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Tesla Daimler

Bild: imago montage/julia dombrovsky

Endet Deutschland wie Detroit? Warum die Autokrise uns trifft – aber nicht Tesla

Philipp Löpfe / watson.ch

Am Mittwoch musste Mercedes eine Gewinnwarnung aussprechen. "Die Autoindustrie und damit auch Daimler befinden sich in einem schwierigen Umfeld", erklärte der abtretende CEO Dieter Zetsche zerknirscht.

FILE - In This April 5, 2018 file photo Dieter Zetsche, CEO of the Daimler AG, speaks during the annual shareholders' meeting of the car maker in Berlin. Daimler AG said Wednesday, Sept. 26, 2018 that Kallenius will take over as the company's CEO in 2019. (AP Photo/Markus Schreiber, file)

Muss schlechte Nachrichten verkünden: Dieter Zetsche Bild: AP

Nicht ganz. Auf der anderen Seite des Atlantiks hatte nämlich Stunden zuvor Elon Musk für ein Feuerwerk der Tesla-Aktie gesorgt. In einem Umfeld von teils dramatisch sinkenden Kursen legte das Papier zweistellig zu. Die Investoren freuten sich darüber, dass Tesla erstmals seit langer Zeit einen Quartalsgewinn ausweisen und sehr gute Verkaufszahlen des Model 3 vorlegen konnte. Die Produktionsprobleme scheinen endlich überwunden.

Auf den ersten Blick ist diese gegensätzliche Entwicklung nicht zu erklären. Trotz Gewinnwarnung erwartet die Autosparte von Daimler Ende des Jahres einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Bis dato wurden bereits 795.000 Fahrzeuge abgesetzt. Bei Tesla hingegen sind es gerade Mal 53.000 Fahrzeuge und der Quartalsgewinn beträgt 312 Millionen Dollar.

"Wenn man von Benzin oder Diesel zu elektrischem Strom wechselt, ändert sich der gesamte Aufbau eines Autos."

Sven Dahrmani

Die Börsen schauen jedoch bekanntlich in die Zukunft, und diese könnte für Tesla und Mercedes & Co. nicht unterschiedlicher aussehen.

Die Tesla-Zukunft

Elon Musk hat seine Psycho-Phase überwunden. Nach dem merkwürdigen Zwischenspiel mit Beschimpfungen an die Adresse von Analysten und nicht vorhandenen Zusagen von arabischen Investoren für ein "leveraged buyout" hat er wieder Tritt gefasst. Mit der US-Börsenaufsicht SEC hat er sich geeinigt. Er wird für drei Jahre als Vorstandsvorsitzender in den Ausstand treten.

May 17, 2018 - Los Angeles, California, U.S. - Elon Musk, co-founder and chief executive officer of Tesla Inc., speaks during a Boring Co. event in Los Angeles, California, U.S., on Thursday, May 17, 2018. Musk held the event at the Leo Baeck Temple to build public support for a 2.7-mile tunnel the creator of Space X and Tesla hopes to build in West Los Angeles. © 2018 Patrick T. Fallon Los Angeles U.S. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAf72_ 20180517_zaf_f72_518 Copyright: xPatrickxFallonx

Hat er sich gefangen? Elon Musk. Bild: imago stock&people

Weit bedeutender sind seine Pläne in der realen Wirtschaft. Um die nach wie vor boomende Nachfrage zu befriedigen, will Tesla in China Produktionsstätten eröffnen. Gleichzeitig soll der Preis des Model 3 von 45.000 Dollar auf 35.000 Dollar sinken. Damit wird der Wegfall der Subventionen kompensiert.

Schließlich hat Musk versprochen, bald einen neuen Typ, das Model Y, auf den Markt zu bringen. Es handelt sich dabei um ein kompaktes SUV, eine kleinere Version des Model X. Der Durchbruch am Markt scheint gelungen. In den USA – nach wie vor der wichtigste Markt – sind im letzten Quartal mehr Teslas verkauft worden als Mercedes oder BMWs.

Übrigens: Das teuerste Auto der Welt ist komplett aus LEGO!

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Die Zukunft der Deutschen

Die "Financial Times" hat kürzlich einen Artikel über die Aussichten von Mercedes, BMW und Volkswagen veröffentlicht. Sie sehen alles andere als rosig aus. Die Aktienkurse der drei dümpeln seit längerer Zeit im Keller rum.

"Wenn große Hersteller so tief bewertet werden, werden sie bald bankrott sein."

Analyst Max Warburton

Nach wie vor haben die Deutschen den Diesel-Skandal nicht verdaut. Nicht nur das Image hat gelitten, immer mehr Städte verbannen die Diesel-Autos von ihren Strassen. Herbert Diess, CEO von Volkswagen, spricht bereits von einer tödlichen Bedrohung. "Ein Industrie-Crash kann sich schneller ereignen, als die meisten Menschen es sich vorstellen können. Schaut bloß, was mit der Autoindustrie in Italien und dem Vereinigten Königreich geschehen ist. Sie sind heute praktisch inexistent."

Die Autoindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Das Auto wird immer mehr zu einem iPhone auf Rädern. Es wird elektrisch, selbstgelenkt, mit dem Internet verbunden und immer öfters mit anderen geteilt. Die traditionellen Autobauer sind nur bedingt in der Lage, diese Entwicklung mitzumachen.

"Wenn man von Benzin oder Diesel zu elektrischem Strom wechselt, ändert sich der gesamte Aufbau eines Autos", sagt Sven Dharmani vom Zulieferer EY. "Deshalb werden ganze Fabriken obsolet."

Diesen radikalen Wandel schaffen möglicherweise Quereinsteiger besser als die traditionellen Hersteller. Gut möglich daher, dass die deutschen Firmen bald nicht mehr bloß die Konkurrenz von Tesla abwehren müssen. Tencent, Alibaba, Google und Apple, allen werden entsprechende Pläne nachgesagt. In England ist der legendäre Erfinder James Dyson ebenfalls ins Elektroauto-Business eingestiegen.

Das wäre das Ende für viele "seriöse Geschäftsmänner" hier (dabei sehen die oft so lustig aus)

Die Deutschen sind unbestritten hervorragende Ingenieure, doch Feuer und Begeisterung fehlen. "Elon Musk ist getrieben von der großen Vision, die Welt von der Erdöl-Sucht zu befreien", stellt die "Financial Times" fest. "Die Deutschen stellen Elektroautos vor, um die Regeln der EU einhalten zu können."

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