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Oliver Kahn und Mehmet Scholl können es nicht fassen. bild: imago

Unvergessen

Ecke Beckham – als der dunkelste Abend in der Geschichte des FC Bayern beginnt

26. Mai 1999, heute vor 20 Jahren: Im Camp Nou in Barcelona erlebt der Fußball zwei seiner verrücktesten Minuten. In der Nachspielzeit dreht Manchester United das Finale der Champions League gegen Bayern München und stürzt die Bayern ins Tal der Tränen.

Ralf Meile / watson.ch

"Ecke noch, wir sind in der 93. Minute. Warum, weiß nur Collina. Da ist es passiert! Solskjaer!"

RTL-Reporter Marcel Reif

Soeben hat Bayern München die schlimmste aller schlimmen Niederlagen kassiert. Obwohl es lange, so lange, so gut ausgesehen hat.

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Die enttäuschten Bayern. bild: imago

Wichtige Absenzen bei beiden Teams

Es sind zwei große Teams, die sich an diesem Abend vor 98.000 Fans im Camp Nou von Barcelona gegenüberstehen. Beide haben sich im Halbfinale jeweils mit dem Gesamtergebnis von 4:3 durchgesetzt; Manchester United gegen Juventus Turin, die Bayern gegen Dynamo Kiew.

Bereits in den Gruppenspielen waren sich die beiden Kontrahenten gegenübergestanden, trennten sich jeweils unentschieden. Aber heute muss es einen Sieger geben. Wichtige Spieler fehlen beiden: Captain Roy Keane und Paul Scholes den Engländern, Weltmeister Bixente Lizarazu und Topscorer Giovane Elber dem Gegner.

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Die Wechsel: 71. Scholl für Zickler, 81. Fink für Matthäus, 89. Salihamidzic für Basler.​ 67. Sheringham für Blomqvist, 81. Solskjaer für Cole. bild: wikipedia

Führung, Pfosten, Latte – alles spricht für die Bayern

Die Bayern legen vor. Enfant terrible Mario Basler schlenzt einen Freistoß an der Mauer und Keeper Peter Schmeichel vorbei ins Tor, schon nach sechs Minuten führen die Bayern mit 1:0. Der Vorsprung gibt ihnen Sicherheit, sie kontrollieren die Partie, haben sie im Griff. Und vergeben gar die Siegsicherung, Mehmet Scholl trifft den Pfosten, kurz vor Schluss Carsten Jancker mit einem Fallrückzieher die Latte.

In den Katakomben des riesigen Stadions betritt Bayern-Präsident Franz Beckenbauer um die 90. Minute herum einen Lift, gemeinsam mit UEFA-Präsident Lennart Johansson und Bayern-Fan Boris Becker. Er macht sich auf, um auf dem Rasen zur Siegerehrung zu erscheinen.

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Die Höhepunkte des Finals. Video: YouTube/Adam Smith

Ausgleich!

Manchester United hat aber immer noch die Chance, zumindest die Verlängerung zu erreichen. Doch die Zeit verrinnt, schon läuft die 91. Minute.

David Beckham schlägt eine Ecke von der linken Seite, Goalie Schmeichel ist aufgerückt, die Bayern bringen den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Ryan Giggs versucht es mit einer Direktabnahme, die ihm misslingt, doch Teddy Sheringham fälscht den Ball noch ins Tor ab. Es steht tatsächlich 1:1!

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Teddy im Glück: Sheringham bejubelt seinen Ausgleichstreffer. bild: imago

Basler nimmt die Sieger-Kappe wieder ab

Und das Spiel ist noch nicht aus. Die Engländer haben nun Lunte gerochen, denn die Bayern sind völlig von der Rolle. Sie taumeln, wanken wie ein Boxer, der nur noch den Gong abwartet, welcher die Runde beendet, damit sie sich aufrichten und neu sammeln können.

