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Andy Roddick mit dem Siegerpokal der US Open Bild: imago sportfotodienst

Unvergessen

Andy Roddick ist für einen Sommer der beste Tennisspieler der Welt – dann kommt Federer

philipp reich/watson.ch

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück. Diesmal: 10. August 2003: Andy Roddick gewinnt in Montreal seinen ersten Masters-1000-Titel. Auf dem Weg dazu schlägt er – noch eine Premiere – Roger Federer. Doch es ist nur ein Strohfeuer gegen die langsam beginnende Herrschaft des Schweizers.

Die Tennis-Jahre 2002 und 2003 sind Übergangsjahre. Acht Grand Slams, acht verschiedene Sieger: Kein Tennisspieler hat damals zwei große Titel in einer Saison gewinnen können. Doch nach dem Ende der Ära um Pete Sampras und André Agassi deutet im Spätsommer 2003 einiges darauf hin, dass ein weiterer Amerikaner für längere Zeit den Tennisthron erklimmen könnte: Andy Roddick.

Bildnummer: 00940377  Datum: 27.08.2003  Copyright: imago/ExSpo
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Der Aufschlag ist Roddicks gefährlichste Waffe Bild: imago sportfotodienst

Der damals 21-jährige Hardhitter verpflichtet nach dem French Open Brad Gilbert als neuen Trainer. Unter dem ehemaligen Agassi-Coach stellt sich der Erfolg sofort ein. Roddick gewinnt das Rasenturnier von Queens und scheitert in Wimbledon erst im Halbfinale am späteren Sieger Roger Federer, der seinen ersten Grand-Slam-Titel feiern kann.

Die vierte Niederlage im vierten Duell gegen Federer wird als Ausrutscher abgetan. Tatsächlich geht der Höhenflug des US-Amerikaners zu Beginn der US-Hartplatzsaison unentwegt weiter. Der 1,88-Meter-Schlaks gewinnt in Indianapolis und reist mit dem zehnten Turniersieg seiner Karriere im Gepäck voller Selbstvertrauen nach Montreal.

Erster Sieg gegen Federer als Weckruf

Roddick spielt sich beim Rogers Cup wie im Rausch ins Halbfinale, wo wieder einmal Roger Federer wartet. Und im fünften Anlauf holt er endlich den ersten Sieg: "A-Rod" gewinnt 6:4, 3:6, 7:6 und scheint sein Federer-Trauma endgültig abgelegt zu haben. Im Finale lässt Roddick dann dank seines brachialen Aufschlags David Nalbandian nicht den Hauch einer Chance und feiert seinen ersten Masters-1000-Titel.

Als Roddick auch in Cincinnati triumphiert, ist die amerikanische Tenniswelt im Vorfeld der US Open schon komplett aus dem Häuschen. In Flushing Meadows soll der Newcomer endlich in die großen Fußstapfen von Agassi und Sampras, der zu Turnierbeginn seinen großen Abschied aus dem Tenniszirkus feiert, treten.

Zusammen mit Anna Kournikova und André Agassi tritt Roddick vor Turnierbeginn bei einem Charity-Event auf. Alle wollen etwas von ihm, die Erwartungen und der Druck an den 21-Jährigen sind riesig. Doch Roddick lässt sich nichts anmerken. Der Reihe nach räumt er Tim Henman, Ivan Ljubicic, Flavio Saretta, Xavier Malisse und Sjeng Schalken mühelos aus dem Weg, ehe er im Halbfinale gegen Nalbandian plötzlich mit 0:2 Sätzen zurückliegt.

Als Roddick im Tiebreak des dritten Satzes 0:3 zurückliegt, scheint der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel schon fast geplatzt. Doch der Shooting-Star zeigt eines der besten Comebacks der Tennisgeschichte. Roddick wehrt einen Matchball ab, gewinnt das Tiebreak und siegt schließlich hochverdient 6:7, 3:6, 7:6, 6:1, 6:3.

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Seine Gefühle überwältigen Roddick nach dem entscheidenden Matchball im US-Open-Finale 2003 Bild: imago sportfotodienst

Der fatale Irrtum von Brad Gilbert

Das Finale gegen Juan Carlos Ferrero wird dann zu einer sehr einseitigen Angelegenheit. Mit seinen Assen Nummer 21, 22 und 23 – die Geschwindigkeitsmessung zeigt jedesmal 217 bis 225 km/h an – beendet Roddick die Partie nach nur 1:42 Stunden. 23.000 Fans im ausverkauften Arthur-Ashe-Stadium bejubeln den ersten Major-Titel ihres neuen Lieblings und hoffen, dass sie Zeuge des Beginns einer neuen Ära geworden sind.

Roddick versucht die Erwartungen zu dämpfen: "Ich habe ein Grand-Slam-Turnier gewonnen und bin ein ganz guter Tennisspieler. Aber ich bin nicht Tiger Woods." Doch sein Trainer Brad Gilbert sieht keinen Grund zur Zurückhaltung:

"Ich glaube, das ist nur der Beginn. Viele weitere große Titel werden folgen. Andy ist unglaublich talentiert. Er ist erst vor acht Tagen 21 Jahre alt geworden. Es gibt nichts, was er nicht verbessern könnte."

Brad Gilbert

Federer steht Roddick immer wieder vor der Sonne

Doch Roddick wird den Vorschusslorbeeren nicht gerecht. Zwar wird er im November 2003 die nach Lleyton Hewitt zweitjüngste Nummer Eins der Welt. Aber nach nur 13 Wochen muss er die Tenniskrone bereits wieder abgeben. Und zwar für immer. Nach seinem Australian-Open-Titel 2004 übernimmt Roger Federer die Führung in der Weltrangliste und wird sie für 237 Wochen nicht mehr abgeben. Nach ihm schaffen es nur noch Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray nach ganz oben.

Und Federer wird später zum großen Trauma in Roddicks Karriere. Nach seinem Sieg in Montreal verliert er elf Mal in Folge gegen den Maestro, ehe er in Miami 2008 endlich wieder einmal gewinnt. Am Ende seiner Karriere steht es im Head-to-Head gegen den Rekord-Grand-Slam-Gewinner 3:21. Roddick verliert vier Grand-Slam-Finals gegen den Schweizer: 2004, 2005, 2009 in Wimbledon und 2006 beim US Open.

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Im Wimbledon-Finale 2009 zieht Roddick gegen Federer zum vierten Mal in einem Grand-Slam-Final den Kürzeren. Bild: imago sportfotodienst

2013 tritt Andy Roddick zurück. Der Sieg bei den US Open 2003 sollte der einzige Major-Titel seiner Karriere bleiben. Aber immerhin kann er seinen Enkelkindern einmal erzählen, dass er während Roger Federers Karriere einen ganzen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten war.

Dieser Japaner könnte der neue Andy Roddick werden:

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