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Giovanni Trapattoni holt bei der Pressekonferenz zum Rundumschlag aus. Bild: imago/Fred Joch

"Flasche leer" – wie eine Notlüge die Trapattoni-Wutrede nicht noch heftiger machte

alex dutler / watson.ch

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. Heute: 10. März 1998. Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni rastet bei der Pressekonferenz nach einer Niederlage gegen Schalke völlig aus. Aus seiner Wutrede entstehen Kultsätze wie "Was erlaube Strunz?", "Flasche leer" und "Ich habe fertig!"

Mit sagenhaften 23 Titeln gilt Giovanni Trapattoni als einer der erfolgreichsten Fußballtrainer der Welt. Doch wenn heute sein Name fällt, spricht kein Mensch von den drei Siegen im Uefa-Cup, vom Triumph im Europapokal der Landesmeister oder von den sieben italienischen Meisterschaften mit Juventus und Inter. Ein Satz des 76-Jährigen überstrahlt den prall gefüllten Trophäenschrank und alle seine Erfolge:

"Spieler schwach wie Flasche leer!"

Als Trainer von Bayern München hat der "Mister" aus Italien immer mit der Sprache zu kämpfen. Das, was er der Mannschaft sagen will – seine komplexen taktischen Ideen und Konzepte – kann er aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse nicht immer richtig erklären.

Trainer Giovanni Trapattoni (Bayern) gibt gestenreich Anweisungen

Trapattoni hatte in München täglich mit Kommunikationsschwierigkeiten zu kämpfen. Bild: imago/Kosecki

Vorentscheidende Niederlage

So wohl auch am 8. März 1998. Im Parkstadion auf Schalke verlieren die Bayern vor knapp 71.000 Zuschauern mit 0:1. Es ist ihre dritte Niederlage in Folge und an der Tabellenspitze hat sich Kaiserslautern schon Mitte der Rückrunde vorentscheidend abgesetzt.

Trapattoni wahrt im Stadion die Fassung, aber im stillen Kämmerlein brütet er zwei Tage und Nächte über der bitteren Pleite. Am 10. März entlädt sich der ganze Frust bei der Pressekonferenz an der Säbener Straße.

"Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen, was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer!"

Seine dreieinhalbminütige Brandrede katapultiert "Trap" sofort in den Kult-Olymp des deutschen Fußballs.

Nur dank Notlüge keine zweite Runde

Was kaum jemand weiß: Trapattoni ist in diesem Moment so fuchsteufelswild, dass er eigentlich noch eine Schippe drauflegen will. Nachdem er im Video aus dem Bild verschwunden ist, läuft der Italiener nur fünf Meter, fasst sich an den Kopf und zischt: "Habe ich etwas vergessen!"

Bayerns Medienchef Markus Hörwick kann seinen Trainer nur mit sanfter Gewalt stoppen. Trapattoni beruhigt sich erst, als er ihm verspricht, nachzusehen, ob noch Journalisten im Presseraum sitzen.

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«Trap» holte mit den Bayern den Meistertitel 1997 und im Jahr darauf den DFB-Pokal. bild: imago sportfotodienst

Hörwick geht zurück an den Schauplatz der Wutrede und natürlich ist noch die Hölle los. Die Journalisten hören sich den Ausbruch noch einmal auf ihren Diktiergeräten an und telefonieren aufgeregt mit den Redaktionen: "Wahnsinn! Unfassbar! Eine ganz große Geschichte!"

Pressesprecher Hörwick bleibt cool, dreht sich um und geht wieder zu Trapattoni. "Sorry, Giovanni, die sind alle schon weg", lügt er und begleitet den Italiener aus dem Gebäude.

Legendäre Pressekonferenzen mit Trapattoni gibt es aber auch später noch. 13 Jahre nach "Flasche leer" kämpft der Italiener als irischer Nationaltrainer mit Englisch-Problemen. Vor dem EM-Relegation im November 2011 gegen Estland warnt er die irischen Journalisten, dass der Mist trotz des 4:0-Siegs noch lange nicht geführt sei. Köstlich!

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