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Diesmal bei "Hart aber Fair": Clankriminalität. Bild: ard/screenshot

"Hart aber Fair": Anwalt kritisiert Minister für unbedachten Clankriminalität-Kampf

Sie verkaufen Drogen, bekämpfen sich auf offener Straße oder sollen auch Rapper wie Capital Bra erpressen: Kriminelle Clans. Die aktuelle Folge der ARD-Talkshow "Hart aber Fair" beschäftigte sich mit der Clankriminalität in Deutschland und der Frage, wie effektiv der deutsche Staat gegen diese vorgeht.

Bereits in den ersten Minuten zieht der NRW-Innenminister Bilanz: So gab es in seinem Bundesland im vergangenen Jahr insgesamt 860 Kontrollen und Razzien gegen Clankriminalität. Bei diesen wurden 26.000 Personen kontrolliert. Am Ende führten die Kontrollen zu 360 Festnahmen. "Unsere Maßnahmen sorgen dafür, dass Polizei und deutscher Staat ernst genommen werden“, sagt Reul, "wir haben Ergebnisse geliefert.

Nicht jeder ist zufrieden

Zu den Zahlen äußern sich die anderen Gäste nicht. Allerdings ist nicht jeder der Anwesenden mit der Vorgehensweise der Beamten zufrieden:

"Da sollte man nicht nach dem Heuschreckenprinzip vorgehen. Die großen Dinge werden meines Erachtens nicht ermittelt und nicht verfolgt."

László Anisic (Strafverteidiger)

Außerdem betont Anisic, dass bei den Ermittlungen in NRW "Gleichmacherei" betrieben werde. Man könne nicht alle in eine Schublade pressen und direkt darauf losgehen. In der Talkshow wird auch ein Zitat des SPD-Fraktionsvorsitzenden in NRW, Thomas Kutschaty, gezeigt, das ebenfalls Heuls Kampf gegen Clankriminalität infrage stellt:

"Wir erleben öffentlichkeitswirksame Razzien, bei denen unversteuerter Tabak sichergestellt wird. Aber man jagt da nur die Boten der Clans, nicht die Bosse."

Thomas Kutschaty

Problematisch sei dabei, dass die Namen der Familienclans stigmatisiert werden könnten. So sagte Anisic, dass er bereits Erfahrungen mit einem Mandanten gemacht habe, der aufgrund seines Nachnamens bei einer Wohnungssuche scheiterte. Und das, obwohl dieser Zahnarzt sei und mit den kriminellen Strukturen nicht zu tun hätte.

Ahmad A. Omeirate kritisierte ebenfalls das Vorgehen der Polizei. Er erklärte, dass sich Familien im osmanischen Reich anderen Familien angeschlossen und ihren Namen übernommen hätten. Dadurch seien die Großfamilien so weit verzweigt, dass ein großer Abstand zwischen einem Namensträger und einem anderen entstehe.

Viele offene Fragen in Sachen Clankriminalität

Interessant wird es, als Omeirate dem NRW-Innenminister vorwirft, er würde mit seiner Vorgehensweise vermitteln, dass jeder mit dem betreffenden Namen ein Straftäter sei. Der Journalist Olaf Sundermeyer sieht darin ebenfalls ein Problem, betont aber auch, dass die organisierte Clankriminalität weiterhin Teil der politischen Agenda sein sollte. Dem stimmt die Kriminologin Dorothee Dienstbühl zu.

Auch wenn sich die Gäste um Antworten bemühen, bleiben zum Ende von "Hart aber Fair" viele Fragen offen. Denn gerade weil die Familienstrukturen so komplex sind, können die kriminellen Tendenzen einzelner Mitglieder häufig nur schwer erfasst werden.

(tkr)

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