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Moderieren die großen Nachrichtensendungen im Öffentlich-Rechtlichen und Privatfernsehen (von links nach rechts): Claus Kleber ("Heute-Journal", ZDF), Peter Kloeppel ("RTL Aktuell"), Judith Rakers ("Tagesschau", ARD) und Michael Marx ("ProSieben Newstime"). credit: imago images/eventfoto54/future image/horst galluschka/Stefan Schmidbauer/unsplash/andy holmes/watson montage

Exklusiv

Nachrichten in Corona-Krise: Wem vertrauen wir am meisten und was sagen die Moderatoren dazu –
der große Vergleich

Janna Eiserbeck, Max Meyer

Wer den Fernseher anschaltet, kommt am Thema Coronavirus nicht vorbei. Sei es in den Talk-Shows von Anne Will oder Markus Lanz, im Sat.1-"Frühstücksfernsehen" oder dem "Morgenmagazin" und vor allem in den Hauptnachrichten der verschiedensten Sender. Die Corona-Krise ist allgegenwärtig. Das liegt natürlich auch daran, dass sich die Nachrichtenlage anfänglich quasi stündlich, mittlerweile mindestens täglich ändert. Das Bedürfnis der Menschen, in dieser Zeit gut informiert zu sein, ist so hoch wie selten. Das lässt auch die Zuschauerzahlen der Nachrichtensendungen in die Höhe schnellen.

Die "Tagesschau" hat seit der Verschärfung der Maßnahmen im Kampf gegen das Virus Mitte März eine deutliche Quotensteigerung erlebt. Fast jeder zweite Fernsehzuschauer schaut derzeit um 20 Uhr die Sendung in der ARD. Und auch RTL verzeichnet einen deutlichen Zuschauerzuwachs – nicht nur im TV, auch online. Die Abrufe von "RTL aktuell" beim Streaming-Anbieter TV Now hätten sich im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt, teilte der Sender bereits am 24. März mit.

Das hohe Interesse und die damit einhergehenden gesteigerten Quoten sind die eine Sache, die journalistischen Inhalte eine andere. Denn beim Umgang mit der Krise und der dazugehörigen Berichterstattung kommt Nachrichtensendungen wie der "Tagesschau", dem "Heute-Journal", der "ProSieben Newstime" oder auch "RTL aktuell" eine hohe Verantwortung zu. Selten waren die News im TV so wichtig wie jetzt – aus gutem Grund, wie Medienexperte Ferris Bühler gegenüber watson erklärt:

"Die Corona-Pandemie ist ein sehr dynamisches News-Thema, das neben täglich neuen Hard-Facts wie beispielsweise die Anzahl der Neuinfizierten auch täglich neue medizinische Erkenntnisse oder behördlich verordnete Maßnahmen mit sich bringt. Die Öffentlichkeit hat daher viele unbeantwortete Fragen und erhofft sich, diese in Nachrichtensendungen im TV beantwortet zu bekommen. News-Sendungen von uns bekannten Fernsehsendern sind gegenüber der vielen kursierenden Fake-News in den Online-Medien die zuverlässigeren Informationsquellen."

Mal funktioniert das sachliche Informieren besser, mal weniger gut. Und es gibt durchaus Unterschiede, meint Bühler: "Die Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen informieren meiner Meinung nach gegenüber den Privaten einen Ton sachlicher und unaufgeregter. Dies mag in Zeiten von Spekulations-Headlines wie 'Wann kommt die zweite Welle?' die Zuschauer etwas beruhigen."

Watson hat die unterschiedlichen Nachrichtenangebote von ARD, ZDF, ProSieben und RTL verglichen. Wie unterscheiden sich gerade in der Corona-Krise die Formate?

