Wirtschaft

Erdogan verzweifelt an schwacher Lira – und bittet die Bürger um Hilfe

Angesichts der Talfahrt der türkischen Lira hat Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute aufgerufen, ihre Dollar- und Euro-Guthaben in die heimische Währung umzutauschen. "Meine Brüder, die Dollars oder Euros unter ihren Kissen haben", wandte sich Erdogan am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Erzurum im Osten an die Bevölkerung.

"Geht und tauscht euer Geld in Lira um."

Die Landeswährung ist seit Jahresbeginn zum Dollar um rund 20 Prozent abgerutscht.

Vor einer Zinsanhebung durch die Zentralbank am Mittwoch hatte sie zur US-Währung ein Rekordtief von 4,929 Lira erreicht. Auch die Zinserhöhung brachte nur eine geringfügige Verbesserung gegenüber dem Rekordtief.

Für Erdogan ist das nicht ganz unwichtig:

Erdogan hat bereits angekündigt, dass er nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen am 24. Juni eine größere Kontrolle über die Geldpolitik ausüben will. Der Präsident, der sich erneut um sein dann mit weitaus größeren Machtbefugnissen ausgestattete Amt bewirbt, hat sich selbst zum "Gegner von Zinsen" erklärt.

Was die Lira-Schwäche für die Türkei bedeutet:

In Lira wird fast alles teurer, und so gut wie jeder ist betroffen. Preise für Importwaren haben stark zugelegt, was viele Lebensbereiche betrifft: Die Türkei hat ein großes Handelsbilanzdefizit, sie führt also wesentlich mehr ein als aus.

FILE - In this Friday, May 4, 2018 file photo, Turkey's President Recep Tayyip Erdogan, center, looks at his phone during a ceremony for the re-opening of the Spice Bazaar following restoration in Istanbul. The Turkish lira has lost more than 20 percent of its value against the dollar since the start of the year, hurting many in the country, especially small business owners who rely on imported machinery and goods.  (AP Photo/Lefteris Pitarakis, File)

Erdogan bei der Wiedereröffnung des Basars in Istanbul Bild: AP

Deutsche Touristen profitieren von der schwachen Währung: Wer Euro in der Tasche hat, für den sind die Preise wegen des Verfalls der Lira im Keller. Pensionszimmer sind im Juli auf einschlägigen Buchungsportalen schon ab 5 Euro zu haben, Fünf-Sterne-Hotels ab 69 Euro. Essen im Restaurant, Eintritte zu historischen Stätten, Ausflüge und Sportangebote: Wer Euro hat, kommt günstig weg.

(gam/Reuters/dpa)

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