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Visionierung der ReGenvillages – ein Wohnform-Projekt der Zukunft. bild: regenvillages

Interview

"Tesla der Öko-Häuser" – wie ein US-Wissenschaftler die Zombie-Apokalypse verhindern will

William Stern / watson.ch

James Ehrlich ist ein viel beschäftigter Mann. Seit der US-Wissenschafter der renommierten Universität Stanford an der Architektur-Biennale in Venedig vor zwei Jahren seine Spin-off ReGenVillages vorgestellt hat, tourt er durch die halbe Welt. Aktuell ist er in der Schweiz, wo er an einer Immobilien-Konferenz in Interlaken teilnimmt und für seine Idee wirbt. 

Das erste der sogenannten ReGenvillages soll im Sommer 2019 in Almere (Niederlande) bezugsbereit sein. Die Idee hinter dem Projekt: Eine riesige Nachbarschaft im Grünen, die off-grid funktioniert, die also kaum Abhängigkeit von öffentlichen Einrichtungen besitzt. Die Bewohner kultivieren Lebensmittelanbau, gewinnen Strom aus Solaranlagen und speisen den Abfall wieder in das Verwertungssystem – so soll ein perfekter Kreislauf entstehen. 

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bild: regen village

Herr Ehrlich, wieso sollten wir freiwillig in einem riesigen Treibhaus wohnen?
James Ehrlich: Sie sind ja nicht gefangen, im Gegenteil: Die ReGenvillages sind Nachbarschaften, die nach einen geschlossenen, autonomen Kreislaufsystem funktionieren. Energie, Nahrung, Abfall – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Das klingt doch fantastisch!

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bild: effekt/regen

Aber auch ein bisschen utopisch. Die ersten Bewohner des ReGenvillage in Almere hätten bereits im Sommer 2016 einziehen sollen. Jetzt haben wir bald 2019.
Ja, wir hatten Probleme mit Behördenbewilligungen, das hat den Start etwas verzögert. Die Bauzonenpolitik in den Niederlanden ist etwas kompliziert. Wir haben schon 2016 Land gekauft, aber erst im Juli 2018 erhielten wir die Baubewilligung. Nächsten Sommer wird das erste ReGenvillage bewohnt sein.

Wieso wählten Sie ausgerechnet Almere als Standort für das erste ReGenvillage?
Eigentlich planten wir ja, in Dänemark zu starten. Die niederländische Regierung umwarb uns dann aber so lange, bis wir zusagten. Almere ist als Standort ideal, eine landschaftliche schöne Gegend, landwirtschaftlich gut nutzbar, und nahe dem Großraum Amsterdam. 

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Das erste ReGenVillage entsteht in Zusammenarbeit mit der Wageningen University in den Niederlanden und Except Integrated Sustainability bild: regenvillages

Wie viele Interessenten haben Sie bislang für die Häuser?
Insgesamt haben wir 600 Familien in der Region Amsterdam, die bereit sind, zu kaufen.

Sie sind US-Amerikaner, lehren an der progressiven Westküste. Wieso treiben Sie das Projekt in Europa voran? 
Europa ist der ideale Ort für ein solches Projekt, das war uns von Anfang an klar. Die Leute und die Behörden dort sind aufgeschlossener als in den USA. Auch die Schweiz wäre übrigens ein sehr interessantes Pflaster für die ReGenVillages.

Sie haben eine unübliche Biographie für einen Wissenschafter: Sie waren an der Entwicklung von Computerspielen beteiligt und produzierten eine preisgekrönte Kochshow. Der Name der Show war Hippie Gourmet. Auch das ReGenvillage-Projekt klingt ein bisschen nach Counterculture, 68 und gemeinsamer Klangschalenmeditation.  
Wir bilden keine Kommunen. Die ReGenvillages sollten Mehrgenerationen-Nachbarschaften und multikulturell sein, das schon. Und natürlich streben wir danach, dass eine gute Nachbarschaft existiert, aber es besteht keine Pflicht, mitzumachen. Jeder bezahlt monatlich einen Beitrag, mittels freiwilliger Arbeit kann dieser Beitrag verringert werden. 

Aber Fakt ist, dass Ihr Projekt ein Eliteprojekt ist: Wer nicht mindestens 200.000 Euro bringen kann, für den wird es keinen Platz geben in der schönen neuen Welt.
Elon Musk ließ auch keinen VW Beetle vom Stapel rollen, sondern einen Sportwagen, und dann mit dem Model S eine High-Class-Limousine. Genau das wollen wir: Den Tesla der Ökosiedlungen. Wir zielen anfänglich auf eine Schicht, die einen nachhaltigen Lebensstil führt und sich Mittelklasse-Preise leisten kann. Von da aus wollen wir bis an den Boden der Pyramide. 

Bisher sind die Projekte allesamt in Nordeuropa und den USA geplant. Kommt auch der arme Süden irgendwann in den Genuss des nachhaltigen Lebens?
Wir wollen über kurz oder lang die ganze Welt umspannen, USA, Europa, aber auch Asien und Subsahara-Afrika. Sobald die Regierungen realisieren, dass die ReGenvillage einen ganzen Haufen Probleme abnimmt.

Wie das?
Die Leute leben besser in solchen, sie leben gesünder, sie sind glücklicher und sie leben länger. Die ReGenvillages sind ein Bollwerk gegen die unweigerlich drohende Zombie-Apokalypse.

Hier ein Trailer zu "Energiepioniere":

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Video: YouTube/Lomotion

Zombie-Apokalypse?
Ich bin in New York in den 70er-Jahren aufgewachsen, eine fantastische, pulsierende Stadt. Aber jeder mittelgroße Sturm konnte die Stromversorgung ganzer Viertel lahmlegen. Die Infrastruktur von Großstädten ist auch heute noch unglaublich fragil, nicht nur in Entwicklungsländern. 

Vom Stromunterbruch bis zur Zombie-Apokalypse ist es ein großer Schritt.
Ja, aber spielen Sie das Szenario mal durch. Die ersten drei, vier Tage nach einer Katastrophe in einer Großstadt können Sie aus dem Vorratsschrank leben – vorausgesetzt, Sie haben genug Wasser gebunkert. Die Wasserversorgung ist ja nicht mehr vorhanden. Das Internet funktioniert nicht mehr ohne Strom, Sie können sich nichts liefern lassen. Ihre Kreditkarte ist nutzlos geworden, und wenn Sie dann endlich mal ein geöffnetes Lebensmittelgeschäft gefunden haben, dann sind die Regale leer. Glauben Sie mir, die Menschen – vor allem Menschen mit Kindern – warten in dieser Situation nicht darauf, bis sie langsam verhungern. Aus vernünftigen Menschen werden nur allzu schnell unvernünftige.

Sie wollen mit Ihren Öko-Häusern zurück aufs Land – der Trend geht jedoch in eine ganz andere Richtung: Stichwort Smart-Citys. 
Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn ich dieses Wort höre, Smart-Citys. Schauen Sie, bis 1950 lebte ein Großteil der Menschheit außerhalb von Städten auf eine Art und Weise, die man heute als nachhaltig bezeichnen könnte. 2050, so die Berechnungen, werden von den 10 Milliarden Erdbewohnern 75 Prozent in extrem gefährdeten, völlig überfüllten Städten in Küstenregionen leben. Ich finde diese Vorstellung erschreckend. Die Lösung sind autarke Wohnformen auf dem Land. 

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