Der große Nachrichten-Vergleich im Überblick:

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Seit 2005 ist Judith Rakers Sprecherin der "Tagesschau". screenshot ard

"Tagesschau" (ARD)

Die "Tagesschau" gibt es 1952, damit ist sie fast so alt wie die Bundesrepublik selbst. Mit den Jahren ist die 15-minütige Sendung, die in der ARD von 20 bis 20.15 Uhr läuft, zu einer Art Institution geworden.

1. Informationsgehalt

Die "Tagesschau" ist relativ kurz und zusammenfassend. Wer sich am Tag in maximal 15 Minuten so gut wie möglich informieren möchte, ist hier richtig. Hier wird das Wichtigste zusammengefasst und verständlich präsentiert. Wer allerdings gerne eine Einordnung des Gesagten möchte oder die Geschichten hinter den Schlagzeilen sucht, findet das eher bei einem der anderen Nachrichtenformate mit mehr Sendezeit.

Informationsgehalt: hoch

2. Verständlichkeit

Die Sendung setzt darauf, reine Nachrichtenmeldungen aneinanderzureihen und mit Beiträgen zu bebildern. Dabei versucht die "Tagesschau", die Informationen so einfach wie möglich zu halten. Sie liefert wenig zusätzlichen Kontext, der das Gesagte noch einmal genauer erklären würde.

Verständlichkeit: mittel bis hoch

 Auf dem Gelaende des Norddeutschen Rundfunks NDR in Hamburg-Lokstedt ist am Donnerstag 10.10.2019 das neue Nachrichtenhaus von ARD-aktuell eroeffnet worden. Foto vom 10.10.19: Tagesschau -Sprecher Jan Hofer im neuen Newsroom Es soll unter anderem die Fernseh- und Online-Angebote wie Tagesschau , Tagesthemen und tagesschau.de enger verbinden. 16 Millionen Euro haben die ARD-Anstalten in das neue Medienhaus investiert. Die Praesentation der Tagesschau wird sich allerdings nicht aendern, weil dieses Studio in einem Nachbargeaeude untergebracht ist. Siehe epd-Bericht vom 10.10.2019 Ein neues Nachrichtenhaus fuer die Tagesschau  On the premises of the Norddeutscher Rundfunk NDR in Hamburg Lokstedt, the new ARD aktuell newsroom opened on Thursday 10 10 2019. Photo of 10 10 19 Tagesschau spokesman Jan Hofer in the new newsro Copyright: StephanxWallocha

Chef-Sprecher Jan Hofer an seinem Arbeitsplatz. Die "Tagesschau" wird vom NDR im Norden Hamburgs produziert. Bild: www.imago-images.de / Stephan Wallocha

3. Moderation

Die "Tagesschau" wird nicht im klassischen Sinne moderiert. Die vom NDR produzierte Sendung ist ihrem Grundsatz treu geblieben, keine Moderatoren, sondern Sprecher vor die Kamera zu bitten, die vorbereitete Texte via Teleprompter verlesen. Im Gegensatz zum "Heute-Journal" (ZDF) und vielen anderen Nachrichtensendungen sind die Vortragenden daher auch in der Regel keine Journalisten.

Von der aktuellen Besetzung der "Tagesschau" um 20 Uhr sind genau die Hälfte der Sprecher gelernte Journalisten: Thorsten Schröder, Linda Zervakis und Judith Rakers. Chef-Sprecher Jan Hofer, Jens Riewa und Susanne Daubner haben keinen journalistischen Hintergrund. Die Nachrichten werden relativ neutral und nüchtern verlesen, ohne eine persönliche Wertung vorzunehmen.

"Wir sind wieder verstärkt Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern. Das muss man dann aushalten."

Jan Hofer, Chef-Sprecher der "Tagesschau"

So geht es den "Tagesschau"-Sprechern während der Corona-Krise

Auch die Gesichter der "Tagesschau" müssen seit dem Beginn der Corona-Krise einiges anders machen. Gegenüber watson erklärt Chef-Sprecher Jan Hofer:

"Der Alltag hat sich insofern verändert, als dass alle sozialen Kontakte außerhalb des Senders nicht mehr wahrgenommen werden. Ich befinde mich also in einer Art selbstgewählter Quarantäne. Die Gefahr einer Ansteckung ist einfach zu groß."

