Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Luis Figo (r.) bei seiner Rückkehr nach Barcelona im Duell mit Michael Reiziger. bild: imago

Als Luis Figo nach Barcelona zurückkehrt und mit einem Schweinekopf beworfen wird

syl battistuzzi

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück. Diesmal der 23. November 2002: Der portugiesische Mittelfeldspieler Luis Figo mausert sich in seinen sechs Jahren beim FC Barcelona zum Fanliebling und wird sogar Captain des Teams. Doch der überraschende Wechsel zum Erzrivalen Real Madrid lässt die Liebe abrupt beenden.

1995 wechselt Luis Figo von Sporting Lissabon zum FC Barcelona. In der katalanischen Metropole dribbelt sich der 1,80 Meter große Portugiese mit seiner Spielart in die Herzen der Fans. Der Mittelfeldspieler führt die "Blaugrana" als Captain zu je zwei Meistertiteln und Pokalsiegen.

Figo wird danach wie kein anderer Ausländer in Katalonien – der von der Madrider Zentralregierung vernachlässigten Region – verehrt. Er ist sozusagen einer der ihren. Ein Clubfunktionär meint sogar, Figo bedeute Barcelona mehr als das Eigengewächs Pep Guardiola.

Bild

Da war die Barcelona-Welt noch in Ordnung: Luis Figo mit der Kapitänsbinde. Er lief 248-mal für die "Blaugrana" auf.     bild: imago

Wenn aus Liebe Hass wird

Doch nach sechs erfolgreichen Jahren schlägt die große Bewunderung in abgrundtiefen Hass um. Nach der Fußball-EM 2000, wo Figo zum besten Spieler des Turniers gewählt wird, wechselt der Portugiese für die damalige Rekordsumme von 60 Millionen Euro zu Erzrivale Real Madrid.

Der Wechsel falle ihm sogar leicht, verrät Figo in einem Interview: "Bei Barça war ich nicht damit zufrieden, wie man mich wertschätzte. Ich bekam also die Möglichkeit und zögerte keine Minute."

"Ich hatte immer das Gefühl, dass man nicht genug gewürdigt hat, was ich für den Verein getan hatte. Für so einen langen Zeitraum gab ich mein Bestes, aber am Ende wurde mein Wunsch schließlich Realität."

Luis Figo fühlte sich nicht gewürdigt... goal.com

Noch mehr verärgert die Barça-Fans, dass Figo monatelang die Gerüchte um einen eventuellen Wechsel ins Reich der Fabelwesen verweist.

FILE - In this Monday, July 24, 2000 file photo, Portuguese soccer player Luis Figo holds up the Real Madrid shirt he will be wearing next season next to legendary former Real Madrid player Alfredo de Stefano after being presented to the press at the Bernabeu stadium in Madrid, Spain. Neymar has become the most expensive player in soccer history after completing his blockbuster transfer to Paris Saint-Germain from Barcelona on Thursday, Aug. 3, 2017 for 222 million euros ($262 million). Other landmark deals include Figo - Barcelona to Real Madrid in 2000 (then $56 million).  (AP Photo/Paul White, file) |

Luis Figo bei seiner Vorstellung in Madrid neben Vereinslegende Alfredo di Stefano. Bild: picture alliance/AP Photo/paul white

Wie der Spiegel schreibt, beschimpfen die Katalanen ihn fortan als "Judas Figo" und richten sogar die Webseite antifigo.com ein. Sie sollte zu einem Sammelsurium der Beleidigungen gegen den "meistgehassten Spieler Barcelonas" werden. Mittlerweile ist sie aus dem Netz verschwunden.

Für die Rachekampagne organisiert der Verein außerdem den Service, dass jeder Fan, der eines der 25.000 Trikots mit dem Namenszug des Abgewanderten gekauft hat, sich kostenlos den Aufdruck "Luis Figo" und die Sieben vom Dress der Katalanen entfernen lassen kann. "Das ist das Letzte, was ein Fan haben will: ein Trikot von einem Mann, der nicht mehr für uns spielt", begründet Fanshop-Geschäftsführer Josep Maria Meseguer die Aktion.

Bild

Jede Erinnerung an den Verräter wird ausradiert... Bild: picture-alliance / dpa

Das Derby der Schande

Figo geht bei der ersten Rückkehr nach Barcelona mit einer 0:2-Niederlage vom Feld. Historisch wird aber nicht diese Partie, sondern das Aufeinandertreffen von Barcelona und Real Madrid am 23. November 2002. Luis Figo muss sich aufgrund des "lautesten Pfeifkonzerts der Fußballgeschichte des Landes" die Ohren zuhalten.

"Ich muss wohl einer der wenigen Sportler sein, der 120.000 Personen gegen sich hatte. Als ich zum ersten Mal wieder im Camp Nou war, gab es einen Heidenlärm."

