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Bild: imago/watson-montage

Tödlicher Hefepilz – warum Candida auris so gefährlich ist

Daniel Huber / watson.ch

Unaufhaltsam, so scheint es, breitet er sich aus: Candida auris, ein Hefepilz, infiziert Menschen in immer mehr Ländern rund um den Globus. Für viele von ihnen endet der Befall tödlich – Candida auris ist ein multiresistenter Pilz, der invasive Infektionen auslösen kann. Und er wird, im Gegensatz zu anderen bisher bekannten Arten, von Patient zu Patient und über kontaminierte Oberflächen übertragen. Das macht ihn zum Schrecken von Krankenhäusern, die einem Ausbruch des Erregers nur mit Mühe Herr werden.

Der Hefepilz wurde 2009 zum ersten Mal im Ohrensekret eines japanischen Patienten gefunden – von daher der Namenszusatz auris (lat. für "das Ohr betreffend"). Seither gab es Infektionen in zahlreichen Ländern, von Südkorea über Indien und Kenia bis Kanada.

Auch in Europa hat der Erreger bereits Fuß gefasst – besonders in Spanien und Großbritannien. In einem Krankenhaus in London ereignete sich 2015 der erste größere Ausbruch, 72 Patienten wurden infiziert. Der bisher einzige Fall in der Schweiz betraf eine ältere Patientin, die sich in Spanien angesteckt hatte und im Oktober 2017 in einem Genfer Spital verstarb.

Gestatten: Candida auris

Candida auris fungi, illustration Computer illustration of the unicellular fungus (yeast) Candida auris. C. auris was first identified in 2009. It causes serious multidrug-resistant infections in hospitalized patients and has high mortality rates. It causes bloodstream, wound and ear infections and has also been isolated from respiratory and urine specimens. Most C. auris infections are treatable with antifungals from the echinocandin group of drugs. PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY KATERYNAxKON/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F016/1375

So schön kann Pilz aussehen – eben alles eine Frage der Perspektive. Bild: imago stock&people

Von 2013 bis 2017 wurden in Europa laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) insgesamt 620 Fälle gemeldet, wobei ein deutlicher Anstieg in den Jahren 2016 und 2017 festgestellt wurde. Die meisten Meldungen gab es in Spanien (388 Fälle) und Großbritannien (221 Fälle). Bei rund drei Vierteln aller gemeldeten Fälle handelte es sich um eine harmlose Besiedlung des Körpers mit dem Pilz, doch bei den restlichen Patienten kam es zu Blutvergiftungen oder anderen Infektionen.

Geschwächtes Immunsystem

Der Grund dafür ist meist ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise bei chronisch Kranken, Krebs- oder AIDS-Patienten. Auch andere Hefepilze besiedeln Haut oder Schleimhäute des Menschen – Candida albicans zum Beispiel ist ein eher harmloser Pilz, der in aller Regel keine Probleme verursacht. Bei angeborener oder erworbener Immunschwäche kann sich Candida albicans aber so stark vermehren, dass es zu einer sogenannten Candidose (auch als "Soor" bekannt) kommt.

So ist auch Candida auris für ein gesundes Immunsystem zumeist keine ernsthafte Bedrohung. In der Tat zeigen gesunde Personen, die mit dem Pilz infiziert sind, keine Symptome und verbreiten ihn ohne ihr Wissen weiter. Nur ein Labortest kann Aufschluss geben, ob jemand von Candida auris besiedelt ist. Wenn aber Vorerkrankungen bestehen, kann der Hefepilz in den Blutstrom gelangen und dort eine Sepsis – eine Blutvergiftung – verursachen. Auch Wunden oder die Harn- und Atemwege kann er befallen und dort gefährliche Infekte auslösen.

Im Gegensatz zu seinen harmloseren Verwandten erweist sich Candida auris in solchen Fällen als veritabler Killer. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) schätzt, dass nicht weniger als 30 bis 60 Prozent aller Infektionen, bei denen der Pilz in den Körper eindringt, tödlich enden. Die Behörde gab denn auch im August 2017 erstmals eine Warnung vor einer ernsten weltweiten Bedrohung heraus.

Multiresistenter Erreger

Hinzu kommt, dass Candida auris nicht immer so leicht zu identifizieren ist, vor allem aber, dass viele seiner Pilzstämme gegen eines oder mehrere der Medikamente resistent sind, die man gegen Pilzinfektionen einsetzt. Bei 90 Prozent der vom Pilz verursachten Infektionen wirkt mindestens ein Medikament nicht, bei 30 Prozent der Infektionen sind es sogar zwei oder mehrere Medikamente.

Solche Resistenzen kennt man sonst eher von Bakterien – so ist durchaus bekannt, dass beispielsweise immer weniger Antibiotika gegen multiresistente Tuberkuloseerreger wirken. An Pilze denkt man dagegen kaum. Auch bei Antibiotikaresistenz gilt aber, dass in erster Linie Personen mit geschwächtem Immunsystem gefährdet sind, darunter Neugeborene, Alte, Diabetiker und Personen, die Immunsuppressiva nehmen müssen.

Das Problem der multiresistenten Keime verschärft sich durch den unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika. Gelingt es nicht, den Missbrauch dieser wichtigen Medikamente einzudämmen und zugleich neue Arzneimittel gegen multiresistente Keime zu entwickeln, wird das Risiko mit der Zeit auch für gesundheitlich robustere Personen zunehmen, die jetzt noch weniger gefährdet sind. Laut einer Schätzung der WHO könnten multiresistente Erreger um 2050 sogar mehr Todesfälle verursachen als Krebs.

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"Antibiotikaresistente Keime in 3 Minuten erklärt." Video: YouTube/youknow

Hartnäckiger Pilz

Pilze wie Candida auris, die gegen Antimykotika (Antipilzmittel) resistent sind, verschärfen dieses Problem. Der Hefepilz ist zudem äußerst zählebig: Er setzt sich als Biofilm auf den Oberflächen von Möbeln und medizinischen Apparaten fest und ist von dort kaum mehr wegzubringen. Als ein älterer Patient, der an einer Infektion mit Candida auris litt, im Mai 2018 in ein Krankenhaus im New Yorker Stadtteil Brooklyn eingeliefert wurde, stellten die Ärzte dort nach seinem Tod fest, dass der Pilz das gesamte Zimmer – Wände, Decke, Fußboden – befallen hatte. Teile der Decken- und Bodenverkleidung mussten herausgerissen und entsorgt werden.

Für Krankenhäuser ist dies ein Alptraum. Der Pilz kann so nicht nur von Patient zu Patient übertragen werden, sondern auch durch kontaminierte Räume und Geräte. Immerhin erfolgt die Übertragung nach derzeitigem Kenntnisstand nicht über die Luft wie bei vielen Erkältungsviren, sondern nur als Schmierinfektion.

Die Mediziner haben die Gefährlichkeit des Hefepilzes erkannt. In der Schweiz haben Infektiologen bereits 2002 die Forschungsplattform Funginos (Fungal Infection Network of Switzerland) ins Leben gerufen, die sich nun auch mit Fällen von Candida-auris-Infektionen befasst. Auch die Vereinigung Swissnoso, die Spitalinfektionen bekämpft, hat den Pilz im Visier. Wenn Patienten aus dem Ausland in die Schweiz repatriiert werden, werden sie zuerst isoliert, bis sicher ist, dass sie keine multiresistenten Erreger mehr aufweisen – auch Candida auris nicht.

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