Diese Aufnahme von Bushido wurde vor rund einem Jahr im Rahmen des Abou-Chaker-Prozesses aufgenommen.
Diese Aufnahme von Bushido wurde vor rund einem Jahr im Rahmen des Abou-Chaker-Prozesses aufgenommen.
Bild: imago images/Olaf Wagner
watson live dabei

Bushido-Prozess: Polizeieinsatz im Haus des Rappers – Beamte packen Details aus

06.09.2021, 16:29

Am Montag startete bereits der 49. Prozesstag gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder. Bushido, der als Zeuge und Nebenkläger auftritt, sagte bereits an 25 Verhandlungstagen aus. Seine Frau Anna-Maria Ferchichi erschien bisher an drei Tagen vor Gericht. Nach der geplanten Entbindung im November, die 39-Jährige ist schwanger mit Drillingen, wird sie voraussichtlich ihre Zeugenaussage fortsetzen. Zuletzt gab es Komplikationen bei ihrer Risikoschwangerschaft, die auch vor Gericht zur Sprache kamen.

Beim vorherigen Verhandlungstag ging es allerdings um einen ganz anderen Zeugen. Ein alter Freund und Weggefährte aus dem Umfeld Bushidos sagte aus. Er soll derjenige gewesen sein, der den Kontakt zwischen dem Rapper und Arafat vermittelte. Abou-Chaker habe er aus Kindheitszeiten gekannt, den Künstler über Freunde kennengelernt. Zu beiden Parteien pflege er keinen Kontakt mehr, so der Zeuge. Er sei nur Mittel zum Zweck gewesen, um Bushido den Kontakt zu Arafat zu verschaffen. Nach fast 14 Jahren endete die Geschäftsbeziehung, die nun detailliert im Prozess nachgezeichnet wird.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

An diesem Tag ging es allerdings nicht um die Beziehung zwischen Arafat und Bushido, sondern um einen Polizeieinsatz, der sich im Dezember 2014 im Hause Ferchichi ereignet habe. Der Vorwurf der häuslichen Gewalt stand im Raum. Der Rapper sowie seine Ehefrau haben bereits in den vergangenen Prozesstagen über die Vorkommnisse gesprochen. Bushido soll Anna-Maria geohrfeigt haben. Unter Polizeischutz habe sie damals ihre Sachen gepackt, erklärte Bushido in einer seiner Aussagen. Arafat sei ebenfalls anwesend gewesen. Der Künstler habe ihn angerufen, daraufhin sei es vor Ort zu einer hitzigen Auseinandersetzung gekommen. Laut seiner Schilderung soll Arafat Anna-Maria beleidigt haben und auch auf sie zugestürmt sein. So sagte es auch die 39-Jährige aus. Zu diesem Zeitpunkt habe sie sofort die Scheidung haben wollen, gab sie an. "Für mich war das eine endgültige Sache", so Anna-Maria über die kurzzeitige Trennungsphase.

Es war ruhig – bis Arafat auf Bushidos Frau traf

Zwei von drei Polizeibeamten, die vor rund sieben Jahren den Einsatz bei den Ferchichis begleiteten, sagten nun aus. Zunächst erschien ein 38-jähriger Beamte, der erklärte, dass Anna-Maria ihre Sachen holen wollte. Als Anlass nannte er den Vorwurf der häuslichen Gewalt. "Wir kamen mit den Kollegen, Herr Arafat Abou-Chaker trat zeitgleich mit uns am Tor ein", sagte er. Sie hätten schließlich gemeinsam das Haus betreten. Im Haus sei es ruhig gewesen, bis Arafat auf Anna-Maria getroffen sei. "Als er Frau Ferchichi erblickte, war er nicht sehr respektvoll, hat sie beleidigt", meinte der Polizeibeamte. Als sie jedoch nicht mehr im Sichtbereich gewesen sei, wäre Ruhe gewesen.

"Sie hatten angegeben, dass Arafat Abou-Chaker Frau Ferchichi beleidigt habe. Hat es eine Anzeige gegeben?"
Oberstaatsanwältin Leister zu einem Polizeibeamten im Zeugenstand

Zu körperlichen Auseinandersetzungen konnte der Beamte nichts sagen. "Wenn es ein gezielter Schlag gewesen wäre, hätten wir eine Maßnahme ergriffen", so der erste Zeuge. Oberstaatsanwältin Petra Leister sagte dazu, dass Bushido angegeben habe, dass zwei Beamte auf dem Weg nach oben gewesen wären. Arafat soll einen LKA-Beamten gegen die Brust gestoßen haben. Leister hakte auch noch mal an anderer Stelle nach: "Sie hatten angegeben, dass Arafat Abou-Chaker Frau Ferchichi beleidigt habe. Hat es eine Anzeige gegeben?" Die Antwort lautete folgendermaßen: "Das weiß ich nicht. Wenn Frau Ferchichi das gewollt hätte, hätte man eine schreiben müssen." Vor Ort habe er kurz mit Anna-Maria gesprochen. "Herr Ferchichi hätte sich verändert, Arafat Abou-Chaker nimmt Einfluss auf ihn", soll sie ihm gesagt haben.

Polizist beschreibt Arafats Verhalten beim Bushido-Prozess

Als Nächstes nahm ein weiterer Polizeibeamter im Zeugenstuhl Platz. Vor sich stellte er zunächst seine Coca-Cola-Zero-Dose ab, die er mitbrachte. Danach schaltete er sein Mikrofon an und nahm die Maske ab, damit die Menschen im Saal ihn besser hören konnten. Der 40-Jährige war ebenfalls damals beim Polizeieinsatz dabei. "Das ist fast sieben Jahre her. Wir sollten zum Wohnhaus der Ferchichis und trafen zeitgleich mit Arafat Abou-Chaker ein. Mit dem Eintreffen von Abou-Chaker wurde es lauter. Arafat Abou-Chaker ist aufbrausend, fährt dann wieder runter", so der Polizeibeamte. Als der Vorsitzende Richter wissen wollte, ob es eine Situation gegeben habe, wo Arafat zugeschlagen habe, sagte der zweite Zeuge ebenfalls: "Wenn wir das wahrgenommen hätten, hätte es polizeiliche Maßnahmen gegeben."

Anna-Maria sei schließlich zu ihrer Familie nach Bremen gefahren. Ihnen sei bekannt gewesen, dass es Familienstreitigkeiten gegeben habe und auch, dass Anna-Maria eine Anzeige gemacht habe. Kurz vor dem Ende des 49. Prozesstages verlas Oberstaatsanwältin Leister noch eine Stellungnahme, die sich auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen Ashraf Remmo und Arafats Sekretärin Caro W. bezogen. Zu letztgenannter Person meinte sie unter anderem: "Auf wessen Seite die Zeugin steht, ist klar, auf der Seite von Arafat Abou-Chaker." Im Hinblick auf Ashraf gab sie an, dass dieser Zeuge seine Aussage im Vorfeld habe vermeiden wollen. Erst am 27. September findet der nächste Prozesstag statt.

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