4. Interviews

Interviews werden in der "Tagesschau" nicht geführt.

5. Quoten

Die Quoten der "Tagesschau" sind sehr, sehr gut. Mit ungefähr 35 Prozent Marktanteil aller Zuschauer ab drei Jahren liegt die "Tagesschau" ganz klar auf Quotenplatz eins aller Nachrichtensendungen. Auch die beachtliche Zahl von 10,5 bis elf Millionen Zuschauern zeigt, welche Reichweite die "Tagesschau" besitzt. Ab Mitte März legte die Sendung aber nochmal richtig zu und bleibt auf einem stabil höheren Niveau als üblich. Seit Mitte März schaut fast jeder zweite Fernsehzuschauer und ungefähr jeder fünfte Deutsche um 20 Uhr die "Tagesschau". Platz 1.

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Bild: ARD / AGF in Zusammenarbeit mit GfK; Zuschauer ab 3 Jahre, Marktstandard TV

Dazu sagt Chef-Sprecher Jan Hofer gegenüber watson:

"Das gesteigerte Interesse der Zuschauerinnen und Zuschauer ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit (also der gesamten Redaktion). Wir erledigen unseren Job aber immer nach den gleichen Kriterien mit der gleichen Gewissenhaftigkeit. Allerdings sind wir uns bewusst, welche Verantwortung wir gerade in Krisenzeiten haben. Und wir sind natürlich auch wieder verstärkt Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern. Das muss man dann aushalten."

6. Alleinstellungsmerkmal

Was für manche etwas altbacken und verstaubt daher kommt, ist für andere exakt das, was die "Tagesschau" ausmacht. Komprimiert und ohne Schnickschnack werden die wichtigsten Themen des Tages präsentiert. Und was wichtig ist, definiert auch heute noch zu großen Teilen die "Tagesschau". In über 65 Jahren hat die Sendung nichts an ihrer Relevanz verloren, was die immens hohen Zuschauerzahlen beweisen. Kein Wunder, dass sie sich auch in der aktuellen Corona-Krise über Traumquoten freut. Die Zuschauer vertrauen der "Tagesschau".

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Für viele das Gesicht des "Heute-Journals": Claus Kleber moderiert die Nachrichtensendung seit 2003. screenshot / zdf

"Heute-Journal" (ZDF)

Seit 1978 sendet das ZDF in der Regel um 21.45 Uhr das "Heute-Journal". Mit den 19-Uhr-Nachrichten ist das "Heute-Journal" die wichtigste Nachrichtensendung des ZDF und sorgt insbesondere mit seinen Politiker-Interviews immer wieder für Gesprächsstoff.

1. Informationsgehalt

Die Sendezeit beträgt in der Regel 30 Minuten. Das "Heute-Journal" ist daher auch um einiges ausführlicher als die meisten Nachrichtensendungen. Zwar werden nicht alle wichtigen Themen des Tages besprochen, dafür aber die wichtigsten ausführlicher. Es werden die Geschichten hinter den Schlagzeilen erzählt, Politiker interviewt und Nachrichten eingeordnet. Wolf von Lojewski, ehemaliger Moderator des "Heute-Journals", erklärte einmal: "Wenn die Nachrichten melden, dass ein Politiker das Handtuch wirft, erklärt das 'Heute-Journal', wohin das Handtuch geworfen wird."

Informationsgehalt: hoch

2. Verständlichkeit

Weil die Sendung vor allem Hintergrundinformationen und Analysen liefert, setzt sie voraus, dass man viele Nachrichten und die wichtigsten Akteure daraus bereits kennt. Grundwissen ist also schon nötig, um zu verstehen, was das "Heute-Journal" vermitteln will. Trotzdem wird auch hier viel erklärt und versucht, die Informationen so einfach wie möglich zu präsentieren.

