Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Die "Initiative Q" will zur weltweiten Währung werden – das steckt dahinter

Patrick Toggweiler / watson.ch

Seit Oktober geistert ein neues "Werde schnell und ohne Aufwand reich"-Schema durch die Social-Media-Kanäle und E-Mail-Inboxen. "Initiative Q" heißt das Projekt und bei Google sind die weltweiten Anfragen dieses Begriffs seit Ende Oktober explodiert.

Doch worum geht es dabei? Und ist es gefährlich? Wir klären auf.

Was ist "Initiative Q"?

"Initiative Q" will nach eigenen Angaben den weltweiten Zahlungsverkehr umkrempeln – ähnlich wie einige Kryptowährungen. Das Kreditkartensystem sei alt und nicht mehr standesgemäß. Es brauche jetzt eine weltweite digitale Währung – und Q soll diese heißen. 

Mitmachen kann man nur auf Einladung. Wer sich auf der Homepage registriert, dem werden eine gewisse Anzahl Qs gratis versprochen. Wer zusätzlich Personen überredet, sich ebenfalls registrieren zu lassen, kriegt weitere Qs dazu. Damit sorgen die Macher der "Initiative Q" bei ihren Mitgliedern für einen Anreiz, ihr Projekt zu bewerben. Das geschieht mit einem Einladungslink – in den letzten Tagen hat der Autor dieser Zeilen von unzähligen Leuten einen Einladungslink erhalten. Die Masche zieht.

Im Moment ist ein Q noch völlig wertlos. Sobald aber eine genügend große Anzahl Menschen am Projekt teilnehmen und Q als Zahlungsmittel benutzen würde, erhalte Q einen Wert. Dieser soll bis zu einem Dollar ansteigen – wer fleißig neue Registrierungen organisiert, könnte so mehrere zehntausend Dollar "gratis" einsacken. So lauten die Versprechen. Die Macher nennen ihr Projekt eine selbsterfüllende Prophezeiung. 

Geil! Geil! Geil! Und erst noch gratis!

Langsam mit den jungen Pferden. Damit ein Q einen Dollar erreicht, müsste das Projekt die führende Währung im Weltmarkt werden und einen Gesamtwert von zwei Billionen erreichen. Das ist zehnmal mehr als der gesamte Kryptomarkt im Moment mit seinen mehreren tausend Coins, Tokens und Währungen.

Ah, okay. Aber es ist doch möglich! Ich wette, die Leute von Q haben eine wahsinnig gute Idee!

Man weiß es nicht.

"Initiative Q" lässt sich nicht in die Karten blicken, wie und mit welchen technischen Lösungen die weltweit führende Währung erfunden werden soll. Die Liste der Versprechungen ist aber sehr umfangreich. 2021 soll das fertige Produkt zum Einsatz kommen können.

Bei seriösen Projekten im Kryptosektor werden die einzelnen Entwicklungsschritte jeweils auf GitHub präsentiert und die grundlegenden Probleme und Lösungsansätze in einem Whitepaper veröffentlicht.

Beides existiert bei "Initiative Q" nicht, was für ein erstes Stirnrunzeln sorgt. Deshalb beginnen wir jetzt damit, Alarmsignale 🚨 zu verteilen.

Der erste Zwischenstand lautet: 🚨🚨

Aber in meiner Einladung steht, dass hinter "Initiative Q" lauter Ex-Paypal-Leute stecken!

Auf der Homepage wird das Team nicht vorgestellt, was zu einem seriösen Projekt dieser Art dazugehören würde. Damit verdient sich "Initiative Q" ein weiteres 🚨.

Von den versprochenen Ex-Paypal-Menschen outet sich nur ein gewisser Saar Wilf. Wilf gründete Fraud Sciences Corp., das später von Paypal für 169 Millionen übernommen wurde. Wilf gründete vier weitere Start-ups, darunter Gemalto, das später für 35 Millionen Dollar verkauft wurde.

Zwischenstand: 🚨🚨🚨

Aber es ist gratis!

Gratis ist nichts. Wenn etwas gratis erscheint, dann bist du vermutlich das Produkt – oder deine Daten.

Wer seine Qs einheimsen will, muss im Moment zwar nur Namen und E-Mail-Adresse hinterlegen. Weitere Qs gibt es für "zukünftige Aufgaben". Da kommt noch was.

Aber bereits mit E-Mail-Adresse und Namen lässt es sich gut geschäften. Millionen sollen sich bereits registriert haben. Eine derart umfangreiche Liste von Menschen, die aufs schnelle und einfache Geld aus sind, ist viel wert. Zum Beispiel für Online-Casino-Seiten. Oder ICOs, Betrüger und viele andere.

