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Das mit den Corona-Tests klappte kurz. Gibt's auch bald Abitur-Zeugnisse an der Kasse von Aldi? ZDF / Screenshot

Verzweiflung bei der "Heute-Show": "Die Welt lacht sich kaputt über uns"

Jürgen winzer

Schwere Zeiten erfordern mutige Initiativen. Wenn schon die Bundesregierung versagt – Gernot Hassknecht zeterte: "Wie blöd sind wir eigentlich?" -, dann muss eben die "Heute-Show" ran. Und da gab's ein paar tolle Ideen. Kommt das "Wir schaffen das!"-Feeling zurück?

Oliver Welke stellte in der "Heute-Show" (ZDF) eine einfache, aber tragische Rechnung auf: "Mutante – Teststrategie + Schneckentempo beim Impfen = exponentielles Wachstum". Leider hat die Bundesregierung davon noch nichts gehört: "Die dritte Welle ist da, und wir lockern", stellte Welke fast entsetzt fest. "Mal sehen, wie lange noch." Man sehne sich in diesen mutlosen Zeiten, so Welke, nach einem Hauch von "Wir schaffen das".

Leider habe auch die Bundeskanzlerin keine Ahnung. Das gab sie in einem Gespräch zu, als sie meinte, man wolle ja Brücken bauen, wisse aber nicht genau, wo in der Pandemie das Ufer sei. "Dann", so Welke, "baut doch nicht gleich Brücken ins Nichts, sondern lieber erst mal ein Boot." Das aber könnte jetzt als Rettungskreuzer aus einer ganz anderen Richtung kommen ...

Hat sich die Regierung ergeben?

Immerhin gab es bei Aldi und Lidl zumindest für ein paar Minuten Schnelltests. Das stellte Welke zwar einerseits kritisch infrage ("Was sagt das über eine Regierung aus, wenn Aldi und Lidl das schneller organisiert kriegen als der Staat?"), dachte aber weiter: "Lasst doch die Discounter alles übernehmen, was der Staat so macht." Steuererklärung bei Lidl? Bei Edeka Trauungen an der Fleisch- und Scheidungen an der Käsetheke? Zeugnisse an den Kassen – entweder das "Alditur" oder "die mittlere Rewe"? Ja, warum denn nicht? Kann's denn schlimmer sein als jetzt?

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Ein Hauch von "Wir schaffen das!" täte gut, meinte Oliver Welke in der "Heute-Show" (ZDF). zdf / screenshot

Beinahe gebetsmühlenartig forderte Welke erneut das Abarbeiten der "staatlichen To-do-Liste": funktionsfähige Corona-App, Teststrategie und Impfen. Und ja, das müsse schon vom Staat kommen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte mal gesagt, man könne nicht alles "en detail" vorgeben, das könne sich auch mal ergeben. Welke: "Ich hab eher das Gefühl, ihr habt euch ergeben!"

Hassknecht tobt: "Die ganze Welt lacht sich kaputt über uns"

In diese Kerbe schlug auch Gernot Hassknecht (Hans-Joachim Heist), mit gewohnter lautstarker Inbrunst. "Wir können nichts mehr!", krakelte er der Regierung ins Gewissen. "Made in Germany", "Organisations-Weltmeister" – das zähle alles nicht mehr. "Die ganze Welt lacht sich kaputt über uns", zeterte er und war kurz vor dem obligatorischen Schlaganfall, als er verkünden musste, dass in Kalifornien sogar schon die Affen im Zoo von San Diego geimpft wurden: "Die US-Gorillas lachen mich aus!"

"Wir machen dieselben Fehler immer wieder", brüllte Hassknecht. Alles komme immer zu spät. Mit einer Ausnahme: "Der Spahn war wenigstens zu seinem Spenden-Dinner pünktlich." Der Lockdown koste wöchentlich "Fantastilliarden, aber hier streiten Bund und Länder, wer die verfickten Schnelltests bezahlt." Hassknechts Fazit: "Wie blöd sind wir eigentlich?"

Zäpfchen, damit's mit dem CDU-Austritt besser klappt?

Aber vielleicht raubt die "Maskenaffäre" den Unionspolitikern auch Kraft und Konzentration, so Welke. Denn dank ihrer tiefschwarzen Schafe, die sich bei der Maskenbeschaffung bereicherten oder gegen Geld für Aserbaidschan lobbysierten, herrsche "nackte Panik in der Union". Wegen einiger Sünder lande jetzt auch die Mehrheit derer, die sich "korrekt verhalten und einen Super-Job machen", im großen "Die-da-oben!"-Sack.

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"Nackte Panik in der Union!": Die "Masken-Affäre" erschüttert CDU und CSU. zdf / screensshot

Zumal Georg Nüßlein, einer der Giermenschen, auf seinen Pensionsanspruch schiele und deshalb nicht sofort zurücktreten wolle. Schön, wenn es da ein beschleunigendes Medikament gebe. Etwa "Wollta Gehen?", am besten als Zäpfchen: hinten rein und vorne raus aus dem Bundestag.

Das kollektive Zeihen der Bösewichter durch die Unions-Granden mochte Welke nicht unkommentiert lassen. "Jetzt regen sich alle auf, dabei haben CDU und CSU jahrelang gegen ein Lobby-Register gekämpft." Auch, dass Philipp "Man kann mich mieten" Amthor trotz eigenem Lobbyskandal gerade zum Spitzenkandidaten der CDU in Mecklenburg-Vorpommern gewählt wurde, sei wenig glaubwürdig. Ebenso, dass dies mit ausdrücklicher Unterstützung von Parteichef Armin Laschet geschah, der sich gleichzeitig als Aufräumer in der "Maskenaffäre" generiere.

Ironisch sei auch, so Welke, dass sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf einen Flächentarifvertrag für Pflegekräfte geeinigt hätten – und der ausgerechnet durch das Veto der Caritas gekippt worden sei. Den Vorwurf wollte Birte Schneider nicht gelten lassen. Es herrsche ja fairer Wettbewerb. Wenn anderswo schlechter bezahlt werde als in der katholischen Wohlfahrtsorganisation, könne diese dann ja die besten Leute abwerben. Schneider berief sich auf das "3. Buch Rummenigge" aus der Bibel, wo im "Brief an die Borussen" stehe: "Der Herr sprach: Gehe hin und kauf der Konkurrenz die Leistungsträger weg." Außerdem sei sie des Lamentierens überdrüssig. Sie schloss ihre "Andacht" mit dem Lied: "Private Pflege, Tarifgeschrei - uns geht das am Arsch vorbei!"

Die Caritas machte mit ihrem Veto, so Welke, für die Ausbeuter in der Pflegebranche die Drecksarbeit. Lieferando, das sich seit 2019 quasi zum Liefermonopolisten aufschwang, lässt sie durch ihre 5.000 "Rider" erledigen. Während sich der Umsatz des holländischen Unternehmens im ersten Halbjahr 2020 auf 160 Millionen Euro verdoppelt habe, habe es gerade in vielen deutschen Städten die Liefergebühren ebenfalls fast verdoppelt, beute seine Radler aus und irritiere Kunden wie Restaurants mit 50.000 Schatten-Websites.

Das Geschäft "brummt wie Hulle", meinte Welke. Allerdings nur, weil "wir zu faul sind", bei den Restaurants direkt anzurufen und zu bestellen oder gar selbst abzuholen. Man bekommt, was man verdient. Überteuerte Pizza, zum Beispiel.

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