Verständlichkeit: mittel

HEUTE-JOURNAL / Im Bild: Die langjährigen ZDF-Moderatoren des heute-journals : WOLF VON LOJEWSKI und HELMUT REITZE präsentieren ihre neue Kollegin, die 31jährige Journalistin MARIETTA SLOMKA. Sie ist den TV-Zuschauern bereits bekannt als Moderatorin der Sendung heute nacht und wird Nachfolgerin von Alexander Niemetz , der auf eigenen Wunsch aus dem ZDF ausgeschieden ist. Seit der Gründung vor 22 Jahren ist Marietta Slomka nach Ingeborg Wurster die zweite Frau als Hauptmoderatorin des täglichen ZDF-Nachrichten-Magazins. / V-0-51992 / , 29DFAHeute1 / Überschrift: HEUTE-JOURNAL Copyright: KPA !AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT! UnitedArchives00886454

Schon seit 2001 Teil des "Heute-Journals": Marietta Slomka (Mitte), damals 31 Jahre jung. Bild: www.imago-images.de / bUnited Archives / kpa

3. Moderation

Die Moderatoren des "Heute-Journals", Claus Kleber, Marietta Slomka und Christian Sievers, schrecken nicht davor zurück, auch mal ihre eigene Einschätzung zu geben und Meinungen, aber auch Emotionen durchscheinen zu lassen. So kamen Claus Kleber die Tränen, als er 2015 die rührende Geschichte eines Busfahrers erzählte, der ankommende Flüchtlinge mit "Welcome to Germany" begrüßte.

Was die Stärken des "Heute-Journals" sind, nämlich statt trockenen Nachrichten auch die Einordnung zu liefern und Themen kritisch zu hinterfragen, sind oft aber auch die größten Kritikpunkte. Einige Zuschauer bemängeln, die Nachrichten seien tendenziös und enthielten zu viel Meinung. Für einen Witz über Russlands Präsident Wladimir Putin erntete Moderator Christian Sievers Anfang des Jahres heftige Kritik.

"Es gab in den vergangenen Wochen immer wieder Momente, in denen ich im Studio schlucken musste."

Christian Sievers, Moderator des "Heute-Journals"

So geht es den Moderatoren während der Corona-Krise

Auch für die Moderatoren des "Heute-Journals" ist die aktuelle Situation eine Herausforderung. Gegenüber watson sagt Moderator Christian Sievers:

"Das sind bedrückende Zeiten. Wenn man jeden Abend Nachrichten von Tod und Krankheit hat, und über die weiteren, enormen wirtschaftlichen Folgen dieser Pandemie, dann geht das an niemandem vorbei. Es gab in den vergangenen Wochen immer wieder Momente, in denen ich im Studio schlucken musste. Und es wird noch lange so bleiben, dass wir uns über die Welt, in der wir da aktuell leben, die Augen reiben werden und große Sorgen machen. Wir haben in der Krise aber auch gemerkt, wie sehr wir uns hier alle aufeinander verlassen können – in Redaktion und Technik. Auch, wenn wir jetzt sehr distanziert arbeiten müssen. Kollegen schneiden zu Hause ganze TV-Beiträge, die Maskenbildnerinnen melden sich aus sicherer Distanz mit Tipps und Korrekturen. Und dann lachen alle mal kurz über den Moderator, der jetzt allabendlich versuchen muss, sich selbst zu schminken."

4. Interviews

Die Interviews sind das Herzstück des "Heute-Journals". Wenn Marietta Slomka beispielsweise Markus Söder, Horst Seehofer oder den kurzzeitigen thüringischen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich in die Mangel nimmt, dann ist das wirklich guter Journalismus und wird zu Recht in den sozialen Netzwerken gefeiert. Hier merkt man auch, dass die Moderatoren ihr journalistisches Handwerk gelernt haben.

