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Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Tanja Brunnert warnt vor den Folgen des Lockdowns für junge Menschen. ZDF/Screenshot

Kindermedizinerin bei "Lanz": "Kinder sind traurig und nachdenklich"

Die Infektionszahlen mit dem Corona-Virus sinken, dennoch gibt es keine Entwarnung. Am Mittwoch beraten die Ministerpräsidenten erneut über das weitere Vorgehen - viele gehen von einer Verlängerung des Lockdowns aus. Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Tanja Brunnert warnt am Dienstagabend bei "Markus Lanz" vor den Lockdown-Folgen für junge Menschen. Für diese Gruppe sei es nicht egal, wie lange der Zustand noch so weitergeht. Sie spricht von "großen Sorgen", die sie sich mache.

In 80 Tagen um die Welt

Bevor sich das Thema an diesem Abend um das Coronavirus dreht, geht es noch um jemanden, der nun zurückgekommen ist von seiner Weltumsegelung. Boris Herrmann errang als erster Deutscher jüngst den fünften Platz bei der Vendée Globe. Bei "Lanz" erzählt er von seinen beeindrucken Erlebnissen auf der härtesten Einhandregatta der Welt.

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Boris Herrmann als er nach 80 Tagen wieder am Startpunkt der Weltumsegelung ist. ZDF/Screenshot

"Es ist toll, wieder an Land zu sein. Und unter Menschen."

Boris Herrmann

1873 wurde das Buch "In 80 Tagen um die Welt" von Jules Verne veröffentlicht und genauso lange braucht auch Herrmann, um die Welt zu umsegeln. Er ist froh, wieder zurück zu sein, doch wird er sich noch einige Wochen von der "permanenten mentalen Anspannung" erholen müssen. Der Hamburger hat sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Die Angst gehöre da dazu, jedoch sei der Segelsport "sehr sicher", erklärt der 39-Jährige. Bisher seien zwei Menschen in den vergangenen 35 Jahren bei dieser Tour ums Leben gekommen. Bei der Formel 1 würden die Fahrer vorher "beten", sagt er. Trotzdem gibt er zu: "Ich habe mir das nicht so hart vorgestellt."

Im Südpolarmeer, nur 300 bis 400 Meter von der Arktis entfernt, habe er am meisten Angst gehabt, erklärt der Profisegler. Zwar würde das Eis beobachtet werden, jedoch wisse man nie, wo genau ein Eisberg ist. Er erzählt davon, wie er sich mehrfach am Tag umziehen musste, weil er Klimazonen überquert habe. Zudem waren seine Tage 35 Minuten kürzer, weil er ständig die Zeitzonen wechselte. Seine 2000 bis 4000 Kalorien, die er am Tag brauchte, nahm er durch Astronautennahrung zu sich. Doch bei einer Sache wurde es sogar ihm etwas mulmig.

Etwas an seinem 30 Meter hohem Mast verhakte sich und er musste hinaufklettern, um das Problem zu lösen - jedoch leidet er unter Höhenangst. Er habe das mehrfach trocken geübt vorher. Als es darauf ankam, habe er einfach versucht, nicht über die Höhe nachzudenken. Ein französischer Kollege kenterte später tatsächlich mit seinem Boot und fiel ins Wasser. Schiffe in der Nähe würde rund elf Tage brauchen, um ihn zu retten, wenn sie ihre Routen ändern müssen - Flugzeuge und Hubschrauber kämen gar nicht erst ran, sagt der Profi. Segelschiffe, die in der Nähe waren, brachen schließlich auf, um den Mann aus dem Wasser zu retten. Die Wellen waren bis zu sechs Meter hoch: "Es war bitterkalt. Man fühlt sich sehr hilflos." Doch am Ende konnten sie den Mann aus dem Wasser holen.

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Boris Herrmann bei "Markus Lanz". ZDF/Screenshot

Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon lange keine anderen Menschen mehr gesehen. Herrmann erzählt von der Einsamkeit auf seinem Segelschiff. Mit Hilfe eines Satelliten konnte er jedoch Nachrichten auf seinem Handy empfangen.

"Man darf den Ozean nicht romantisieren. Wir sind ihm gleichgültig."

Boris Herrmann

Herrmann, der auch Greta Thunberg über den Atlantik nach New York brachte, sammelte unterwegs Daten zum Klimawandel und dem CO2 im Meer. Dort würden die Effekte erst später sichtbar werden, da Wasser "träge" sei. Für ihn ist das Segeln ein Weg, um darauf aufmerksam zu machen. Die Tour um die Welt würde er auf jeden Fall wieder machen: "Meine sportliche Ambitionen wachsen."

"Wir machen uns große Sorgen"

Von den Weltmeeren geht es zu Corona. Dr. Tanja Brunnert, die als Kinder- und Jugendmedizinerin in Göttingen tätig ist, berichtet bei "Lanz" von ihrem Praxisalltag derzeit. Dabei bringt sie erschreckende wissenschaftliche Erkenntnisse zu Corona-Infektionen bei Kindern mit. Dabei geht es nicht um die körperlichen Symptome, sondern um mentale, psychische Erkrankungen. "Wir erleben, dass Kinder einen hohen Gesprächsbedarf haben. Durch alle Schichten hindurch. Auch bei den kleinen. Wir machen uns große Sorgen um die Familien, wo das nicht aufgefangen werden kann."

