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Wird Uber zum Traum? Oder zum Albtraum? Bild: imago stock&people

Mega-Börsengang von Uber: Hat Deutschland begriffen, was auf dem Spiel steht?

Wird Uber zum nächsten Mega-Konzern nach Amazon und Google? Der Grundstein dafür soll an diesem Freitag gelegt werden. Die Pläne des Unternehmens könnten die Welt drastisch verändern.

Fabian Reinbold, San Francisco / t-online

In Deutschland haben viele noch gar nicht verstanden, welche Welle da auf uns zurollt. Wenn die Bundesregierung wie in diesen Tagen über den Umgang mit dem Unternehmen Uber streitet, wenn Berliner Taxifahrer aus Protest stundenlang die Hauptstadt lahmlegen, dann ist oft die Rede vom "Taxi-Konkurrenten Uber".

Doch das ist eine falsche, womöglich fatale, Verniedlichung.

Denn mit einer Konkurrenz zum Taxi begnügt sich das Unternehmen schon lange nicht mehr. Uber arbeitet daran, auf der gesamten Welt auf den Kopf zu stellen, wie wir Menschen, unsere Einkäufe und unser Essen, von A nach B gelangen – und ist dabei schon weit vorangekommen. Wenn der Plan gelingt, könnte die Firma aus San Francisco auch Deutschlands Autoriesen verzwergen.

An diesem Freitag nimmt die Firma dabei einen entscheidenden Schritt: Uber geht an die Börse – es ist der größte Börsengang seit Jahren und so riskant wie kaum ein anderer. Denn mit solch haarsträubenden Verlusten, wie Uber sie Jahr um Jahr einfährt, hat sich noch keine US-Tech-Firma an die Wall Street getraut. Doch wenn Ubers Zockerei aufgeht, dann beginnt in dieser Woche eine der größten Revolutionen unserer Zeit.

So wie Amazon

80 bis 90 Milliarden Dollar wäre die Firma kurz nach ihrem 10. Geburtstag und nach Jahren voller Skandale und Skandälchen offiziell wert – und damit so viel wie die deutschen Schwergewichte Siemens und VW . Sie hätte knapp zehn Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt für ihr Projekt Welteroberung. Eine Entwicklung wie bei Amazon oder Facebook wäre möglich.

Schon jetzt jagen Millionen von Uber-Fahrer durch weltweit 785 Städte – günstiger als Taxis, bequem über eine App vermittelt und bezahlt, mindestens 25 Prozent des Fahrpreises behält Uber ein. Doch damit nicht genug, die Firma mischt weltweit beim Geschäft mit Lieferdiensten, Leihrollern und -fahrrädern kräftig mit.

In der nahen Zukunft, wie sie Uber vorschwebt, braucht man kein eigenes Auto mehr. Kurze Wege legt man per Uber-Leihfahrrad und E-Scooter zurück, weitere Strecken im Auto eines Uber-Fahrers. Der liefert auch Essen aus – noch. Denn schon bald machen das selbstfahrende Autos aus dem Reich Uber, die auf Straßen neben autonomen Uber-Lkws fahren – unter einem Himmel voller Uber-Lieferdrohnen. Uber will beim Transport das werden, was Amazon im Handel ist – Fahrtenvermittlungen sind dabei nur ein Einstieg wie es Bücher für Jeff Bezos waren.

Erbitterte Konkurrenz, horrende Verluste

Doch die Fragezeichen sind riesig. Uber liefert sich in Nordamerika einen erbitterten Preiskrieg mit dem Konkurrenzunternehmen Lyft, das gerade erst an die Börse gegangen ist und dessen Kurs um 15 Prozent absackte. Der chinesische Wettbewerber Didi wiederum hat Uber nicht nur in der Volksrepublik ausgebremst, sondern macht ihm nun in Lateinamerika Geschäfte streitig. Ubers Fahrer protestieren gegen die geringen Margen – sie streikten auch am Tag vor dem Börsengang.

Und beim Wettrennen um den Durchbruch beim autonomen Fahren überfuhr ein Testwagen Ubers vor einem Jahr eine Fußgängerin – das erste Todesopfer selbstfahrender Autos und ein riesiger Rückschlag für die Firma. Denn erst das autonome Fahren würde die Gewinne explodieren lassen.

Noch fährt Uber horrende Verluste ein. 2018 verlor man drei Milliarden Dollar, allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres eine weitere Milliarde. Warum würde man in solch ein unrentables Geschäft investieren?

Die Wagniskapitalfirmen der Welt tun es – sie haben schon 25 Milliarden Dollar in Uber gepumpt. Sie setzen auf einen weltweiten Erorberungsfeldzug, denn der Markt ist global, auch wenn sich Deutschland gerade noch sträubt.

Typische Zockerei

Tatsächlich ist die Zockerei Ubers typisch für das Silicon Valley, die Herzkammer der US-Start-ups und der Tech-Giganten. "The winner takes it all" lautet hier das Motto, also muss man erst einmal ohne Rücksicht auf Verluste wachsen. Plattform-Firmen wie Uber müssen erst einmal die Nachfrage künstlich anfachen.

"Auch Amazon musste am Anfang das Geschäft bezuschussen, das ist vollkommen normal", sagt Susan Athey, Professorin für die Ökonomie der Tech-Firmen an der Elite-Uni Stanford mitten im Silicon Valley. Später dann winkt durch die berüchtigten Netzwerkeffekte das Riesengeschäft. "Im Falle Ubers heißt das, dass die Firma erst einmal zu viele Fahrer bezahlen muss, um den Nutzern ein gutes Angebot zu machen, um damit die Nachfrage hochzufahren", sagt Athey t-online.de.

Auch die Investitionen in Technik sind anfangs extrem hoch – steigen dann aber wenig, auch wenn die Einnahmen irgendwann explodieren, der sogenannte Skaleneffekt. All das sorgt dafür, dass es in den neuen Wirtschaftsfeldern oft ein bis zwei Monopolisten gebe, so Athey. "Und es ist sehr viel besser, die größere Firma zu sein". Die ist Uber.

Skandale, Schummelei, Stau

Nach Jahren zahlreicher Skandale unter Mitgründer Travis Kalanick – um eine toxische Mitarbeiterkultur, um Übergriffe auf Passagiere und um Schummelsoftware – hat sich die Firma immerhin stabilisiert. Der neue Chef Dara Khosrowshahi hat ein paar Dienste verkauft, ist dafür ins Frachtgeschäft eingestiegen. Die Verluste bleiben.

Es spricht also manches dafür, dass die große Wette für Uber gut ausgehen könnte – doch wird sie es auch für Nutzer und die Welt?

Während der Preiskampf tobt und sowohl Lyft als auch Uber Nachlässe anbieten, lassen im Heimatmarkt viele US-Amerikaner sich allzu gern von Uber durch die Städte kutschieren und fahren seltener mit dem öffentlichen Nahverkehr. In den Großstädten wie San Francisco oder Washington hat Ubers Mobilitätsrevolution bislang vor allem drei unübersehbare Folgen: Stau, Stau und nochmals Stau.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

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