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Before the Money: Triste Tage in Manchester. screenshot youtube

Unvergessen

Noch ganz ohne Scheich stürzt ManCity 1998 in die Drittklassigkeit ab

Ralf Meile / watson.ch

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Heute: 3. Mai 1998. Heute zählt Manchester City zu den Schwergewichten im Weltfußball, den vielen arabischen Öl-Millionen sei Dank. Doch es ist noch gar nicht so lange her, da waren die "Citizens" bloß ein mäßig erfolgreicher Club im Schatten des großen Stadtrivalen Manchester United.

Deutsche Fußballer sind in den 1990er-Jahren gefragt. Viele Weltmeister von 1990 verdienen ihr Geld in der italienischen Serie A, der besten Liga der Welt. Auch der Knipser von Manchester City ist Deutscher. Doch sein Name ist ein Hinweis auf den Stellenwert des Clubs zur damaligen Zeit: Uwe Rösler. Im Grunde genommen ein Habenichts.

Das alte Emblem trägt City mittlerweile wieder auf der Trikotbrust.

Der Stürmer mit der Erfahrung von fünf Länderspielen für die DDR wechselt 1994 nach mäßigen Jahren in der Bundesliga zu den "Citizens". Dort mausert sich der 25-jährige Rösler schnell zum Liebling der Fans. Denn dank seinen Toren schafft es Manchester City, in der Premier League zu bleiben.

Aus dem Europacup-Sieger wird ein Drittligist

Es ist ein ganz anderer Club als heute, dessen erfolgreichste Zeit lange zurück liegt. 1968 gewinnt Manchester City seinen zweiten Meistertitel nach 1937, im Jahr darauf kommt der insgesamt vierte Triumph im FA Cup hinzu und in der folgenden Saison setzt City der Erfolgsphase mit dem Gewinn des Cupsieger-Cups gegen Gornik Zabrze die Krone auf. Doch Anfang der 1980er-Jahre setzt ein Niedergang ein und ManCity wird zur Fahrstuhlmannschaft.

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1956 gewinnt ManCity den FA Cup, obwohl sich der deutsche Goalie Bert Trautmann ("Traut the Kraut") im Final einen Halswirbel bricht. Hier empgängt er Gratulationen von Prince Philip, Duke of Edinburgh. bild: imago sportfotodienst

Als Uwe Rösler im März 1994 geholt wird, ist der Club in akuter Abstiegsnot. Die Rettung gelingt dann auch in der Saison darauf noch einmal, ehe es 1996 in die zweite Liga geht. Die Entscheidung im letzten Spiel gegen Liverpool ist kurios. Angeblich hört ein Fan mit Radio, dass aufgrund anderer Zwischenstände ein Unentschieden reicht. Also weist Trainer Alan Ball beim Stand von 2:2 seine Spieler an, kein Risiko mehr zu suchen. Dummerweise stellt sich hinterher heraus, dass die Information des Zuschauers falsch war.

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Das kuriose Ende 1996. Video: YouTube/EngPremLW92

Nichts als Tränen in Stoke

Nur zwei Jahre später folgt dann gar der Absturz in die Drittklassigkeit. Die "Himmelblauen" fallen so tief wie noch nie seit der Gründung des Clubs 1880.

Als am 3. Mai 1998 die letzte Runde der Division 2 ansteht, dürfen Spieler und Fans noch hoffen. City liegt auf dem zweitletzten Platz einen Punkt hinter dem Trio Port Vale, Portsmouth und Stoke City – und es kommt zum Direktduell mit Stoke. Wer siegt, kann die Klasse vielleicht noch halten, sofern die anderen Resultate stimmen.

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Was für ein Stadion! Die mittlerweile abgerissene Maine Road. bild: imago sportfotodienst

Manchester City erfüllt die Aufgabe und gewinnt mit 5:2. Doch weil auch Port Vale und Portsmouth siegen, gibt's am Ende nichts als Tränen in Stoke: Sowohl die "Potters" wie auch Manchester City steigen ab.

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Der Sieg, der zu spät kam: ManCity steigt trotz eines 5:2 bei Stoke ab. Video: YouTube/MCFC

Aufstiegsthriller im Wembley

Die Fans lassen ihr Team jedoch trotz Drittklassigkeit nicht hängen. Fast 29.000 Zuschauer strömen im Schnitt in die Maine Road. Und auch die Auswärtspartien hätten sich wie Heimspiele angefühlt, erinnert sich Stürmer Gareth Taylor im "Guardian".

Doch der Start in die Saison verläuft holprig. Erst nach Weihnachten nimmt Manchester City fahrt auf. "Am Boxing Day siegten wir 1:0 bei Wrexham, danach schlugen wir Stoke und der Zug nahm Fahrt auf. Von da an waren wir schier unaufhaltsam", so Taylor. Hinter Fulham und Walsall reicht es dennoch bloß zu Rang drei. Wenn City auch aufsteigen will, muss es die Playoffs für sich entscheiden.

