Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: Moose Photos/Pexels

Die EU will was gegen hormonell wirksame Stoffe tun – was du darüber wissen musst

Viele Prozesse, die im menschlichen Körper stattfinden, werden von Hormonen gesteuert. Sie beeinflussen zum Beispiel den Muskelaufbau, die Verarbeitung von Zucker oder Fett im Körper, die Sexualität oder unser Stresslevel. All das funktioniert in einem fein ausbalancierten System, in dem Schwankungen oder Störungen erhebliche Folgen haben können.

Zu den Stoffen, die hormonelle Abläufe im Körper durcheinander bringen können, zählen unter anderem die sogenannten endokrinen Disruptoren. Seit einigen Jahren schon sind die Stoffe im Gespräch. Sie stecken in Kunststoffen und Körperpflegeprodukten und werden mit hormonbedingten Krebserkrankungen, Fortpflanzungs- und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht.

Nun widmet sich die EU-Kommission stärker diesem Thema. In den kommenden Wochen und Monaten soll die EU-Gesetzgebung auf Schlupflöcher für hormonschädigende Chemikalien hin untersucht werden, teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit. Eine öffentliche Umfrage sei ebenfalls geplant. Doch was machen endokrine Disruptoren überhaupt? Worin sind sie überall enthalten? Und welche Gefahr geht von ihnen aus? Wir klären 5 wichtige Fragen.

Wie wirken endokrine Disruptoren?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass einige dieser Stoffe dadurch wirken, dass sie an Rezeptoren binden und "dort eine dem Hormon ähnliche Wirkung verursachen".

Rezeptoren?

Wenn du dir das Hormon wie einen Zündschlüssel fürs Auto vorstellst, ist das Schloss der Rezeptor. Sobald du den Schlüssel ins Schloss steckst, kannst du das Auto starten. So ähnlich ist es mit dem Hormon: Indem es an den Rezeptor andockt, startet oder stoppt es bestimmte Vorgänge im Körper.

Weiter schreibt das BfR:

"Andere endokrine Disruptoren blockieren Rezeptoren und damit die Wirkung von Hormonen. Wieder andere beeinflussen die Synthese von Hormonen oder deren Abbau. Auch der Transport von Hormonen im Körper kann gestört werden."

Worin sind sie enthalten?

Häufig sind sie Kunststoffen zugesetzt, vermutlich wirken etwa bestimmte Weichmacher hormonell. Auch bestimmte Tenside, die Waschmitteln ihre schmutz- und fettlösenden Eigenschaften verleihen, zählen zu den endokrinen Disruptoren. Weiter gehören bestimmte Flammschutzmittel sowie Pflanzenschutzmittel dazu.

Es gibt aber auch hormonell wirksame Substanzen aus der Natur – zum Beispiel:

Bild

Klee Bild: imago stock&people

Wie gelangen sie in den Körper?

Wir können sie über die Haut oder die Lunge aufnehmen, vor allem gelangen sie aber über die Nahrung in den Körper. Zum Beispiel so:

Plastic bottles of mineral water are seen on the bottling line at the Abatilles factory in Arcachon, France, October 10, 2018. REUTERS/Regis Duvignau

Eine mögliche Quelle: Plastikflaschen Bild: Reuters

Welche Probleme verursachen die Stoffe?

Viel diskutiert werden vor allem Stoffe, die Sexualhormone beeinflussen oder ihnen ähnlich sind. Gegen sie gibt es gleich zahlreiche Vorbehalte:

Dividing prostate cancer cells, SEM Dividing prostate cancer cells, coloured scanning electron micrograph (SEM). Such cells can clump to form tumours, which often invade and destroy surrounding tissues. The prostate is a small gland found in men just below the bladder, surrounding the urethra, the tube urine passes through. Prostate cancer is most prevalent in men over 50 years of age. Treatment is with hormone therapy, chemotherapy, or surgical removal of the prostate. Magnification: x 1000 when printed at 10 centimetres across. PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY STEVExGSCHMEISSNER/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F022/5768

Diese Prostata-Tumorzellen teilen sich gerade. Bild: imago stock&people

Wenn gegen die hormonell wirksamen Stoffe argumentiert wird, werden häufig Studien genannt, wonach die Fälle von Prostata- und Brustkrebs zunehmen, also Krebsarten in Organen, die hormonell reguliert werden. Forscher ziehen endokrine Disruptoren als möglichen Risikofaktor in Erwägung – genauso sind aber auch Übergewicht und Alkoholkonsum Risikofaktoren. Wissenschaftlich belegt ist ein Zusammenhang zwischen Krankheiten und der Aufnahme hormonell wirksamer Stoffe aber nicht.

Sind wir den Stoffen schutzlos ausgeliefert?

In der EU sind hormonell wirksame Substanzen durch verschiedene Gesetze reguliert. Für Nahrungsmittel etwa sind Grenzwerte festgelegt, bis zu denen die Stoffe als unbedenklich gelten.

Die EU-Kommission hat nun eine neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung vor hormonverändernden Stoffen vorgestellt. Der Ansatz der EU müsse der "modernste und zweckmäßigste der Welt bleiben", sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Mittwoch. Die Kommission gehe so auf die Bedenken der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments bezüglich der bisherigen Regelungen ein.