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Für ihr Interview mit Thomas Kemmerich erhielt Marietta Slomka in den sozialen Medien viel Zustimmung, aber auch Kritik. Video: YouTube/ZDFheute Nachrichten

5. Quoten

Das "Heute-Journal" liegt mit durchschnittlich vier Millionen Zuschauern auf Platz zwei der Nachrichtenformate. Seit Jahresbeginn hatte die Sendung im Schnitt 14,7 Prozent Marktanteil. Seit dem 15. März sind die Quoten allerdings noch einmal erheblich gestiegen. Seit Beginn der Corona-Krise sehen im Schnitt 4,76 Millionen Zuschauer das "Heute-Journal", was einem Marktanteil von 15,5 Prozent entspricht. In der Rangliste bedeutet das: Platz 2 hinter der "Tagesschau".

Auch Moderator Christian Sievers freut sich über die gesteigerte Aufmerksamkeit in schwierigen Zeiten:

"Die Reaktion unseres Publikums gibt uns Rückenwind: Ich treffe gerade viele Menschen auf der Straße, die mal kurz loswerden wollen, wie sehr sie den Wert von verlässlichen und unabhängigen Nachrichten schätzen. Ganz besonders jetzt."

6. Alleinstellungsmerkmal

Insbesondere die Politiker-Interviews sind in den vergangenen Jahren eine Stärke des "Heute-Journals" geworden. Die Sendung produziert immer wieder hitzige Diskussionen und hin und wieder auch überraschende Statements von Spitzenpolitikern. Dass sie Einordnung statt bloßen Nachrichten liefert, stört einige, andere freuen sich aber auch über Orientierung in der immer unübersichtlicher werdenden Nachrichtenlandschaft.

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Seit 1992 nicht mehr aus dem RTL-Abendprogramm wegzudenken: Peter Kloeppel (l.) und Ulrike von der Groeben. Bild: RTL

"RTL Aktuell"

Seit 1988 ist "RTL Aktuell" bereits auf Sendung. Die Nachrichten werden täglich um 18.45 Uhr live aus Köln gesendet. Inbegriff der Sendung ist Chef-Moderator Peter Kloeppel.

1. Informationsgehalt

In der 20-minütigen Sendung bekommt der Zuschauer alles geliefert, um anschließend umfassend informiert zu sein – vom aktuellen Nachrichtengeschehen bis hin zum Sport. Die Beiträge sind ausführlich und werden teilweise mit Einschätzungen durch Korrespondenten untermauert, und dadurch eingeordnet. Überhaupt werden die Geschehnisse in den Beiträgen durch den Off-Sprecher mit Kontext wiedergegeben und nicht nur als blanke Nachricht.

"Es ist noch wichtiger als sonst, einen kühlen Kopf zu bewahren."

Peter Kloeppel, Chef-Moderator bei "RTL Aktuell"

Chef-Moderator Peter Kloeppel bringt die besondere Aufgabe, die den Nachrichtenmachern in der aktuellen Lage zukommt, gegenüber watson auf den Punkt:

"In meiner mittlerweile fast 40-jährigen Tätigkeit als Journalist ist dies die umfassendste Krise, über die ich je zu berichten hatte. Weltumspannend, angsteinflößend, in ihren Folgen nicht absehbar, täglich neue Wendungen nehmend. Insofern besteht für uns die tägliche Herausforderung darin, die Übersicht zu behalten und das sehr Wichtige vom weniger Wichtigen zu trennen. Das heißt: Wir müssen die Zuschauer mit den relevanten Fakten versorgen, Einordnungen bieten, Fragen beantworten, Ängste adressieren, aber auch immer wieder Hoffnung machen, wenn es Anlass dazu gibt. Für mich als Moderator ist es deshalb noch wichtiger als sonst, einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn mich die Sorgen und der in Teilen nachvollziehbare Ärger unserer Zuschauer zutiefst bewegen."

