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Der Brasilianer machte sich mit dem Tor gegen Frankreich unsterblich. Bild: imago sportfotodienst

Unvergessen

Roberto Carlos tritt gegen Frankreich seinen Freistoß für die Ewigkeit

3. Juni 1997: Ein Jahr vor der WM verblüfft der Brasilianer Roberto Carlos die Fußballwelt. Erst über ein Jahrzehnt später finden Forscher eine Erklärung dafür, wie der Freistoß aus 35 Metern den Weg ins Tor finden konnte – doch der Torschütze glaubt ihnen nicht.

Ralf Meile / watson.ch

Nein, man glaubt es irgendwie immer noch nicht, auch wenn man den Freistoß in der Zwischenzeit hundert Mal gesehen hat. Wie um alles in der Welt kann der Ball ins Tor gehen? Er scheint doch auf dem Weg dorthin weit am Pfosten vorbei zu fliegen!

Nach einem Foul an Romario legt sich der 1,68 Meter kleine Roberto Carlos im Testspiel Brasiliens gegen Frankreich in der 21. Minute den Ball für einen Freistoß bereit, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Sorgfältig setzt er die Kugel aufs Gras, beinahe zärtlich behandelt er sie, achtet darauf, dass das Ventil gegen ihn gerichtet ist.

Dann holt er Anlauf: Zwölf, fünfzehn Meter vom Anspielkreis donnert er heran. Der Außenverteidiger mit den 58 Zentimeter dicken Oberschenkeln hämmert den Freistoß mit großem Effet und einer unglaublichen Flugkurve zum 1:0 ins Netz. Goalie Fabien Barthez reibt sich wie Millionen Zuschauer die Augen.

Lachen mit Zizou

Bei Real Madrid spielte Roberto Carlos gemeinsam mit Zinédine Zidane, der beim Gegentor in der Mauer stand. "Wir haben beide darüber gelacht, weil alle dachten, der Ball fliege am Tor vorbei. Die Spieler in der Mauer drehten sich nach dem Schuss um, blickten dem Ball nach und bewegten sich nach vorne. Und dann machte er diese unglaubliche Kurve… Zidane lachte und sagte zu mir: 'Das kannst nur du!' und ich antwortete: 'Nein, du kannst das auch!' Er ist phänomenal."

Der Magnus-Effekt und die Distanz zum Tor

Im Herbst 2010, dreizehn Jahre nach dem Wunderschuss, finden Forscher die Erklärung dafür, weshalb der Ball den Weg ins Tor gefunden hat. Im "New Journal of Physics" skizziert ein französisches Quartett, was es für ein Tor wie dieses benötigt.

Einerseits kommt der Magnus-Effekt zur Anwendung. Tritt man den Ball mit dem Innen- oder Außenrist besonders hart, fliegt er eine Kurve, weil der Ball rotiert und somit die Luft um ihn herum verwirbelt. Fliegt ein solcher Schuss besonders weit – weiter als 25 bis 30 Meter – ändert er die Kurve zum Schluss hin noch einmal, weil dann die Geschwindigkeit des Balls nachlässt, die Rotation aber bestehen bleibt.

"Das ist einfach Schicksal"

Ob Roberto Carlos all dies weiß, als er zu seinem historischen Schuss anläuft? Mit Sicherheit nicht, aber das spielt auch keine Rolle. Denn Roberto Carlos ist der allerbeste Beweis dafür, dass die Praxis besser ist als jede Theorie.

"Als Sie dem Ball nachsahen, glaubten Sie, dass er rein geht?", fragen die Reporter und Carlos gibt ehrlich zu: "Nein!" Er glaubt auch nicht, dass die Forscher das Rätsel um seinen Schuss gelöst haben. "Ich kann es nicht erklären. Wie kann irgendjemand erklären, wie sich der Ball verhält?", fragt der 125-fache Nationalspieler. "Das ist einfach Schicksal."

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Roberto Carlos spricht über seine intime Beziehung zum Spielgerät und über sein Wundertor am "Tournoi de France" 1997. Video: YouTube/Umbro

Unvergessen

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