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Einer der berühmtesten City-Fans: Oasis-Frontmann Liam Gallagher (der mit der Sonnenbrille). bild: imago sportfotodienst

Nach einem 1:1 im Hinspiel schlägt Manchester City den ersten Gegner Wigan zuhause mit 1:0 und zieht in den Final ein. Im Wembley trifft es auf den FC Gillingham. Ein einziges Spiel, in dem es um Alles oder Nichts geht. Ohne jemanden beleidigen zu wollen: Gillingham ist keine große Nummer im englischen Fußball. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass Gillingham im Wembley spielen darf, dieser Kathedrale des Weltfußballs.

Manchester City

Gegründet 1880 als West Gorton Saint Marks, 1894 Umbennenung in Manchester City FC. – Meister 1937, 1968, 2012, 2014, 2018. – Cupsieger 1904, 1934, 1956, 1969, 2011. – Cupsieger-Cup-Gewinner 1970.

"Die Leute laden mich deswegen heute noch auf einen Drink ein"

Mit den Toren ist es in diesem Spiel wie beim Ketchup in der Flasche: Lange kommt gar nichts, und dann alles auf einmal. Carl Assaba schießt Gillingham in der 81. Minute in Führung, Robert Taylor erzielt in der 87. Minute das 2:0. Die ersten Anhänger der "Citizens" ziehen traurig von dannen. Sie verpassen eine unglaubliche Wende.

Vier Tage zuvor hatte der Stadtrivale Manchester United den Champions-League-Final gegen Bayern München mit zwei Toren in der Nachspielzeit noch gedreht und 2:1 gewonnen. Nun im Wembley bringt Kevin Horlock Manchester City in der 90. Minute heran und in der fünften Minute der Nachspielzeit gelingt Paul Dickov tatsächlich noch der Ausgleich. 2:2, Verlängerung! Kuriosität am Rande: Dickov war Trauzeuge von Gillinghams Goalie Vince Bartram und dieser stand Dickov bei dessen Hochzeit zur Seite.

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Paul Dickov erinnert sich an den dramatischen Aufstieg 1999. Video: YouTube/EFL

Es ist eines dieser Tore, die die Geschichte eines Clubs prägen. Wo wäre Manchester City heute, wenn Paul Dickov damals nicht getroffen hätte? "Die Leute halten mich heute noch an, um über diesen Treffer zu sprechen", verrät er 2017, "und sie laden mich deswegen auf einen Drink ein."

In der Verlängerung fallen keine Tore, das Elfmeterschießen muss über den Aufstieg entscheiden. Dickov ist einer der Schützen. "Ich war in meinem Leben noch nie so zuversichtlich", sagt er rückblickend. Aber der spätere schottische Nationalspieler schießt an den rechten Pfosten, von welchem der Ball an den linken prallt und weg vom Tor.

Kein Ende des Höhenflugs in Sicht

"Ich war am Boden zerstört", erinnert sich der Stürmer. Weil alle seine Kollegen treffen und Torhüter Nicky Weaver zwei Versuche Gillinghams pariert, siegt Manchester City doch noch. Das Jahr in der Drittklassigkeit sollte eine Ausnahme bleiben.

Manchester City gelingt der Durchmarsch, spielt im Sommer 2000 wieder in der Premier League. Zwar geht's direkt wieder runter, aber auch umgehend wieder hoch. Seit 2002 ist der Club nun ununterbrochen im Oberhaus. Und ein Ende ist – Stand heute – nicht in Sicht.

2003 zieht der Club ins City of Manchester Stadium und er unterstreicht seine Ambitionen mit der Verpflichtung des französischen Stürmers Nicolas Anelka. Trotzdem reicht es nicht zu mehr als Platzierungen im Mittelfeld. Als 2007 der ehemalige thailändische Premierminister Thaksin Shinawatra den Club erwirbt, kann er den Fans auch einen talentierten Schweizer präsentieren, der heute in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt spielt: den 20-jährigen Gelson Fernandes. Der Rackerer kann sich festbeißen und wird Stammspieler.

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Gelson Fernandes läuft für City 43 Mal in der Premier League auf und erzielt dabei drei Tore. Heute spielt er für Eintracht Frankfurt. bild: imago sportfotodienst

Das ändert sich mit dem nächsten Investitionsschub. Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan aus Abu Dhabi kauft Manchester City im September 2008 mit dem Ziel, eine Weltmarke aus ihm zu machen. Nun wird richtig geklotzt. 2012 ist erstmals Zeit, um die Ernte einzufahren. Lediglich 13 Jahre nach dem dramatischen Wiederaufstieg in die zweite Liga treffen Edin Dzeko und Sergio Agüero in der 92. und in der 94. Minute zum 3:2-Sieg gegen die Queens Park Rangers – Manchester City ist erstmals Meister der Premier League.

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Die letzten acht Minuten eines denkwürdigen Spiels, in dem City dem Rivalen United noch den Titel entriss. Video: YouTube/Live Nation Football

Nur eine Trophäe fehlt noch

"Ich bin 47. Aber ich fühle mich, als ob ich heute 90 Jahre alt geworden bin", sagt Trainer Roberto Mancini hinterher. 2014 und 2018 holen die "Citizens" weitere Meistertitel und in dieser Saison stehen die Chancen gut, dass es mit der Titelverteidigung klappt.

Nur mit dem ganz großen Ziel, dem Triumph in der Champions League, wollte es bislang nicht klappen. Die Sorgen des Cubs haben sich bei Manchester City innert zwei Jahrzehnten maximal verändert.

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