Luis Figo    fussballeuropa.com

Vielleicht auch besser so: Die Beleidigungen im Camp Nou fallen gelinde gesagt ziemlich übel aus. So hallt bei jedem Ballkontakt von Figo ein lautes "Pesetero" ("Geldhure") von den Rängen.

Bild

Figo ist Feindbild Nummer eins und wird sexistisch beleidigt. Bild: picture-alliance/dpa/dpaweb/lluis gene

Der Plan von Real Madrid, die Nummer Zehn die Eckbälle schießen zu lassen ("Ich habe keine Angst und werde wieder die Ecken schießen"), ist vielleicht nicht die allerklügste Idee in der langen Vereinsgeschichte. In der 72. Minute will Figo einen Eckstoß treten, die Heimfans nehmen den "Verräter" ins Visier.

Sie bewerfen den Abtrünnigen mit zahlreichen Gegenständen: Plastikflaschen, faules Obst, Münzen, Messer, eine Whiskey-Flasche und selbst ein Schweinekopf finden den Weg auf das Feld. Gesehen haben will der damals 30-Jährige das tierische Flugobjekt übrigens nicht. "Wenn ich das Schwein gesehen hätte, hätte ich ein Stück davon gegessen", feixt er.

Der Offensivspieler muss unverrichteter Dinge in die Mitte des Spielfelds in Sicherheit zurückkehren. Die einheimischen Spieler und Betreuer versuchen zwar, die aufgebrachten Randalierer zu beschwichtigen – es ist aber zwecklos. Als der Portugiese sich ein weiteres Mal der Eckfahne nähert, wiederholt sich die Szenerie. Figo gibt später zu: "Ich hatte große Sorgen, dass ein Verrückter sich nicht mehr beherrschen kann."

Der Schiedsrichter muss beide Teams in die Kabinen zurückschicken. Nach einer Viertelstunde kann die Partie mit dem anstehenden Eckball endlich fortgesetzt werden.

"Ich hatte große Sorgen, dass ein Verrückter sich nicht mehr beherrschen kann."

Ein bisschen Schiss hatte Figo dann wohl doch...

Das Spiel selbst ist wahrlich kein Leckerbissen und endet torlos. Der FC Barcelona wird für die Vorkommnisse zunächst mit zwei Spielen Platzsperre bestraft. Die Katalanen gehen erfolgreich in Rekurs, am Ende bleibt eine (lächerliche) Summe von 4.000 Euro als Strafmaß. Das ist nicht viel mehr, als einige Fans für die Tickets auf dem Schwarzmarkt bezahlt haben.

Der Portugiese bleibt im Gedächtnis der Barça-Anhänger. So flitzt der bekannte Barcelona-Fan Jimmy Jump während des EM-Finals 2004 über den Platz und wirft eine Barcelona-Fahne auf Figo und zeigt so unmissverständlich seine Verachtung.

Nach dem Karriereende 2009 sieht Figo die Geschichte gelassener: "Ich habe überhaupt keine Probleme mit Barcelona". Ganz so geheuer ist es dem Portugiesen aber nicht. So redet Figo nicht mehr mit den Medien aus Barcelona. Und auch seine Ferien hat der dreifache Familienvater wohl kaum einmal in der katalanischen Hauptstadt verbracht.

Wenn Fußballer im Büro arbeiten würden

abspielen

Video: watson/Marius Notter, Lia Haubner

Die Stadien mit den zurzeit besten Zuschauerschnitten weltweit

Was im Sport gerade noch alles wichtig ist:

Erkennst du diese 17 Bundesliga-Spieler anhand ihrer Wikipedia-Bio?

Link zum Artikel

BVB bietet übergewichtigen Fans Fitness-Kurse auf der Südtribüne an

Link zum Artikel

FC Bayern sucht neuen Arena-Namen – und die Fans reagieren köstlich böse

Link zum Artikel

Darum feiern die BVB-Fans Schmelzer als "Man of the Match" – obwohl er nicht spielte

Link zum Artikel

"Fußball ist zu heilig für Comedy" – mit Autor Tommi Schmitt beim Borussia-Spiel

Link zum Artikel

Genderneutrales Stadion: Spiel der Nationalelf erstmals mit Unisex-Toiletten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Besser als Neuer jemals war" – Die Welt feiert ter Stegen und will ihn als Nationalkeeper

Er sprang, flog und hielt alles. Spätestens am gestrigen Abend wurde auch dem letzten Fußballfan auf dieser Erde klar, dass Marc-André ter Stegen zu einem der besten Torhütern seiner Zeit gehört. Denn dank Doppel-Torschütze Luis Suarez – und eben ter Stegen – hat der FC Barcelona nach einem fulminanten 3:0 gegen Real Madrid das Finale im spanischen Pokal erreicht. Die Madrilenen scheiterten dabei im Santiago Bernabeu alle am deutschen Schlussmann.

Die Königlichen waren in der ersten Halbzeit …

Artikel lesen
Link zum Artikel