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Bild: imago/team2

Glückwunsch, Rudi! Völlers Ausraster gegen Weißbier-Waldi wird 15

ralf meile / watson.ch

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück. Diesmal: 6. September 2003. Nach einem lahmen 0:0 auf Island hat Bundestrainer Rudi Völler die Schnauze voll vom ewigen Gemotze der Medien und der Experten. Also schlägt er zurück – und wie! Sein Interview bei Waldemar Hartmann ist eine Sternstunde der Fussball-Berichterstattung.

Rudi Völler ist einer der populärsten deutschen Fußballer aller Zeiten. Auch als Bundestrainer ist der langjährige Torschütze der Nationalmannschaft beliebt, hat er doch eine fußballerisch eher limitierte Auswahl zum Vize-Weltmeistertitel 2002 geführt.

Doch nun weht "Tante Käthe" ein steifer Wind entgegen, denn in der Qualifikation für die EM 2004 läuft es überhaupt nicht nach Wunsch. Mühsame 2:1- und 2:0-Siege gegen die Färöer-Inseln, je ein 1:1 gegen Litauen und Schottland – das ist nicht das, was man sich in Deutschland vorstellt.

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Delling und Netzer lästern über die DFB-Auswahl, Völler schlägt bei Hartmann zurück. Video: YouTube/YouDerTuber

Es folgt "der absolute, neue Tiefpunkt", wie es ARD-Moderator Gerhard Delling formuliert: ein 0:0 auf Island. Völler platzt der Kragenl, als er bei Waldemar Hartmann im improvisierten Studio sitzt und Delling zuhört, wie er mit Altstar Günter Netzer über die Partie plaudert.

Völlers beste Aussagen:

"Delling, das ist eine Sauerei, was der sagt."

"Die Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch mal ein Tiefpunkt. Da gibt's noch mal einen niedrigen Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören. Das muss ich ganz ehrlich sagen.

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Völler teilt bei "Waldi" Hartmann ordentlich gegen deutsche Medien aus. Bild: imago/team2

Natürlich war das heute nicht in Ordnung. Aber ich weiß nicht, woher die das Recht nehmen, so etwas zu sagen. Das verstehe ich nicht."

"Dann soll er doch Samstagabend-Unterhaltung machen und keinen Sport, keinen Fußball. Dann soll er 'Wetten dass …?' machen und den Gottschalk ablösen."

"Ich kann diesen Käse nicht mehr hören nach jedem Spiel, in dem wir kein Tor geschossen haben, dann ist noch ein tieferer Tiefpunkt. Das ist das Allerletzte. Wechselt den Beruf, das ist besser."

"Ich sitze jetzt seit drei Jahren hier und muss mir den Schwachsinn immer anhören."

"Ihr müsst doch mal von eurem hohen Ross runterkommen, was ihr euch immer alle einbildet, was wir für einen Fußball in Deutschland spielen müssen."

"Der Günter (Netzer), was die früher für einen Scheiß gespielt haben, da konntest du doch früher überhaupt nicht hingehen, die haben doch früher Standfußball gespielt."

Moderator Waldemar Hartmann wendet nach Völlers Monolog ein, er verstehe nicht ganz, weshalb Völler diese Schärfe ins Gespräch bringe. Worauf ihm der Bundestrainer ins Wort fällt:

"Die Schärfe bringt ihr doch rein. Müssen wir uns denn alles gefallen lassen? Du sitzt hier locker, bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken."

Hartmann ist höchstens einen kurzen Augenblick lang verdutzt, dann verteidigt er sich:

"In Island gibt es kein Weizenbier. Ich bin auch kein Weizenbiertrinker."

Gegen Ende des Gesprächs zeigt sich Völler versöhnlich: "Tschuldigung, Waldi, die Geschichte mit dem Weizenbier habe ich nicht so gemeint. Alles andere habe ich so gemeint."

"Weissbier-Waldi" ist geboren

Obwohl Hartmann nach eigener Aussage kein Freund der bayrischen Biervariante ist, begleitet ihn von diesem Moment an der Spitzname "Weißbier-Waldi". Völlers Ausraster sorgt für ein willkommenes Taschengeld, eine Brauerei engagiert den Moderator als Werbeträger:

"Weißbier-Waldi" mit Oliver Kahn im Biergarten

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Video: YouTube/dashad

Waldemar Hartmann schickt Rudi Völler jedes Jahr am 6. September eine SMS, es ist zum Ritual geworden zwischen den beiden: "Herzlichen Dank, eine Provision bekommst du immer noch nicht. Aber beim nächsten Treffen geht die Rechnung wieder auf mich."

"Das war geil, was da abging"

Der erfahrene Medienmann Hartmann sagt im Rückblick, er habe sofort erkannt, was gerade passiere. "Ich habe mir gesagt: 'Bleib schön ruhig, Waldi.' Das war geil, was da abging. Ich habe sofort gemerkt, das schreibt jetzt Fernsehgeschichte. Ein rasender Bundestrainer. Ich war glücklich, durfte es aber nicht zeigen. Ich dachte: 'Genial, Rudi, du bist grandios, mehr davon.'"

Das Publikum steht ohnehin auf der Seite Völlers, seines langjährigen Lieblings, so dass der Ausraster für ihn keinerlei negative Auswirkungen hat. Nach der verkorksten EM 2004 tritt Rudi Völler als Nationaltrainer zurück. Einem kurzen Intermezzo als Trainer der AS Roma, wo er als Stürmer eine Legende ist, folgt der Einstieg als Sportdirektor von Bayer Leverkusen, wo er immer noch tätig ist.

Rudi kann noch immer zeimlich sauer werden:

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Reporter: "Ich danke Ihnen." Völler: "Ich Ihnen nicht." Video: YouTube/TripleKSC

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