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LOS ANGELES, CALIFORNIA  - APRIL 06: Young men wear face masks while waiting to clean windshields for extra cash amid the coronavirus pandemic on April 6, 2020 in south Los Angeles, California. More than 10,000 people have now died in the U.S. from COVID-19. (Photo by Mario Tama/Getty Images)

Wie hier in den USA gab es zuletzt vermehrt auch junge Patienten, die schwerer an Corona erkrankten. Warum ist das so? Bild: Getty Images North America / Mario Tama

Was macht das Coronavirus für junge Menschen gefährlich? Diese 5 Punkte werden erforscht

Das Coronavirus betrifft vor allem die über 65-Jährigen und Menschen mit (mindestens) einer Vorerkrankung. Doch es kann auch junge und völlig gesunde Menschen treffen. Warum, das ist noch nicht klar.

Das Coronavirus ist insbesondere für ältere Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Atemkrankheiten gefährlich. Das zeigen die Zahlen aus allen Ländern. Doch das sind Durchschnittswerte. Denn klar ist auch: Es kann auch junge Menschen ohne Vorerkrankung schwer treffen oder in seltenen Fällen zum Tod führen.

Mike Ryan, Exekutivdirektor der WHO-Programme für gesundheitliche Notfälle, nannte kürzlich einige Zahlen. In Südkorea ist einer von sechs Betroffenen unter 60 Jahre alt, in Italien sind 10 bis 15 Prozent auf der Intensivstation unter 50. Auch aus den USA gab es in den vergangenen Tagen vermehrt Berichte, dass auch Junge schwer erkranken und sterben. Rund die Hälfte der Krankenhauseinlieferungen wegen des Coronavirus in Nordamerika ist unter 50 Jahre alt, rund 800 Personen unter 50 starben.

Warum dem so ist, daran wird fleißig geforscht. Wissenschaftler versuchen, dem Virus auf die Spur zu kommen. Mit verschiedenen Tests und dem Sammeln von DNA von Covid-19-Patienten versucht man, die Risikogruppe zu bestimmen. Aktuell stehen unter anderem diese fünf Punkte im Fokus:

Große virale Belastung

In Italien sind schon über 50 Ärzte und weiteres medizinisches Personal in Krankenhäusern an Covid-19 verstorben, rund 10.000 wurden infiziert. Untersucht wird deshalb, ob hohe virale Belastung das Immunsystem überfordert.

Ein gesundes Immunsystem reagiert zwar auf das Virus und bekämpft dieses. Doch durch den häufigen Kontakt mit Covid-19-Patienten kommt man immer wieder in Kontakt mit neuen Viren, noch bevor der Körper die ersten besiegen konnte. Irgendwann ist das Abwehrsystem nicht mehr fähig, alle Viren zu bekämpfen.

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Fehlt dem medizinischen Personal die entsprechende Schutzausrüstung, sind sie besonders hohen Virusladungen ausgesetzt. bild: getty images / Jochen Sand

Überreaktion

Es kann auch vorkommen, dass ein Immunsystem eigentlich "zu gut" funktioniert, wie das vom Deutschen Ärzteverlag herausgegebene "MTA Dialog" berichtet. Wird das Virus im Körper entdeckt, produzieren Zytokine ein ungeeignetes Umfeld für die Infektion – im besten Fall bleibt der Mensch gesund. Allerdings können sie auch überreagieren, was zu einem Entzündungssturm führen kann.

Das Immunsystem kann sich, vereinfacht gesagt, nicht mehr selbst abstellen, die Lunge und andere Organe werden überfordert, Flüssigkeit gelangt in die Lunge und es kommt zu einer Lungenentzündung. Dies stellten Ärzte in einigen Fällen von Covid-19-Patienten auf der Intensivstation fest.

ACE2-Gen

Eine weitere Möglichkeit, warum das Coronavirus sich in einigen Menschen besser ausbreiten kann als in anderen, könnte an den Genen liegen. "Wir sehen große Unterschiede in verschiedenen Ländern. Wie viel das mit unterschiedlichen Genen zusammenhängt, ist noch offen", sagt Andrea Ganna vom Institut für Molekulare Medizin an der Universität Helsinki (FIMM). Zusammen mit einigen Kollegen sammelt er genetische Informationen.

Verdächtigt wird dabei ein Gen, das für "das Zelloberflächenprotein Angiotensin-konvertierendes Enzym 2 (ACE2) kodiert, mit welchem das Coronavirus in die Atemzellen kommt. Variationen von ACE2 könnten es dem Virus erschweren oder vereinfachen, um in die Zellen zu kommen", wie Immunologe Philip Murphy vom National Institute of Health (NIH) erklärt.

BERLIN, GERMANY - APRIL 08: Doctor Beate Krupka, dressed in a protective suit and mask, takes information from a young man seeking a test for possible Covid-19 infection in a garage behind Krupka's practice during the coronavirus crisis on April 08, 2020 in Berlin, Germany. Krupka and her colleagues are using the garage to take samples from possible Covid-19 patients in order to avoid having them come into the practice and possibly contaminate it with the coronavirus. The city of Berlin has confirmed approximately 4,000 Covid-19 infections. Krupka said the number of people testing positive from her samples has been declining recently. Germany has over 100,000 confirmed cases of infection and over 1,800 people have died.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Ein junger Mann will sich in Berlin auf Covid-19 testen lassen. Bild: Getty Images Europe / Sean Gallup

Fehlender Schutzfilm

Eine weitere Möglichkeit ist laut CNN, dass das Coronavirus dafür sorgt, dass ein sogenannter Surfactant, das dafür sorgt, dass die Lunge weich und beweglich bleibt, bei einigen Menschen verschwindet.

Stellt man sich die Lunge als Schwamm vor, bedeutet dies, dass das Surfactant die Lunge weich und beweglich macht. Fehlt dieser körpereigene Schutzfilm, wird die Lunge dagegen steif und härter. Die Atmung fällt dadurch schwerer, was auch am Beatmungsgerät nicht sofort behoben werden kann.

Blutgruppe A

Kann auch die Blutgruppe eine Rolle spielen, wie eine Coronainfektion verläuft? Chinesische Forscher haben mit Proben aus Wuhan und Shenzhen genau dies Ende März herausgefunden. So sollen Menschen mit Blutgruppe A besonders anfällig, solche mit Blutgruppe 0 weniger betroffen sein. Die Studie wurde mit 2000 Covid-19-Patienten durchgeführt.

Allerdings schreiben die Forscher selbst, dass der Zusammenhang zwischen Covid-19 und den Blutgruppen "nur vorläufig und noch unbestätigt" sei. Weitere Abklärungen sind auch hier nötig.

Fazit

Noch ist zu wenig über das Coronavirus bekannt, um sagen zu können, was schwere Verläufe auch bei jüngeren Patienten beeinflusst. Die oben erwähnten Möglichkeiten könnten einen Teil zur Lösung beitragen.

In allen Bereichen braucht es aber mehr Forschung, um dem SARS-CoV-2-Virus auf die Spuren zu kommen.

(watson.ch)

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