Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Der Torfall von Madrid ging in die TV-Geschichte ein. Bild: imago

Diese 76 Minuten TV-Geschichte lassen jeden Aprilscherz alt aussehen

Alex Dutler / watson.ch

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück. Diesmal: 1. April 1998. Anderthalb Minuten vor Anpfiff des Champions-League-Halbfinales zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund fällt im Bernabéu schon das erste Tor. Die heißblütigen spanischen Fans haben es zum Einsturz gebracht. Was folgt, ist Fernsehgeschichte.

Wenn ein TV-Kommentator live von einer Halbfinal-Partie der Champions League berichtet, macht er sich auf einige Eventualitäten gefasst. Das Szenario, welches sich dem deutschen Profi-Plapperer Marcel Reif an einem Abend im April 1998 bietet, hat er sich aber wohl nicht in seinen schlimmsten Albträumen ausgemalt.

Real Madrid empfängt den Titelverteidiger Borussia Dortmund zum Hinspiel im Bernabéu. Die Hardcore-Fans der "Königlichen" können den Anpfiff kaum erwarten und besteigen den Zaun vor ihrer Kurve. Um 20.43 Uhr knickt das rostige Gestänge unter der Last zusammen und reißt das daran befestigte Tor mit sich.

Bild

Die Real-Fans freuen sich etwas zu sehr auf das Duell mit dem damals amtierenden Champions-League-Sieger aus Dortmund. bild: imago

Es folgen 76 wahnwitzige Minuten, während denen auf dem Rasen hektische Betriebsamkeit ausbricht. Real Madrid hat kein Ersatztor auf Lager und versucht den Schaden mit improvisierten Reparaturarbeiten zu beheben.

Traumquoten für Improvisationstheater

Während der Schiedsrichter die Mannschaften zurück in die Kabine schickt, ist man bei der Sendeleitung von RTL nicht sicher, ob man die ungeplante Unterbrechung mit Werbung füllen darf. So moderiert Marcel Reif zusammen mit Günther Jauch mehr als eine Stunde durch, ohne dass auf dem Feld nennenswerte Fortschritte erzielt werden.

Die beiden TV-Männer ernten Traumquoten. 12,76 Millionen Zuschauer wollen sehen, wie sie die prekäre Situation meistern. Das eigentliche Spiel sehen später nur noch sechs Millionen. Jauch und Reif werden für ihre humoristische Glanzleistung mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet und für den renommierten Adolf-Grimme-Preis nominiert.

Bild

Nach dem Torfall herrscht Chaos – und die Polizei drängt die Fans hinter die Absperrung zurück. bild: imago

Ein Real-Fan mit einem Lastwagen beendet das ganze Theater. Mit einer Polizeieskorte fährt er zum Trainingsgelände und transportiert von dort ein Ersatztor ins Bernabéu. Das Spiel endet nach Treffern von Fernando Morientes und Christian Karembeu 2:0 für Madrid. Das Ergebnis ist heute längst vergessen, aber die Sprüche von Reif und Jauch bleiben legendär.

"Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan."

Marcel Reif

"Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben. Das erste Tor ist schon gefallen."

Günther Jauch

Bild

Das Ersatztor kam dann irgendwann ins Stadion. bild: imago

"Meine Kenntnisse als Ingenieur sind bescheiden, deswegen gucke ich genauso staunend dahin wie Sie. Vielleicht wissen einige Tiefbaufachleute unter Ihnen zuhause, was los ist."

Marcel Reif

"Zwei Handballtore nebeneinander. Ginge das?"

Günther Jauch

Hier die Bilder des Spiels – mit den Erinnerungen von Jauch und Reif:

abspielen

Video: YouTube/Dave derTroll

"Das ist wie bei den Pfadfindern hier. Jetzt wird der Hering eingeschlagen. Wie im Zeltlager."

Marcel Reif

"Hier spielen doch die Königlichen und dann frisst da der Gammel das Tor."

Günther Jauch

"Ach, jetzt ist da auch noch Wasser. Die sind bis aufs Grundwasser gekommen. Oder ist es Öl? Mein lieber Schwan."

Marcel Reif

"Dortmund hat ja auswärts nur ein Gegentor bekommen. So gesehen könnte man das Tor auch flach da liegen lassen, so lange Stefan Klos da drin steht."

Günther Jauch

"Wenn der jetzt hinten in seinem Kämmerchen, in seinem Keller ein Tor baut, dann ist er der Held von Madrid."

Marcel Reif

"Wem der Spielstand als Verteidiger nicht gefällt, der lehnt sich einmal gegen den Pfosten."

Günther Jauch

Bild

Das Ersatztor muss aufgestellt werden, nachdem Fans von Real Madrid das erste Tor umgerissen haben bild: imago

"Warum habe ich keinen vernünftigen Beruf gelernt?"

Marcel Reif

"Wer auf der Seite die Werbebanden gebucht hat, übrigens: Glückwunsch!"

Günther Jauch

"Jo, ich dachte, wir könnten jetzt so bisschen Fußball gucken, so im Halbfinale der Champions League. Bis jetzt erleben wir hier nur einen Heimwerkerkurs."

Marcel Reif

"Oh, da hinten der Rote, der hat eine Lösung – nee, das war Rotes Kreuz."

Günther Jauch

Diese 20 Profis spielten wirklich mal für die Nationalelf

5 Grafiken zeigen, wie heftig die Mieten explodiert sind

Play Icon

Was im Sport gerade noch alles wichtig ist:

PAOK Saloniki wird erstmals seit 34 Jahren Meister – und die Ultras drehen völlig ab

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

"Legende!" – BVB-Fans feiern Marcel Schmelzer, obwohl er wieder nicht spielte

Link zum Artikel

Wie Dirk Nowitzki durch einen Physik-Trick die NBA revolutionierte

Link zum Artikel

Welcher Jahrgang von 1983 bis 2000 kann das beste Fußball-Team der Welt stellen?

Link zum Artikel

The Greek Freak – vom Athener Sonnenbrillen-Verkäufer zum weltbesten Basketballer

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Legende!" – BVB-Fans feiern Marcel Schmelzer, obwohl er wieder nicht spielte

Samstagabend, 87. Spielminute. Westfalenstadion. Über 80.000 Fans halten den Atem an. Borussia Dortmund führt 2:1 gegen Mainz 05 und BVB-Keeper Roman Bürki rettet drei Bälle von Anthony Ujah aus nicht mal einem Meter. "Bürki hat uns zwei Punkte gerettet", fasste Thomas Delaney nach dem schmeichelhaften Sieg zusammen. Die Fans haben aber noch einen weiteren Matchwinner auserkoren: Marcel Schmelzer – obwohl der nicht eine Minute auf dem Platz stand.

Jener Schmelzer wärmte sich in der zweiten …

Artikel lesen
Link zum Artikel