Es ist offensichtlich, dass die Initiative bei der E-Mail nicht den Schlussstrich zieht. Ein umfangreicherer Datenstrip wird folgen – der Gebrauch von Q soll später an eine App gebunden werden. Die wiederum kann diverse Zugriffsrechte verlangen. Facebook macht es vor. Das Fass hat keinen Boden. 🚨

Zwischenstand: 🚨🚨🚨🚨

Gibt es weitere Alarmsignale?

Ja. Diverse.

Der Verteilschlüssel: 20% aller Qs sind für die Hersteller reserviert. Das reicht für eine potentielle Marktmanipulation (sollte es denn je einen Markt geben). Der Verdacht, es handle sich dabei um einen Exit-Scam, liegt nahe. 🚨

Die geschürte und völlig überrissene Erwartungshaltung: Sämtliche Kommunikation von Seiten der Initiative schreit nach FOMO (Fear of missing out – die Angst, etwas zu verpassen). Seriöse Projekte spielen nicht mit diesem Gefühl. 🚨

Die Zentralisierung: Q betont immer wieder, keine Kryptowährung mit einer Blockchain oder einem anderen dezentralen Schutzmechanismus zu sein. Damit bleibt nur eine Schlussfolgerung: Die "Initiative Q" ist zentralisiert und wird von privater und unbekannter Hand kontrolliert. Die wenigen anonymen Machthaber hätten im Erfolgsfall sämtliche Stränge der neuen "Weltwährung" in den Händen. 🚨

Die Möglichkeit, weitere Qs zu drucken: Auf der Homepage steht: "Once the initial 2 trillion Q are fully distributed, the monetary committee may create and distribute new Qs ... " – "Sobald die anfänglichen zwei Billionen Qs verteilt sind, kann das 'monetary committee' weitere Qs drucken und verteilen." Das Geldgremium könnte die Qs damit je nach Lust und Laune abwerten, sich bereichern, und, und, und. 🚨

Das Pseudo-Pyramidenschema: Nur wer fünf neue Registrierungen – und das während einer beschränkten Zeit – vermittelt, bekommt die maximale Anzahl Qs. Zwar fließt kein Geld (das wäre dann ein echtes Pyramidenschema), aber immerhin werden verkaufbare Daten vermittelt. Deshalb das "pseudo": 🚨

Marketing im Vordergrund: Wer sich auf der Homepage über das Projekt informieren will, erfährt detailliert, wie er zum Missionar werden kann. Außer des Versprechens, sämtliche Probleme der modernen Zahlungsindustrie zu lösen, gibt es keine konkreten Informationen über das Projekt selber, geschweige denn die Möglichkeit, externe Gutachten zu studieren. 🚨

Fazit:

Ob und in welchem Grad "Initiative Q" betrügerisch vorgeht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Dafür fehlt schlicht die Transparenz.

Dass die vorhandenen Informationen mindestens zehn Alarmsirenen aufheulen lassen, sollte aber zur Vorsicht mahnen.

Endstand: 🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨🚨

Die Bundeswehr macht in ihrer neuen Doku auf "Call of Duty":

abspielen

Video: watson/Max Biederbeck, Lia Haubner, Marius Notter

Krypto-Kolumna-Folgen:

Zerstören die watson-Kryptos die Umwelt? Wir haben nachgerechnet

Link zum Artikel

Die Blockchain soll Persos ersetzen und die GEMA zerstören. Ich versuche, sie zu verstehen

Link zum Artikel

Den watson-Kryptos geht's besser – die Branche bleibt leider unseriös (Pornos sind Schuld)

Link zum Artikel

Wie ich versuche, watson mit Bitcoin & Co. reich zu machen

Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

"Die einzige Scheiße hier ist Ihr Rumgeheule" – DHL-Service gehen die Sicherungen durch

Das Leben eines Kundendienst-Mitarbeiters ist nicht leicht: Jeden Tag hagelt es Beschwerden, Lob gibt es von den Kunden nie. Ähnlich geht es wohl auch den Social-Media-Mitarbeitern, die im Internet die Anfragen von den frustrierten Kunden ihres Unternehmens beantworten müssen. 

Viele Social-Media-Manager haben für die diversen Anfragen bereits vorgefertigte Standardsätze vorbereitet.

Gegenüber watson berichtet der beschimpfte DHL-Kunde aus Lengerich in Niedersachsen: "Grundsätzlich ging es …

Artikel lesen
Link zum Artikel