Die bisherige Regulierung endokriner Disruptoren:

Nach jahrelangen Verhandlungen hatte die EU Ende 2017 eine erste Definition endokriner Disruptoren festgelegt. Diese beschränkt sich auf Pestizide und Pflanzenschutzmittel. Für diese Produkte gelten nun allgemeine Bestimmungen. Etwa bei Lebensmittelbehältern, Kosmetika und Spielzeug muss von Fall zu Fall entschieden werden. Zudem halten Umweltschützer die Kriterien, um einen Stoff als hormonell disruptiv einzuordnen, für zu strikt.

Die Kommission kündigte an, die Gesamtexposition gegenüber endokrinen Disruptoren zu minimieren, mehr zu forschen und die bestehenden Rechtsvorschriften einer umfassenden Eignungsprüfung zu unterziehen. Die EU-Kommission war bereits 2010 damit beauftragt worden, wissenschaftliche Kriterien als Grundlage für EU-Gesetze zu entwickeln. Die jahrelange Verspätung brachte der Brüsseler Behörde 2016 eine Rüge des Europäischen Gerichtshofs ein.

(sg/dpa/afp)

Plastik ist auch sonst ein Problem:

abspielen

Video: watson/Lia Haubner

Und jetzt zur Entspannung ein paar preisgekrönte Naturbilder:

Das könnte dich auch interessieren:

WLAN auf dem Mars? Bibis Beauty Palace liefert TV-Blamage für die Ewigkeit

Link zum Artikel

Boris Palmers verwirrender Berlin-Besuch: Im "Drogen-Park" wird es besonders bizarr

Link zum Artikel

Neue WhatsApp-Sicherheitsfunktion ist gar nicht so sicher ...

Link zum Artikel

1860 München hat offenbar ein Anti-Ismaik-Banner auf der Homepage zensiert

Link zum Artikel

Diese Schönheitskönigin will bei Olympia 2020 eine Medaille holen – im Gewichtheben

Link zum Artikel

6 Fotografen für "World Press Photo" nominiert: Hinter jedem Bild steckt eine starke Story

Link zum Artikel

Der neue Pixar-Kurzfilm ist da – und nimmt sich wieder einem ernsten Thema an

Link zum Artikel

Hauptsache weiterhin männlich – die verzweifelte Suche der Kirche nach Priestern

Link zum Artikel

"Wenn's dir gefällt, mach es einfach" – wieso Alexander in die sibirische Kälte zog

Link zum Artikel

Nach rassistischem Pullover – Rapper nehmen Entschuldigung von Gucci nicht an

Link zum Artikel

"Aber so ist es halt grad" – wir haben 3 Obdachlose an ihre Schlafplätze begleitet

Link zum Artikel

9 Promis, die gerne (un)heimlich im Foto-Hintergrund rumlungern

Link zum Artikel

Ja, ich gestehe, ich habe Modern Talking gehört

Link zum Artikel

Teste den Sound von DOCKIN und sag uns deine Meinung!

Link zum Artikel

Netflix macht's einfach selbst – und will 3 Filme mit deutschen Stars drehen

Link zum Artikel

Das Wunder von Montana: Gefrorene Katze Fluffy wurde aufgetaut und überlebt

Link zum Artikel

Wenn du deinen Job auch so im Griff hast wie diese 17 Menschen, darfst du heute früher heim

Link zum Artikel

Rechtsextremismusverdacht: Bundeswehr suspendiert offenbar Elitesoldaten

Link zum Artikel

Stelle dich unserem ultimativen GNTM-Quiz für Superfans!

Link zum Artikel

Spieler selbst aufstellen – dieser Verein ist der Traum jedes FIFA-Fans

Link zum Artikel

Kartellamt schränkt Facebook beim Datensammeln ein

Link zum Artikel

Kartellamt verpasst Facebook blaues Auge – muss Zuckerberg das Datensammeln einstellen?

Link zum Artikel

"Weißbier trinken und die Klappe halten" – Assauers 14 ikonischste Zitate

Link zum Artikel

Real gratuliert Ronaldo nicht zum Geburtstag – und die CR7-Fans sind empört

Link zum Artikel

Jetzt erkennen die Briten langsam den Brexit-Irrsinn – Panik kommt auf

Link zum Artikel

Jodel: Auf einer Party rast sie aufs Klo – und merkt zu spät, dass es gar keins war...

Link zum Artikel

Weil 5 Pfarrer Geflüchteten halfen, wurden nun ihre Häuser durchsucht

Link zum Artikel

Die Karriere von Rudi Assauer in 15 bewegenden Bildern

Link zum Artikel

Suche nach Fußballer Sala –  Erste Leiche aus Flugzeugwrack geborgen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das Nahrungsnetz der Ozeane droht zu kollabieren – Forscher stehen vor einem Rätsel

Um das Nahrungsnetz der Ozeane steht es nicht gut. Kanadische Forscher haben festgestellt, dass die Planktonproduktion in den letzten vier Jahren massiv abgenommen hat. Über mögliche Ursachen konnten noch keine Erkenntnisse gewonnen werden, wie CBS News berichtet.

Phytoplankton und Zooplankton – pflanzliches und tierisches Plankton – sind zwar nur extrem winzige Pflanzen und andere Organismen, aber ihr Einfluss auf die Meere ist gewaltig. Sie bilden die Grundlage des Nahrungssystems. …

Artikel lesen
Link zum Artikel