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In "Chernobyl" geht es um die Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im April 1986. Das gefällt nicht jedem. Bild: SKYVISON

Russland ist auf die Serie "Chernobyl" sauer – und dreht jetzt eine "richtige" Version

Die Serie "Chernobyl" ist in diesen Tagen in aller Munde. Auf IMDb hält "Chernobyl" aktuell ein unglaubliches Rating von 9,6 von möglichen 10 Punkten.

Damit liegt die Serie sogar vor Hits wie "Breaking Bad" (9,5) und "Game of Thrones" (9,4).

Fairerweise muss man aber sagen, dass diese Serien sich jeweils den kritischen Meinungen von weit über einer Million Zuschauern stellen mussten. Trotzdem spricht es für "Chernobyl", dass die Serie sich aktuell auf vielen wichtigen Bewertungsseiten auf Platz eins der Charts hält.

Russisches Staatsfernsehen ist nicht erfreut

Obwohl Russland in der Serie nicht sehr gut weg kommt, loben selbst russische Medien "Chernobyl" – zumindest die unabhängigen. Das russische Staatsfernsehen NTV ist nämlich überhaupt nicht erfreut darüber, wie die ehemalige Sowjetunion in der Serie dargestellt wird.

Und was tut man in solchen Fällen? Genau, man dreht kurzerhand eine eigene Version der Serie und stellt die Dinge "korrekt" dar. Das verkündete das russische Staatsfernsehen bereits im Juni, kurz nachdem "Chernobyl" erschienen war. Inzwischen tauchen immer weitere Details zur russischen Variante auf.

Und so sieht die russische "Wahrheit" aus

Die Arbeiten an der Serie sind anscheinend schon mitten in der Vorproduktion. Regisseur, Darsteller und Budget stehen fest – es hat den Anschein, als wolle der russische Staat die Serie so schnell wie möglich dem Volk vorsetzen. Laut einem Bericht des US-Branchenblatts "The Hollywood Reporter" hat das Kulturministerium 30 Millionen Rubel für die Produktion bewilligt. Das entspricht etwa 420.000 Euro.

Auch die Arbeiten am Drehbuch sind anscheinend sehr weit fortgeschritten. Die reichweitenstarke russische Online-Zeitung "Komsomolskaya Pravda" hat mit dem Hauptdarsteller Dmitry Ulyanov bereits über die Serie geredet. Ulyanov wird demnach einen treuen, russischen Offizier der Spionageabwehr spielen. Ihm stellen die Serienmacher einen CIA-Spion entgegen, der das Kernkraftwerk Tschernobyl sabotieren will. Als er aber bei diesem ankommt, geschieht etwas, das sein Weltbild für immer verändern wird.

Regisseur Alexei Muradov findet an dieser alternativen Geschichte nichts seltsam:

"Wieso überrascht euch das? Es gibt eine Hypothese über die Einmischung der Amerikaner im Kernkraftwerk Tschernobyl. Viele Historiker schließen nicht aus, dass am Tag der Explosion einer der Agenten des feindlichen Geheimdienstes auf der Station arbeitete. Es wurde bisher noch nicht festgestellt, ob seine Aktivität mit der Explosion in Zusammenhang steht oder nicht."

Weißrussland als UdSSR-Kulisse

Um Kosten zu sparen, wird die Serie in Weißrussland gedreht. In der Umgebung von Minsk, Woloschin und einigen anderen Städten seien die städtischen Kulissen perfekt, um den Geist der 80er-Jahre einzufangen. Die Macher schwärmen davon, dass diese Städte "lebende Inseln der UdSSR" seien: Alte Schilder und Straßennamen, alte Gebäude, die nicht von Außenwerbung zugepflastert sind und jede Menge Denkmäler von sowjetischen Soldaten.

Veröffentlichen will das russische Staatsfernsehen seine Variante von "Chernobyl" noch 2019. Und der Titel der Serie? Natürlich "Tschernobyl" – nur eben auf Russisch.

(psc)

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