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Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig fürchtet die brasilianische Mutante. bild: screenshot ard

"Anne Will": Schwesig will Quarantäne für Mallorca-Urlauber

dirk krampitz

Am Montag beschließen die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin den weiteren Corona-Fahrplan, der dann auch für die Osterferien gilt. Aus dem Kanzleramt wurde vorab eine Beschlussvorlage bekannt, die in Regionen mit über 100er-Inzidenz nächtliche Ausgangssperren ins Spiel bringt und die Schließung von Schulen und Kitas in Betracht zieht. Außerdem steht eine generelle Test- und Quarantäne-Regelung für Heimkehrer aus dem Ausland zur Diskussion – auch, wenn die Inzidenz im Urlaubsland viel niedriger liegt als in Deutschland. Über "Bürokratie, Impfdebakel und steigende Infektionszahlen – hilft jetzt nur noch die Notbremse?" sprach Anne Will mit:

Es verspricht, ein hitziges Treffen der Ministerpräsidenten zu werden. Das Bundeskanzleramt stellt am Montag zum Beschluss, dass die Schulen in Regionen, die mindestens eine 100er Inzidenz haben und nicht zweimal die Woche alle Schüler und Lehrer testen, wieder schließen müssen. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern, kommentiert das erst einmal trocken: "Das Kanzleramt ist total weit weg von der Realität vor Ort." Es wird nicht so ganz klar, ob ihr die Lage der Kinder Sorgen bereitet oder die geforderte Frequenz der Tests. Aber sie verspricht: "Wir sichern den Schulunterricht mit Schnelltests ab und wollen es gern weiter hochfahren."

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Manuela Schwesig sieht Mallorca-Reisen kritisch. bild: screenshot ard

Die Bundesregierung solle die Bevölkerung erst einmal mit Schnelltests ausstatten, außerdem teile sie "die Kritik an der Corona-Warn-App", gibt sie freimütig zu. In Mecklenburg-Vorpommern seien inzwischen alle Landkreise und Gesundheitsämter an die privat entwickelte Kontaktverfolgungs-App Luca von den Fantastischen Vier angeschlossen. Moderatorin Anne Will fragt Schwesig, ob die Bundesregierung Mallorca-Rückreisende denn mit der geplanten Quarantäne bestrafen wolle.

"Wir wollen niemand bestrafen. Ich halte die Entscheidung der Bundesregierung, die Reisewarnung aufzuheben, für einen großen Fehler."

Manuela Schwesig

Denn auf Mallorca sei auch die brasilianische Corona-Mutation aufgetreten, die ansteckender und für schwerere Verläufe verantwortlich sei. Außerdem wirkten die Impfungen bei dieser Variante nicht so gut. "Ich kann ich wirklich nicht verstehen, warum wir dieses Risiko eingehen. Wenn die Entwarnung nicht zurückgenommen wird, muss es zumindest eine strenge Test- und Quarantäneregelung geben." Ansonsten plädiert sie für die Möglichkeit einen "kontaktarmen" Urlaubs etwa im Ferienhaus im eigenen Bundesland.

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Wolfgang Kubicki meldet rechtliche Bedenken an. bild: screenshot ard

Ferienhaus hin oder her. Wolfgang Kubicki, stellvertretender Vorsitzender der FDP, sieht eine Mallorca-Quarantäne mehr als skeptisch.

"Es ist rechtswidrig, wenn man Leute aus Gebieten mit geringerer Inzidenz in Quarantäne steckt."

Wolfgang Kubicki

Er plädiert für Schnelltests, so oft wie möglich, als Eintrittskarte für zum Beispiel Geschäfte. "Was uns fehlt, ist ein flächendeckendes Testen." Ansonsten beurteilt Kubicki die Lage insgesamt offenbar als nicht so schlimm. Steigende Zahlen seien auf die vermehrtes Tests zurückzuführen. Dieses längst widerlegte Mantra klingt eigentlich nach einer Diskussion, wie es sie schon vor Monaten gab. Als noch fast alles gut war.

