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Abdel-Kader Zaaf ruht sich an einen Baum angelehnt aus Bild: screenshot/youtube

Dieser Tour-Ausreißer trank Wein und fuhr dann in die falsche Richtung

Ralf Meile / watson.ch

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück. Diesmal: 27. Juli 1950: Ferdy Kübler ist drauf und dran, als erster Schweizer die Tour de France zu gewinnen. Aber die große Geschichte der 13. Etappe schreibt der Algerier Abdel-Kader Zaaf.

Manche Legenden sind einfach so gut, dass man sie weiter erzählt, obwohl ihr Protagonist Jahrzehnte später eine etwas andere Version schildert. Die bringen wir auch, versprochen. Aber zunächst zur Legende. Und die geht so:

Der Donnerstag des 27. Juli 1950 ist ein ausgesprochen heißer Tag. 215 Kilometer müssen die Fahrer der Tour de France im Süden des Landes zurücklegen, von Perpignan führt sie die 13. Etappe nach Nîmes. Das Gelbe Trikot trägt stolz der Schweizer Ferdy Kübler, der es einen Tag vorher erobert hat. Er wird es bis am Ende nicht mehr abgeben und als erster eidgenössischer Tour-de-France-Sieger in die Geschichte eingehen.

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Tour-de-France-Sieger 1950: Ferdy Kübler am Ziel seiner Träume Bild: imago sportfotodienst

Gnadenlos brennt die Sonne

An diesem heißen Donnerstag gehören die Schlagzeilen aber weder Kübler noch dem Etappensieger Marcel Molinès, sondern Abdel-Kader Zaaf. Der Algerier begibt sich gemeinsam mit Molinès auf die Flucht, bald hat das Duo einen Vorsprung von einer Viertelstunde herausgefahren.

Doch die Sonne brennt gnadenlos und sorgt dafür, dass es Zaaf plötzlich nicht mehr gut geht. Der 33-Jährige kriegt einen riesigen Durst. Also hält er bei einem Restaurant an, kauft sich zwei Flaschen Weißwein und stürzt sie hinunter. Danach macht er am Straßenrand ein kurzes Nickerchen, bis ihn Zuschauer aufwecken. Verwirrt setzt sich Zaaf wieder aufs Rad – und fährt in die falsche Richtung, dorthin, wo er herkam. Anschließend gibt er die Tour de France auf.

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Die Legende von Abdel-Kader Zaaf (französisch). Video: YouTube/LaChaineCASDEN

Es ist eine tolle Geschichte, welche die Reporter in ihre Redaktion übermitteln und die von den Fans gerne gelesen wird. Man nimmt es zu jener Zeit nicht immer ganz genau, oft übertreiben Zeitungen mit dem Ziel, dass ihr Blatt verkauft wird. Fernsehübertragungen gibt es ja keine, man muss den Reportern einfach glauben. Und weil die Geschichte so außergewöhnlich ist, sichert sie sich einen festen Platz bei den besten Anekdoten der Tour-Geschichte.

Die aufgebauschte Geschichte ist gut fürs Portemonnaie

Doch ist sie auch wahr? Daran darf man zweifeln. Einerseits deshalb, weil Abdel-Kader Zaaf ein praktizierender Muslim war. Als solcher trank er keinen Wein. Es scheint wahrscheinlicher, dass ihn der Mix aus Hitze, Erschöpfung und Pillen zu einer Pause im Schatten eines Baumes gezwungen hatte. Winzer, so heißt es, hätten den Sportler in Ermangelung von Wasser mit kühlem Wein benetzt.

Abdel-Kader Zaaf und Robert Lang, 1950 Abdel-Kader Zaaf and Robert Lang, 1950 PUBLICATIONxNOTxINxSUI

Abdel Kader  and Robert Long 1950 Abdel Kader  and Robert Long 1950 PUBLICATIONxNOTxINxSUI

Zaaf (vorne), als er noch in die richtige Richtung fuhr Bild: imago sportfotodienst

Abdel-Kader Zaaf selber starb 1986. Einige Jahre vorher schilderte er den Vorfall so: Er habe von einem Zuschauer eine Flasche erhalten, sie ausgetrunken, wovon ihm übel wurde und er deshalb stürzte. Als man ihn in den Schatten eines Baumes legte, habe man ihm zur Stärkung Wein eingeflößt.

Die vielleicht aufgebauschte Geschichte hat dem Rennfahrer jedenfalls nicht geschadet. Denn er wird nach der Tour 1950 zu vielen Kriterien (kleinen Rundstrecken-Rennen) eingeladen, was in jener Zeit eine sehr willkommene Einkommensquelle ist. Die Tour de France bestreitet Abdel-Kader Zaaf vier Mal, nur einmal sieht er das Ziel: 1951 beendet er die Rundfahrt beim Gesamtsieg von Hugo Koblet als 66. und Letzter. Tour-Geschichte hat er trotzdem geschrieben.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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