Wirtschaft
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File-This July 7, 2017, file photo shows President Donald Trump walking off after being greeted by German Chancellor Angela Merkel after arriving at the G20 Summit, in Hamburg, Germany. Trump and Macron? Judging from the body language, mon ami! The president and Germany’s Angela Merkel? Ach, not so chummy.  (AP Photo/Evan Vucci, File)

Nicht wirklich beste Freunde: Angela Merkel und Donald Trump. Bild: AP

Ein Handelskrieg droht – auch Deutschland ist daran schuld

30.04.18, 15:07 01.05.18, 14:02

Philipp Löpfe 

Donald Trump hat offenbar ein Problem mit deutschen Autos, die Deutschen eine irrationale Liebe zu ihren Exportüberschüssen. Daher ist ein Konflikt der beiden Handelspartner kaum mehr zu vermeiden.

Mit ihren Besuchen in Washington wollen Emmanuel Macron und Angela Merkel nicht nur den Iran-Deal retten, sondern auch den US-Präsidenten davon abhalten, die Strafzölle auf Stahl und Aluminium einzuführen. Wohl vergeblich. In wenigen Tagen läuft die Schonfrist ab, und Trump macht keinerlei Anstalten, von seiner harten Haltung abzurücken.

Ein Handelskrieg über den Atlantik scheint damit nicht mehr zu vermeiden. Die beiden wichtigsten Handelspartner der Welt, die EU und die USA, werden sich bald in den Haaren liegen und sich gegenseitig vor den Gerichten der Welthandelsorganisation WTO anklagen.

Wirtschaft läuft auf vollen Touren

Ökonomisch gesehen macht das keinen Sinn. Die Volkswirtschaften auf beiden Seiten des Atlantiks brummen. Das amerikanische Bruttoinlandprodukt (BIP) hat im ersten Quartal 2,3 Prozent zugelegt. Auch die Auftragsbücher der deutschen Wirtschaft sind voll.

The logo of German car manufacturer BMW is pictured on a BMW 7 car prior to the earnings press conference in Munich, Germany, Wednesday, March 21, 2018. (AP Photo/Matthias Schrader)

BMW & Co. sind in den USA heiß begehrt. Bild: AP

Vordergründig ist Trumps Sturheit der Grund für den sich anbahnenden Handelskrieg. Tatsächlich scheint der US-Präsident es nicht verkraften zu können, dass seine Landsleute lieber Mercedes und BMW fahren statt Chevrolet und Ford. Unablässig lästert er gegen die deutsche Autoindustrie.

Dazu kommt, dass Trump ökonomisch gesehen immer noch in der Steinzeit lebt. Er umgibt sich mit Ökonomen, die fälschlicherweise in einem Handelsdefizit den Grund allen Übels sehen und versuchen, mit protektionistischen Maßnahmen wie Strafzöllen dagegen anzukämpfen.

Trump will bilaterale Abkommen

Trump hasst auch weltumspannende Handelsabkommen wie TPP und TTIP. Er möchte lieber bilaterale Verträge mit jedem einzelnen Land abschließen. Die Welthandelsorganisation ist dem US-Präsidenten suspekt. Am liebsten würde er sich von ihr lossagen.

Doch auch die Deutschen tragen dazu bei, dass die Weltwirtschaft aus den Fugen zu geraten droht. In den vergangenen 15 Jahren haben sie sich in einen wahren Exportrausch gesteigert, gegen den selbst Trump-kritische Ökonomen wie Joseph Stiglitz oder Paul Krugman vergeblich ankämpfen. 

Wie ist es dazu gekommen?

Gegen Ende der 90er Jahre geriet die deutsche Wirtschaft in ernsthafte Schwierigkeiten. Die gewaltigen Kosten der Wiedervereinigung drückten, und die neue Billigkonkurrenz aus dem Osten machte etablierten Unternehmen das Leben schwer.

Berlin reagierte darauf mit der berüchtigten Agenda 2020, einem Programm, dass den Gewerkschaften Lohnverzicht auferlegte und die Sozialleistungen drastisch einschränkte (Hartz IV). Damit sollte die Wettbewerbsfähigkeit wieder hergestellt werden.

Vom kranken Mann zum Exportweltmeister

Auch der Euro erwies sich bald als Glücksfall. Auf die harte D-Mark folgte eine weiche Einheitswährung. Die deutschen Exportchancen wurden noch größer. Dazu kam, dass der Euro es den südlichen EU-Mitgliedsländern ermöglichte, sich zu günstigen Bedingungen zu verschulden. Sie machten davon ausgiebig Gebrauch, Mercedes und BMW sind auch am Mittelmeer sehr beliebt.

Lohn- und Sozialabbau und weicher Euro verwandelten Deutschland in kurzer Zeit in einen Exportweltmeister.

ARCHIV - 16.06.2014, Hamburg:  Container werden auf dem Container Terminal Altenwerder (CTA) der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im Hamburger Hafen umgeschlagen. (zu dpa

Für den Export prall voll beladen: Containerschiff im Hafen von Hamburg. Bild: dpa

Die Überschüsse in der deutschen Leistungsbilanz haben inzwischen absurde Ausmaße erreicht. Von ein bis zwei Prozent zur Jahrhundertwende sind sie inzwischen auf rund neun BIP-Prozent angeschwollen. 

Mit ihrem Exportwahn – so eine weit verbreitete Meinung – hätten die Deutschen ihre EU-Partnerländer nicht nur erdrückt, sie hätten ihnen nach der Griechenlandkrise auch eine Sparsamkeits-Politik aufgezwungen. Die gesamte Eurozone sollte nach deutschem Muster genesen, will heißen: Sparen, dass es quietscht, und exportieren, auf Teufel komm raus.

Zu Recht wird die Sparsamkeits-Politik heute verdammt. Sie hat aber dazu geführt, dass die Eurozone inzwischen einen beträchtlichen Exportüberschuss aufweist. Dummerweise ist der Rest der Welt nicht mehr gewillt, dies zu akzeptieren. Vor allem die von einem notorischen Exportdefizit geplagten USA und ihr protektionistischer Präsident wollen dies ändern, koste es, was es wolle.

Mehr Lohn für deutsche Arbeitnehmer

Vielleicht hat der Handelskrieg auch etwas Gutes. Er könnte die Deutschen zwingen, endlich vom Export abzurücken. Das würde heißen, den Binnenkonsum mit höheren Löhnen anzukurbeln und zusammen mit Frankreich die Regeln in der Eurozone so zu verändern, dass die Sparpolitik bald nur noch eine schlechte Erinnerung ist.

Was die Löhne betrifft, gibt es Hoffnung. Die deutschen Gewerkschaften haben auf breiter Front teils happige Lohnerhöhungen erkämpfen können. Duster sieht es hingegen in Sachen Reformen in der Eurozone aus. Bei ihrem Besuch im Weißen Haus hat Angela Merkel den US-Präsidenten mit Statistiken über die deutsche Autoindustrie zugemüllt. Anzeichen, dass sie ernsthaft vom Exportwahn abrücken will, waren keine zu erkennen.

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