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Bildnummer: 09799851  Datum: 08.08.1992  Copyright: imago/Pressefoto Baumann
Olympische Spiele 1992 Barcelona : Basketball USA Dream Team Gold ; kbdig  quer

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Das "Dream-Team" von 1992 Bild: imago/ZUMA Press

Unvergessen

Als das Dream Team zur dominantesten Mannschaft der Sport-Geschichte wurde

Philipp Reich / watson.ch

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

26. Juli 1992: Die Gegner? Statisten. Olympiagold? Ein Spaziergang. Die US-Basketballer um Jordan, Barkley, Johnson und Co. dominieren in Barcelona nach Belieben. Das erste Spiel gegen Angola gewinnen sie mit 68 Punkten Vorsprung.

Sommer 1992. Dänemark ist bei der Fußball-EM in Schweden völlig überraschend Europameister geworden, doch nur einen Monat später interessiert sich auf dem alten Kontinent niemand mehr für Fußball. Plötzlich spricht jeder über Basketball, über das "Dream Team", über Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird, Charles Barkley und ihre Teamkollegen. Doch nicht nur Europa, die ganze Welt freut sich auf das "Dream Team" aus den USA.

Olympiade 1992 in Barcelona: Basketball: Deutschland - USA vom 1.8.1992: Das Dream Team der USA, v.li.: John Stockton, Clyde Drexler, Earvin Magic Johnson, Michael Jordan, David Robinson, Patrick Ewing, Charles Barkley HM

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In der Vorbereitung läuft nicht alles nach Plan, aber kein Grund zur Sorge. Bild: imago stock&people

Dass erstmals die besten Basketballer der Welt bei Olympia teilnehmen dürfen, ist dem IOC zu verdanken. Zusammen mit dem Basketball-Weltverband FIBA beschließt das Internationale Olympische Komitee 1989, dass fortan auch Profis zugelassen sind. Für Serien-Olympiasieger USA die Chance, sich für die blamable Bronzemedaille einer College-Mannschaft in Seoul 1988 zu revanchieren.

Sofort beginnt die Suche nach den geeigneten Spielern. Doch bereits vor der Kader-Nominierung droht Ärger. In der Öffentlichkeit tauchen Fragen auf: Welcher der heimischen Sportartikel-Riesen darf das Team sponsern? Soll man wirklich komplett auf College-Spieler verzichten? Und werden die Basketball-Millionäre wirklich auf ihren Urlaub verzichten?

Alle sagen zu – sogar Michael Jordan

Die Sorgen erweisen sich allesamt als unbegründet. Charles Barkley sagt ebenso spontan zu wie Larry Bird und Magic Johnson. "Ich habe sonst alles gewonnen, warum also nicht auch die Goldmedaille", sagte Johnson Anfang 1991. Einige Monate später folgt jedoch der Schock, als er positiv auf HIV getestet wird. Magic beendet sofort seine Karriere, bei Olympia ist er aber trotzdem dabei.

Larry Bird (li.) und Earvin Magic Johnson (beide USA) geben ein Interview - !PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY! (Icon5001023)

Larry Bird left and Earvin Magic Johnson both USA give a Interview PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY Icon5001023

Freunde, Rivalen und Legenden: Larry Bird und Magic Johnson Bild: imago sportfotodienst

Der Einzige, der sich anfangs ziert, ist Michael Jordan. Er ist schon 1984 in Los Angeles gemeinsam mit Patrick Ewing bei Olympia dabei gewesen und hat seine Goldmedaille bereits. "Ich habe gehofft, dass sie mich nicht fragen, ob ich bei Olympia dabei sein will", gibt der Superstar der Chicago Bulls später zu. Erst eine Reise nach Europa ändert seine Meinung, und wohl auch, dass jeder mit seinen eigenen Schuhen spielen darf.

Als Center werden die vielfachen All-Stars David Robinson und Patrick Ewing nominiert, als Forwards mit Scottie Pippen, Karl Malone sowie Chris Mullin die Spitzenklasse der Liga, und als Guards John Stockton und Clyde Drexler. Komplettiert wird das Team mit Christian Laettner. Der damals mit Abstand beste College-Spieler erhält den Vorzug vor Shaquille O'Neal.

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John Stockton, Chris Mullin, Charles Barkley und Magic Johnson bild: imago stock&people

Das Kader des Dream Teams

4 Christian Laettner (Duke University)
5 David Robinson (San Antonio Spurs)
6 Patrick Ewing (New York Knicks)
7 Larry Bird (Boston Celtics)
8 Scottie Pippen (Chicago Bulls)
9 Michael Jordan (Chicago Bulls)
10 Clyde Drexler (Portland Trail Blazers)
11 Karl Malone (Utah Jazz)
12 John Stockton (Utah Jazz)
13 Chris Mullin (Golden State Warriors)
14 Charles Barkley (Phoenix Suns)
15 Magic Johnson (Los Angeles Lakers)

Die Olympia-Vorbereitung absolviert das Team in La Jolla in Kalifornien, immer begleitet von einem gigantischen Pressetross und euphorischen Fans. Der erste Härtetest ist ein Trainingsspielchen gegen eine Auswahl talentierter Collegespieler. Er wird zum Desaster, die selbstverliebten Superstars werden von den hochmotivierten Nachwuchsspielern um Chris Webber beim 54:62 beinahe vorgeführt.