Neben einigen großen Beiträgen mit Hintergrundinformationen liefert "RTL Aktuell" die wichtigsten Corona-News im Kurzüberblick. In der Sendung bleibt somit auch noch Zeit, Themen fernab der Pandemie sowohl ausführlicher als auch kurz und knapp zu behandeln.

Informationsgehalt: hoch

2. Verständlichkeit

Durch die gleichzeitige Einordnung der Themen in einen teils größeren Kontext sind die Nachrichten sehr gut verständlich, auch wenn man den Tag über nicht bereits die Nachrichtenlage im Internet oder in der Zeitung verfolgt hat.

Verständlichkeit: hoch

Bildnummer: 56769220  Datum: 01.03.1993  Copyright: imago/teutopress
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RTL-Newsanchor Peter Kloeppel 1993 zu Beginn seiner Karriere als Journalist. Bild: imago images / teutopress

3. Moderation

Eine Zeit lang befand sich nur der Hauptmoderator im Studio, nun sind wieder zwei Sprecher anwesend: Peter Kloeppel, Maik Meuser oder Charlotte Maihoff sind für die Nachrichten zuständig, Ulrike von der Groeben, Birgit von Bentzel, Jana Azizi oder Andreas von Thien für den Sport. Vor allem bei der Übergabe an den jeweiligen Kollegen wird es dann auch mal ziemlich locker. Da ist auch mal Platz für kleine Wortwitze und kurzes Geplänkel. An der Ernsthaftigkeit der Sendung kommen dadurch trotzdem keine Zweifel auf.

So arbeiten die Moderatoren von "RTL Aktuell" während der Corona-Krise

Gegenüber watson berichtet Chef-Moderator Peter Kloeppel, wie er die aktuellen Beschränkungen im Arbeitsalltag erlebt:

"Da ein Großteil unserer Mitarbeiter von zu Hause arbeitet, fehlt mir bisweilen auf den Fluren oder in der Kaffeeküche der spontane Austausch, der einen auf Ideen für Geschichten oder einfach nur andere Gedanken bringt. Wie alle anderen Menschen freue auch ich mich wieder auf ein wachsendes Maß an Normalität. Auch wenn wir in dieser Hinsicht noch eine Menge Geduld mobilisieren müssen: Ich halte mir gleichzeitig immer vor Augen, dass Millionen Menschen derzeit keine Arbeit haben, während es für uns Journalisten so viele Aufgaben gibt wie selten zuvor."

4. Interviews

Ausführliche Interviews werden in der Sendung nur selten gezeigt, für die ist eher im Morgenmagazin "Guten Morgen Deutschland" oder im "Nachtjournal" Zeit. Einige kurze Fragen von Politikern hingegen haben ihren Platz.

5. Quoten

Die Quoten von "RTL Aktuell" lagen bis Mitte März bei ungefähr 3,5 Millionen Zuschauern, bedeutet im Schnitt ein Marktanteil von 14,3 Prozent bei allen Zuschauern ab drei Jahren. Bei den jungen Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren holt die Sendung sogar 17,6 Prozent Marktanteil.

Seit Beginn der Corona-Krise Mitte März legte die Sendung noch einmal zu und hat seither im Schnitt 16 Prozent Marktanteil bei allen Zuschauern ab drei Jahren und knapp vier Millionen Zuschauer. Bei Zuschauern unter 50 Jahren schafft es das Nachrichtenformat sogar auf über 20 Prozent Marktanteil. Jeder fünfte Zuschauer unter 50 schaut um 18.45 Uhr "RTL Aktuell". Platz 3.

6. Alleinstellungsmerkmal

"RTL Aktuell" liefert Nachrichten und ordnet diese auch noch ein. Der Privatsender verpackt das alles dann auch noch in einem etwas weniger altbackenen Rahmen. Die Farben etwas bunter, die Moderatoren etwas spritziger. Das kommt vor allem auch bei den jüngeren Zuschauern gut an, wie die Quoten zeigen.