Eigentlich sind sie ja schon zum Feiern bereit gewesen. Der Champagner steht schon bei der Ersatzbank, ebenso eine Kiste mit Kappen. "Champions-League-Sieger 1999 – FC Bayern München" steht drauf. Mario Basler, in der 89. Minute ausgewechselt – Standing Ovation für den Matchwinner! –, trägt sie bereits. Er nimmt sie rasch wieder ab.

Beckenbauer: "Wir haben uns angekuckt und konnten es nicht glauben"

"Durchschnaufen" lautet die Parole der Bayern, dann halt in die Verlängerung. Aber Manchester United gibt ihnen keine Gelegenheit zum Durchschnaufen. Noch einmal tritt Beckham eine Ecke, es läuft bereits die 93. Minute, wieder kommt der Ball von der linken Seite hoch vors Bayern-Tor von Oliver Kahn. Sheringham, eben noch Torschütze, kommt zum Kopfball, doch der ist weder wuchtig noch platziert. Dafür die perfekte Vorlage für Ole-Gunnar Solskjaer. Der Norweger hält den Fuß hin, lenkt den Ball ins Netz. 2:1! Päng! Ein gewaltiger Hammerschlag lähmt die Bayern, während Spieler und Fans der "Red Devils" außer sich vor Freude sind.

Im Aufzug hören Beckenbauer und seine Begleiter Jubel. "Wir dachten: 'Okay, der Abpfiff'", erinnert sich der "Kaiser". "Als wir kurze Zeit später durch die Katakomben in Richtung Rasen gingen, sahen wir die ManU-Spieler jubeln, die Bayern lagen am Boden. Ich dachte: 'Mist, doch der Ausgleich'. Kurz darauf blinkt es an der Anzeigetafel: 1:2! Wir haben uns angeguckt und konnten es nicht glauben."

Ole Solskjaer celebrates scoring the winner for United with Ronny Johnsen and Nicky Butt . Manchester United 2:1 Bayern Munich, Champions League Cup Final, 26/05/1999. Barcelona. PUBLICATIONxNOTxINxUK

Ole-Gunnar Solskjaer feiert mit den Teamkollegen den Siegtreffer. Bild: www.imago-images.de

Kuffour: "Es tut immer noch weh!"

"Steht auf, wenn ihr Männer seid", ruft Schiedsrichter Pier-Luigi Collina den Bayern-Spielern angeblich zu. Einige von ihnen sind erstarrt, liegen nach dem zweiten Gegentreffer regungslos auf dem Rasen, weinen hemmungslos.

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Fußball kann so schrecklich sein: Die Bayern-Spieler nach dem Treffer von ManU. bild: imago

Sammy Kuffour, der immer fröhliche Verteidiger aus Ghana, schluchzt, als gäbe es kein Morgen und haut vor Wut mit der Faust auf den Boden. "Wenn du so niedergeschlagen bist, hast du dich nicht mehr unter Kontrolle", sagt er im März 2014. "Wenn ich irgendwo auf der Welt erkannt werde, erinnern mich die Leute immer an diese Szenen." Das Spiel habe er nie gesehen, er wolle das nicht. "Es tut mir immer noch weh!"

Die Emotionen nach dem Schlusspfiff im Camp Nou. Video: Youtube/CaleMecze

Aus Alex Ferguson wird Sir Alex

Zwei Jahre später dürfen die Bayern doch noch den Champions-League-Pokal in die Höhe stemmen. Dank Kahns Paraden im Elfmeterschießen schlagen sie Valencia.

Alex Ferguson, die Managerlegende von Manchester United, ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein Sir. Die Queen adelt den Kaugummi-Dauerkauer, der nicht nur im Final mit der Einwechslung von Sheringham und Solskjaer alles richtig gemacht hat. Zuvor hat Ferguson Manchester United auch zum englischen Meistertitel und zum Cupsieg geführt. Das "Treble" wie die Engländer sagen, drei Titel in einer Saison, das gab es noch nie.

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Bild: www.imago-images.de

"Manchester United have reached the promised land."

ITV-Reporter Clive Tylsdsley

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