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Legendär: Torwart Jorge Campos liebte bunte Trikots. bild: imago

Unvergessen

Jorge Campos – Mexikos stürmender Torwart mit den selbst designten Trikots

ralf meile / Watson.ch

In unserer Serie "Unvergessen" blicken wir regelmäßig auf große Ereignisse der Sportgeschichte zurück. Heute: 8. Januar 2004. Europas Fußballfans erwachen mit der Nachricht von Jorge Campos' Rücktritt. Der mexikanische Torwart bleibt nicht bloß wegen seiner selbst entworfenen Trikots in guter Erinnerung.

Aus Acapulco, da kommen die Verrückten her. "Going loco, down in Acapulco", sangen einst "The Four Tops". Vermutlich haben sie dabei eher an die berühmten Klippenspringer gedacht als an Jorge Campos. Doch auch auf ihn, den berühmtesten Fußballer der Stadt, trifft das Adjektiv "loco" ("verrückt") zu.

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Etwas zu groß, dafür schön knallig und: selbst designt. bild: imago

Jorge Campos ist in den 90er-Jahren Torwart – aber nicht nur. Je nach Bedarf spielt er auch im Sturm. Manchmal wechselt der Trainer auch einen Angreifer aus, bringt den Ersatzkeeper und beordert Campos nach vorne. Selbst in der Nationalmannschaft wird er zweimal als reiner Stürmer eingesetzt, sieben Mal wechselt seine Position während eines Länderspiels vom eigenen in den gegnerischen Strafraum.

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WM 98, Achtelfinale zwischen Deutschland und Mexiko: Oliver Bierhoff (r.) plaudert mit Campos. bild: imago

Trikots von Acapulco inspiriert

In einer Zeit, in der im Fußball Taktik und Systeme mehr und mehr an Wert gewinnen, ist der Mexikaner ein wohltuender Farbklecks. In Europa ist Campos aber nicht primär wegen seiner Spielweise bekannt und auch nicht wegen der insgesamt 46 Tore, die er während seiner Karriere erzielt. Nein, Campos, das ist der kleine Keeper mit den viel zu großen Trikots, die er selber entwirft und die bei manch einem Gegner ein mittelschweres Augenleiden hervorrufen. Inspirieren ließ er sich dabei angeblich von seiner Heimat Acapulco, wo er unweit des Strandes aufwuchs. Seine erste Liebe sei das Meer gewesen und darum sollen die bunten Shirts seine Verbundenheit zu Surfern zeigen.

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Mood nach kassierten Toren.  bild: imago

Der Goalgetter, der Tore verhindert

Als Campos seine Profikarriere 1988 bei den Pumas beginnt, ist er nur Ersatztorwart. Aber der 21-jährige Paradiesvogel will spielen – wenn es sein muss, halt als Feldspieler. Campos überzeugt den Trainer, ihn aufzustellen und er bedankt sich mit 14 Toren dafür.

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Campos fliegt, das Trikot flattert. Die Nerven des Stürmers flattern auch. bild: imago

Campos zeigt also, dass er es auch als Stürmer drauf hat. Dennoch wechselt er in der darauf folgenden Saison ins Tor, jetzt ist er Stammtorwart bei einem der bekanntesten Clubs im Land. 1991 hext Campos die Pumas zum mexikanischen Meistertitel.

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Die schönsten Paraden von Jorge Campos. Video: YouTube/El Tri-1080x

1994 wird auch der Rest der Welt auf den 1,76 Meter großen Schlussmann aufmerksam. Bei der WM in den USA ist Jorge Campos Mexikos Nummer eins. In den Achtelfinals pariert er im Penaltyschießen gegen Bulgarien zwar gleich den ersten Schuss von Krassimir Balakow, doch Mexiko scheidet aus.

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Im kunterbunten Flatterleibchen pariert Jorge Campos den Elfmeter von Krassimir Balakow, dem späteren Star des VfB Stuttgart. Video: streamable

Der Showman soll die Leute in die MLS-Stadien locken

Klar, dass einer wie Campos der ideale Mann ist, um 1996 die neu gestartete Major League Soccer in den USA zu starten. Er ist der schrille Typ, der Amerikanern den neuen Sport schmackhaft machen soll und er ist das populäre Idol, das die Mexikaner in den USA in die Stadien locken soll. Campos spielt zunächst bei Los Angeles Galaxy, später bei Chicago Fire.

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Inmitten der Superstars Ronaldo, Cantona, Maldini und Co.: Campos rettet in der Nike-Werbung 1996 die Welt. Video: YouTube/The Ad Show

Weiter ins Ausland wechselt Campos nie. Wer ihn sehen will, schaltet deshalb bei Mexikos Länderspielen ein; auf 130 Einsätze bringt es der fliegende Schnapper. 1998 scheitern Campos und "El Tri" erneut in den WM-Achtelfinals, Deutschland gewinnt dank zwei späten Toren von Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff mit 2:1. Es ist Campos' letzter Einsatz bei einer Weltmeisterschaft, 2002 ist der Routinier nur noch als Ersatztorhüter dabei.

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Legenden unter sich: Pele, Michael Schumacher und Campos bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2006.  bild: imago

Heute backt er Brötchen

Zu diesem Zeitpunkt hat Campos längst ein Standbein neben dem Platz. In seiner Restaurant-Kette "Sportortas-Campos" lässt er schon mehr als 20 Jahre lang Sandwiches verkaufen. Natürlich gibt es auch eine Stulle namens "Jorge Campos" im Sortiment.

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Trikots an den Nagel gehängt... bild: imago

"Ich habe alles erlebt, von dem ein Fußballer träumt", sagt Campos bei seinem Rücktritt 2004. Für zwei Jahre wird er Assistent von Nationaltrainer Ricardo Lavolpe, dann widmet er sich der Arbeit als TV-Experte – und natürlich seinen Sandwiches. Es macht den Anschein, dass Jorge Campos, der "Loco" aus Acapulco, seit dem Abschied aus den Strafräumen dieser Erde ein ganz normales Leben lebt.

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Auch ein herausragender Keeper kassiert manchmal eine Pflaume: Die Flop-Ten zum Schmunzeln. Video: YouTube/Televisa Deportes

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Ein bisschen loco muss sein: Campos zeigt in einer bestimmt hochstehenden TV-Sendung sein Sixpack. Video: YouTube/crescencio oliva mariano

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In einer Zeit bevor jeder ein Handy hatte: Campos macht Werbung für einen Telekom-Anbieter. Video: YouTube/crescencio oliva mariano

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