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In der Regel um 18 Uhr auf ProSieben zu sehen: die "ProSieben Newstime". Bild: Screenshot / Prosieben

"ProSieben Newstime"

Als ProSieben mit seiner Nachrichtensendung am 1. Januar 1989 an den Start ging, hieß das Format noch ganz klassisch "ProSieben Nachrichten". Daraus wurde im Dezember 2004 dann die "Newstime". Mit dem neuen Namen kam auch ein neues Design. Das etwa zehnminütige Format wird immer um 18 Uhr ausgestrahlt.

1. Informationsgehalt

Die "ProSieben Newstime" ist mit knapp zehn Minuten eine besonders kurze, schnell auf den Punkt gebrachte Abhandlung der wichtigsten Geschehnisse des Tages. Von den aktuellen Corona-Fallzahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) über neue Entwicklungen bei den Lockerungen der Maßnahmen bis hin zum Joggen als Ersatzsport während der Krise. "ProSieben Newstime"-Moderator Michael Marx erklärt watson:

"Die Corona-Pandemie verändert sich jeden Tag und beschäftigt und verunsichert die Menschen. Deswegen versuchen wir im Rahmen von 'Newstime' möglichst umfassend, verständlich, aber auch kritisch über die Entwicklungen zu informieren. Gerade in so einer Krise sind verlässliche Informationen gefragt, wie das Zuschauerinteresse zeigt."

Für Themen abseits der aktuellen Lage ist in dem kurzen Format derzeit jedoch kaum Platz. Wer also Informationen zum Weltgeschehen fernab vom Coronavirus bekommen möchte, ist hier momentan nicht richtig.

Informationsgehalt: mittel

2. Verständlichkeit

ProSieben ist als Vollprogramm verpflichtet, auch Informationssendungen auszustrahlen. Diesem Auftrag kommt die "Newstime" nach. Nach kurzer Einführung durch den Moderator folgen die kurzen und knackigen Nachrichtenbeiträge, die gerne auch mal mit bunten und prägnanten Grafiken aufgehübscht werden – eben angepasst an das Sehverhalten der im Vergleich zur Konkurrenz von ARD und ZDF doch etwas jüngeren Zuschauergruppe. Durch eingefügte Statements aus Straßenumfragen liefert die "Newstime" auch oft noch einen Querschnitt der Gefühlslage der deutschen Bevölkerung, ohne selbst etwas bewerten zu müssen.

Verständlichkeit: mittel bis hoch

Moderator Michael Marx (Mitte) PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY !AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT!

Seit 1999 moderiert Michael Marx (3.v.l.) die "ProSieben Newstime". Bild: imago stock&people / APress

3. Moderation

Das Moderatoren-Team Michael Marx, Laura Dünnwald, Leslie Nachmann und Stephanie Puls ist im Vergleich zu anderen Nachrichtenmoderatoren relativ jung. Mit seinen 53 Jahren sticht Marx bereits heraus. Dennoch: Er ist und bleibt das Gesicht der Sendung. Bei der Präsentation der Nachrichten nimmt er sich, genau wie seine Kolleginnen, gekonnt zurück. Allerdings zeigen die Moderatoren auch durchaus mal Humor. So durfte 2013 einmalig Joko Winterscheidt die Moderation der Sendung übernehmen. Möglich wurde das damals durch die "Geh wählen!"-Kampagne des Senders. Also führte Marx kurzerhand gemeinsam mit Joko durch die Sendung.

So geht es den Moderatoren der "Newstime" während der Corona-Krise

Seit der Corona-Krise hat sich auch für die Moderatoren der Sendung einiges verändert. Zwar sei Homeoffice für sie in der Krise nicht möglich, wie Michael Marx watson sagt, aber der persönliche Kontakt in der Redaktion sei auf das Notwendigste reduziert.