Ein kleiner, aber wirkungsvoller Wink vom Trainer

Headcoach Chuck Daly lässt unmittelbar nach dem Spiel die Anzeigetafel auf null stellen, die Presse soll auf keinen Fall von der peinlichen Pleite erfahren. Was ebenfalls keiner ahnt: Daly hat die Niederlage eingeplant. Keiner ist unbesiegbar, das war seine Botschaft an das "Dream Team", das danach nie wieder ein Spiel verlieren sollte. Am nächsten Tag kommt es zur Revanche. Die Collegeboys verlieren mit 100 Punkten Differenz.

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Michael Jordan läuft Detlef Schrempf davon. bild: imago sportfotodienst

Schließlich geht es nach Europa. Die erste Station ist Monaco. Ohne Ausgehsperre, ohne Kleiderordnung, und vor allem – mit nur zwei Stunden Training am Tag. "Ich weiß noch, als wir in Monte Carlo ins Hotel kamen, ging ich zum Pool und da waren Frauen oben ohne. Da habe ich den anderen gesagt: 'Wow, die haben hier keine T-Shirts an!' Von da an sind wir nach dem Training immer zum Pool gegangen", erinnert sich Barkley später. Auch in Barcelona geht es das Dream Team locker an. Obwohl der Hype um das Team riesig ist, sind die Superstars fast täglich auf der Promenade "Las Ramblas" anzutreffen.

Angola hat tatsächlich ein Problem

Am 26. Juli dann endlich der erste Ernstkampf. Na ja, nicht wenn es nach "Sir Charles" geht. "Ich weiß absolut nichts über Angola, ich kenne keinen Spieler, aber ihr könnt ihnen ausrichten – sie haben ein Problem", so Barkley vor dem Spiel. Und er hat Recht: 116:48 lautet das Endresultat. Barkley ist mit 24 Punkten Topscorer, Magic Johnson überzeugt mit zehn Assists, Michael Jordan lässt sich acht Steals gutschreiben.

Zum ersten Mal sieht die ganze Welt, dass hier Menschen einen Sport auf einem komplett anderen Level als der Rest der Welt ausüben. Und sie müssen noch nicht einmal an ihre Grenzen gehen: 103:70 gegen Kroatien, 111:68 gegen Deutschland, 127:83 gegen Brasilien, 122:81 gegen Spanien. Das "Dream Team" spaziert durch die Vorrunde.

"Es war wie im Basketball-Himmel."

David Robinson

Im Viertelfinale wird Puerto Rico (115:77) abgefertigt, im Halbfinal muss Litauen (127:76) dran glauben und im Finale ist Kroatien beim 117:85 trotz zwischenzeitlicher Führung erneut chancenlos. Mit einem durchschnittlichen Vorsprung von sagenhaften 43.8 Punkten spazieren die Superstars zur Goldmedaille. "Wenn du mit anderen grossartigen Spielern zusammenspielst, wird Basketball so einfach", sagt Barkley. David Robinson ergänzt: "Es war wie im Basketball-Himmel." US-Coach Daly muss während des ganzen Turniers keine einzige Auszeit nehmen.

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bild: imago sportfotodienst

Basketball-Boom in Europa

Auch sonst läuft alles wie am Schnürchen. In Europa bricht ein regelrechter Basketball-Boom aus. In der Schweiz wird Streetball (3 gegen 3 auf einen Korb) zur Trendsportart schlechthin und die "Sat1"-Sendung "Jump ran" am Sonntagmorgen zum Pflichttermin für alle Jugendlichen. Davon profitieren auch die Olympiasieger. Dank dem Verkauf von Fan-Artikeln füllen sich ihre Kassen.

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Die Highlights des "Dream Teams". Video: YouTube/Olympic

Doch der Erfolg ist nicht nur materiell: Noch heute werden die zwölf Spieler des "Dream Teams" wie Helden verehrt. Außer Laettner, der nur eine durchschnittliche NBA-Karriere hinlegt, werden alle anderen Akteure 1996 in die Auswahl der "50 besten NBA-Spieler aller Zeiten" gewählt, und alle außer Laettner werden nach ihrer Aktivzeit in die Hall of Fame aufgenommen. Obwohl sich auch die nachfolgenden US-amerikanischen WM- und Olympia-Auswahlen "Dream Team" nennen, eine Mannschaft wie 1992 hat und wird es im Basketball-Sport nie mehr geben.

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