Während Säuglinge eventuell sogar davon profitieren, dass die Eltern zu Hause sind und mehr Zeit für sie haben, ist das insbesondere für Kinder im Krippenalter eine Zumutung. Das sei ein Alter, in dem Kinder "raus müssen". Kinder in dem Alter bräuchten den sozialen Kontakt zu anderen Kindern, sie müssen lernen, wie man sich in einer Gruppe verhält und auch behauptet. Viele würden genau das nun auch verlernen. "Sie brauchen das, ansonsten werden sie, ich will nicht sagen, verhaltensauffällig, aber es ist schwierig." Die Ärztin erzählt von aktuellen Ergebnissen von Vorsorgeuntersuchungen, wo Kinder verstärkt antworten würden, sie seien "traurig und nachdenklich".

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Die Ärztin warnt vor den Folgen des Lockdowns für Kinder und Jugendliche. ZDF/Screenshot

"Ein ganz schreckliches Thema", "die Zahlen sind erschreckend" - damit meint die Medizinerin nicht die Infektionszahlen, sondern den Medienkonsum der Kinder während des Lockdowns. Während sie empfiehlt: "bildschirmfrei bis drei" - womit bis zu einem Alter von drei Jahren gemeint ist - gäbe es Fälle, wo die Kinder drei Stunden am Tag vor einem Bildschirm verbrächten. Dies sei "schichtenabhängig" und habe die Kluft zwischen den Familien noch weiter verschärft. Dieser Medienkonsum habe "massive Auswirkungen auf die Sprachentwicklung und soziale Entwicklung" warnt Brunnert. Für die Kinder sei es nicht egal, wie es weitergehe mit den Corona-Maßnahmen. Daher wünscht sich die Ärztin klare "Handlungsanweisungen und Ehrlichkeit" von der Regierung.

Einer, der vormacht, wie das mit der Ehrlichkeit geht, ist der Münster Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU). In seiner Stadt rangieren die Neuinfektionen beständig auf einem niedrigen Niveau. Wie er das hinbekommen habe, möchte Moderator Markus Lanz von ihm wissen. Er erklärt, man müsse immer "vor den Ereignissen herlaufen". Lewe hat daher bereits im Februar 2020 einen Krisenstab in Münster eingeführt. "Im Februar 2020?, fragt Lanz ungläubig nach. "Ja, damals wurde mir gesagt, ich solle die Leute nicht verrückt machen". "Von wem?", hakt der Moderator direkt nach. Der Politiker zögert kurz und sagt dann: "Spielt doch keine Geige!"

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Markus Lewe ist OB in Münster und hat die Corona-Krise bei sich im Griff. ZDF/Screenshot

Er habe seine Bevölkerung stets intensiv informiert und auch sich selbst. Daher sei das Vertrauen in die Politik und die Maßnahmen hoch. Auch habe Münster als zweite Stadt in Deutschland eine generelle Maskenpflicht eingeführt. Der CDU-Politiker gibt der Medizinerin recht und sagt, dass die Perspektivlosigkeit für die Kinder "am schlimmsten" sei. Er fordert auch klare Strategien - auch für die Kulturbranche, die "völlig am Boden" sei. Er spricht sich dafür aus, bereits jetzt über langfristige Strategien zum Aufbau nachzudenken.

"Die neue Variante des Virus ist fitter"

Am Ende der Sendung kommt noch der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs zu Wort. Er ist Experte in seinem Bereich und arbeitet an der Berliner Akkon Hochschule für Humanwissenschaften. Nachdem sich in einem Altersheim in Osnabrück Bewohner nach der Corona-Impfung mit einer Mutation ansteckten, ist nun die Frage groß, wie sicher der Impfschutz ist. Der Experte meint, dass dies durchaus vorkommen könne, weil die Mutationen sich schnell ausbreiteten. Ulrich sagt: "Die neue Variante des Virus ist fitter, was das Ansteckungspotenzial angeht."

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Prof. Timo Ulrichs glaubt daran, dass die Corona-Mutation ansteckender ist. ZDF/Screenshot

In Dänemark und Portugal würde sich insbesondere die Mutation aus Großbritannien stark ausbreiten, erklärt Lanz. Der Experte erklärt, je mehr Viren es gäbe, desto mehr Mutationen würden auch entstehen. Trotzdem sei es eine gute Nachricht, dass die Infektionszahlen nach unten gingen. Dann sagt er etwas Beruhigendes: Zwar würde sich die Mutation ausbreiten, jedoch die andere Variante dadurch weniger werden. Die Gesamtsituation würde sich somit nicht ändern. Zwar könne die Mutation "besser andocken" und sei somit ansteckender, jedoch könne man auch dieses eindämmen - mit den richtigen Schutzmaßnahmen wie Masken und Abstand.

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