"Besprechungen finden nur telefonisch oder per Video-Chat statt. Das macht im Büro schon etwas einsam. Und dass ich mich mal selbst schminke, hätte ich auch nicht gedacht. Aber man lernt immer noch dazu."

Michael Marx, Moderator der "ProSieben Newstime"

4. Interviews

Platz für große Interviews mit Politikern ist da nicht. Stattdessen setzt das Format auf O-Töne von der Straße sowie kurze Einordnungen durch einen Experten oder Politiker-Statements, um ihre knappen News-Beiträge zu untermauern.

5. Quoten

Bis zum Beginn der Corona-Krise Mitte März lag der Marktanteil der "ProSieben Newstime" bei der Zielgruppe von 14 bis 49-Jährigen Zuschauern bei 9,5 Prozent. Bei 14 bis 29-Jährigen Zuschauern ist die Sendung stärker vertreten und wurde von 14 Prozent der Zielgruppe geschaut.

Seit Beginn der Corona-Krise hat auch die "ProSieben Newstime" noch einmal etwas zugelegt und erreicht nun durchschnittlich 10,8 Prozent der Zuschauer von 14 bis 49 Jahren und 14,6 Prozent der Zuschauer zwischen 14 und 29.

Damit belegt die "ProSieben Newstime" klar Platz 4 in Sachen Quoten.

6. Alleinstellungsmerkmal

Die "ProSieben Newstime" konzentriert sich ohne Drumherum auf das Wesentliche und gibt dem Zuschauer die wichtigsten News des Tages kurz und knapp mit auf den Weg.

Fazit

In Sachen Reichweite und Relevanz schlägt niemand die "Tagesschau". Mit im Schnitt über zehn Millionen Zuschauern ist die Sendung auch nach 65 Jahren noch der Goldstandard in Sachen Nachrichten und auch in unserem Vergleich die Nummer eins. Wer jedoch etwas mehr Einordnung und Informationen als bloße Nachrichten möchte, ist beim "Heute-Journal" besser aufgehoben, das die Geschichte hinter den Schlagzeilen erklärt und interessante Politiker-Interviews führt.

Wem die Nachrichtenformate der Öffentlich-Rechtlichen zu trocken und angstaubt sind, findet bei "RTL Aktuell" eine modernere Aufmachung und jüngere Themenauswahl. Die "ProSieben Newstime" hingegen ist für jüngere Zuschauer, die sich in zehn Minuten einen Überblick über die Themen des Tages verschaffen wollen. Mehr Platz bleibt in der knappen Sendezeit auch nicht.

"Corona-Effekt"

Die Nachrichtensendungen profitieren in Sachen Zuschauerzahlen von der erhöhten Aufmerksamkeit in der Corona-Krise. Bei allen Nachrichtenformaten steigen die Zuschauerzahlen ab Mitte März beträchtlich an. Besonders die Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen erleben einen Zuschauerzuwachs. Am meisten vertrauen die Zuschauer aber in der Krise dem Klassiker, nämlich der "Tagesschau".

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • stahlbau-grauerwolf 03.05.2020 11:07
    Highlight Highlight nun, ich arbeitete ja in einem Staat wo man ebenso seine Meinung frei äußern konnte, nämlich im
    Sinne und gemäß der Politik des Staates.
    Mit der sog. freien Meinungsäußerung bin ich da doch
    immer etwas skeptisch und bilde mir heute meine eigene Meinung.
    Meine Erfahrung sind, nach der These
    "Wess Brot ich esse, dess Lied ich sing"
    Man möge mir da widersprechen, aber irgendwo ist da
    immer eine gewisse Abhängigkeit vorhanden, der man
    sich anschließen muss, um nicht beiseitegeschoben
    zu werden.
    Das ist so, auch bei den Moderatoren etc.

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