, den Titelverteidiger und Tabellenführer. In der "Marca" erläuterte er, als er noch Real Betis trainierte, seine Spielphilosophie – und die scheint sehr gut zu den Katalanen zu passen.

Ballbesitz an erster Stelle

"Fußball war und ist mein Leben lang mein Ein und Alles. Der Ball stand und steht immer im Mittelpunkt", schrieb Setién. Inspirieren ließ er sich von der prägenden Barcelona-Ikone Johan Cruyff. "Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Erst als ich seinen FC Barcelona spielen sah, verstand ich, wie es wirklich läuft."

"Meine Spielphilosophie beruht in erster Linie auf Ballbesitz. Wenn du den Ball hast, kann der Gegner kein Tor schießen. Die Spieler spielen auch lieber Fußball mit dem Ball am Fuß, anstatt ihm immer hinterher zu rennen. Das versuche ich meinen Spielern immer zu vermitteln. Sie sollen den Ball lange halten und versuchen, mit ihm bis in den gegnerischen Strafraum zu gelangen. Wenn du selber den Ball hast, wird alles viel einfacher." Beim FC Barcelona um Lionel Messi findet er wohl ideale Bedingungen vor, um "seinen" Fußball spielen zu lassen.

SPAIN - January, 14th: Quique Setien during the match between FC Barcelona vs Las Palmas, for the matchday 18 of the Liga Santander, played at Camp Nou Stadium on 14th  January 2017 in Barcelona, Spain. (Credit: Mikel Trigueros / Urbanandsport / Cordon Press)


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War schon oft im Camp Nou: Quique Setién. Bild: picture alliance / Cordon Press / mikel trigueiros

Ein bevorzugtes System habe er nicht, erklärt Setién. "Wir verändern die Taktik je nachdem, was nötig ist. Gerade in der Halbzeitpause kann man die Formation auch innerhalb eines Spiels ändern. Manchmal starten wir mit fünf Verteidigern, von denen die zwei auf den Außenpositionen sehr offensiv agieren. Ein anderes Mal laufen zwei oder drei zentrale Mittelfeldspieler auf, je nach Situation und Gegner." Mitten in der Partie sei es schwieriger, etwas zu verändern. "Einmal in einem Derby gegen den FC Sevilla schrie ich von der Linie rein, aber niemand hörte mich."

Von Schach, Simeone und smarten Mitmenschen lernen

Setién ist ein passionierter Schachspieler, der schon gegen die Legenden Garri Kasparow und Anatoli Karpow antrat. Schach habe ihn Geduld gelehrt, ihm das Analysieren beigebracht und wie er seine Emotionen unter Kontrolle bringen kann. "Und es geht um die Perspektive. Es geht nicht darum, wo die Figuren jetzt stehen, sondern wie das Brett einige Züge später aussehen wird", erklärte er einst in der Zeitung "El Periódico".

Obwohl er ein Verfechter des "schönen" Fußballs ist, hat Quique Setién auch viel Respekt für Diego Simeones Abräumer bei Atlético Madrid. "Du siehst sie miteinander verteidigen und das ist auch eine Kunst. Ich mag es, wie auch ihre talentiertesten Spieler so engagiert kämpfen, wenn es etwa darum geht, den Ball zurückzuerobern. Antoine Griezmann etwa (nun bei Barcelona sein Spieler, d. Red.) fängt im Mittelfeld enorm viele Bälle ab und ich weiß nicht, wie ein Trainer mich als Spieler dazu hätte motivieren können. So etwas gibt jedem Team einen enormen Schub."

Setién zeigt sich nicht nur in diesem Beispiel offen gegenüber anderen Einflüssen. "Ich versuche, mich mit Menschen abzugeben, die viel smarter sind als ich. Es ist immer gut, wenn neue Elemente hinzukommen. Wir sitzen gemeinsam im Boot und jeder Beitrag eines Mitglieds des Trainerstabs macht uns alle zusammen besser."

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Setién (2.v.r.), hier im Betis-Training am Ball, war selbst Profi: In 518 Spielen schoss der Mittelfeldspieler 95 Tore, die meisten für Racing Santander.

"Ich hatte nie Angst, einen Jungen einzusetzen"

Weiter machte der neue Barcelona-Trainer klar, dass Alter für ihn bloß eine Zahl ist. "Ich hatte nie Angst, einen Jungen einzusetzen, wenn ich im Training sah, dass er dazu bereit ist. Die Jungen bringen viel Energie und Begeisterung mit, was auch diejenigen anstachelt, die schon länger dabei sind und deren Leistungen vielleicht nachgelassen haben."

Eine Ansage an Barcelonas Fußballer macht er dann auch, obwohl er sie noch als Trainer von Betis festhielt. "Ich will keinen Spieler, der einen Zuckerpass schlagen oder ein Tor schießen will, wenn er es zehn Mal versucht hat und dabei neun Mal gescheitert ist. Ich schätze vielmehr jene Spieler, die 90 Minuten lang fokussiert sind und 38 Runden lang konzentriert auftreten und möglichst wenig Fehler machen."

Die erste Partie unter Setién bestreitet der FC Barcelona am Sonntag. Dann kommt der Tabellenzehnte Granada ins Camp Nou. Sein Vorgänger Ernesto Valverde verlor in diesem Stadion von 69 Heimspielen in der Liga, im Cup und in der Champions League nur ein einziges – im November 2018 mit 3:4 gegen Betis Sevilla unter Trainer Quique Setién.

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