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Das Deutschland-Bild von Samiha Shafy hat sich gewandelt. bild: screenshot ard

Damals ist Deutschland gut durch die erste Welle gekommen, doch seit dem Herbst rumpelt es ordentlich im Krisenmanagement. Die Journalistin Samiha Shafy lebte bis Herbst 2020 in New York.

"Ich habe letztes Jahr im April sehr neidisch aus New York nach Deutschland geguckt, jetzt ist es umgekehrt."

Samiha Shafy

Ihre Freunde alle schon geimpft, in ihrem Alter und ohne Vorerkrankungen. "Warum können wir das in Deutschland nicht besser?", fragt sie. Ausgangssperren und Tests seien nur "Krücken". Und: "Eine Notbremse ist leider keine Strategie." Impfen sei der einzige Weg raus aus der Pandemie – und die eigene Bevölkerung sei "nur der erste Schritt". Bei einer Pandemie mit möglichen Mutationen müsse man weltweit denken.

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Janosch Dahmen (Grüne) empfiehlt, wieder alles zu schließen. bild: screenshot ard

Ja, das Impfen. Seit einem Jahr betet die Politik die Wichtigkeit der Impfungen rauf und runter. Und trotzdem hakt es an allen Ecken und Enden. Umso erstaunlicher ist es, was Janosch Dahmen bilanziert:

"Alles hat sich aufs Impfen konzentriert und alle anderen Lösungen aus dem Blick verloren."

Janosch Dahmen

Die Einschätzung des Grünen Bundestagsabgeordneten, der noch bis November als Notarzt gearbeitet hat: "Wir sind nicht in der Situation, wo und das Virus auf dem Fersen ist, sondern es ist zwei, zwei Schritte voraus. Der Zug rollt weiter und er fährt im Moment vor die Wand." Seine Empfehlung vor der heutigen Runde der Ministerpräsidenten: "Friseure, Baumärkte – alles wieder schließen." Und auch das Schließen der Schulen bringe 30 Prozent weniger Infektionen.

Sowohl Kubicki als auch Schwesig widersprechen dieser Einschätzung. Aber am wichtigsten ist Dahmen ohnehin mehr Tempo beim Impfen: Drei Millionen Impfdosen würden derzeit in Impfzentren lagern, in 4-6 Wochen erwartet Dahmen Millionen Impfdosen, die man "gar nicht alle verimpfen" könne mit den bisherigen Strukturen mit fast ausschließlich Impfzentren. Da brauche man dringend die Hausärzte.

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Ulrich Weigeldt will die Hausärzte sofort einsetzen. bild: screenshot ard

Naturgemäß sieht das Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender Deutscher Hausärzteverband e.V., genauso. "Was für einen Grund gibt es, nicht sofort loszulegen?" Die Hausärzte wüssten am besten, wer besonders gefährdet sei und wie man die auch schwierigere Patienten erreicht. Gegen gelegentliche Vorwürfe, dass diese die Impfreihenfolge nicht einhielten, verwahrt er sich. "Wer uns diesen subtilen Korruptionsvorwurf machte, sollte in den Spiegel gucken und fragen, wie er darauf kommt", die Ärzte würden schon nicht ihren Tenniskumpel bevorzugen.

ARD schneidet Szenen mit Jan Josef Liefers aus "Tatort" – nun reagiert der WDR

Am Sonntag zeigte die ARD eine neue "Tatort"-Episode aus Münster. Wie immer mit von der Partie war auch Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Prof. Boerne. Dass die ARD so kurz nach dem Eklat um die Aktion #allesdichtmachen, an der auch Jan Josef Liefers beteiligt war, ausgerechnet einen "Tatort" mit ihm zeigt, war vielleicht nicht die cleverste Idee. Auf Twitter häuften sich zumindest die Kommentare derer, die Filme mit Liefers nicht weiter unterstützen wollen.

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